Affiliate Marketing
Zwei Drittel setzen auf Affiliate Marketing – warum der Kanal 2026 gewinnt

Zwei Drittel setzen auf Affiliate Marketing – warum der Kanal 2026 gewinnt

Larissa Ceccio | 15.01.26

Der Affiliate Trend Report 2026 zeigt, warum der Kanal nicht nur trotz KI, generativer Suche und Social Commerce wächst, sondern womöglich gerade wegen dieser Umbrüche: 62 Prozent der Advertiser erwarten steigende Umsätze. Welche Strategien jetzt zählen – und warum Affiliate Marketing als krisenfester Performance-Kanal neu bewertet wird.

Affiliate Marketing ist selten der lauteste Kanal im Marketing-Mix. In wirtschaftlich unsicheren Phasen zeigt sich aber immer wieder, dass er zu den verlässlichsten gehört. Genau dieses Bild zeichnet der Affiliate Trend Report 2026. Trotz anhaltender Unsicherheiten rechnet die Branche mit steigenden Umsätzen, wachsenden Budgets und einer stärkeren strategischen Rolle. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem Künstliche Intelligenz, generative Suche und Social Commerce. 55 Prozent der Advertiser sehen Aktionen mit Affiliates als wichtigstes Wachstumspotenzial, gefolgt von Tests neuer Kampagnenformate wie Retargeting, SEA oder E-Mail Marketing mit jeweils 48 Prozent.

Balkendiagramm zeigt, in welchen Bereichen Advertiser das größte Wachstumspotenzial im Affiliate Marketing sehen, angeführt von Aktionen mit Affiliates und Tests neuer Kampagnenformate
Wachstumspotenziale im Affiliate Marketing aus Sicht der Advertiser, © MAI xpose360

Für den Report haben MAI xpose360 und AffiliateBLOG.de mehr als 1.200 Advertiser, Affiliates sowie Agenturen, Netzwerke und Technologieanbieter:innen befragt. Damit zählt die Studie zu den umfassendsten Marktanalysen zum Affiliate Marketing im deutschsprachigen Raum. Die wichtigsten Trends und strategischen Verschiebungen ordnen wir im Folgenden ein.



Die wichtigsten Affiliate-Marketing-Trends 2025

Affiliate Marketing
Affiliate Marketing, © Glenn Carstens-Peters – Unsplash


Affiliate Marketing bleibt stabil und wird für viele zum Umsatztreiber

Die Erwartungen für 2026 fallen in Zeiten allgemeiner Unsicherheit durch sich überschlagende Entwicklungen überraschend positiv aus. 62 Prozent der Advertiser, 52 Prozent der Agenturen, Netzwerke und Tech-Unternehmen sowie 46 Prozent der Affiliates rechnen mit steigenden Umsätzen im Affiliate Marketing. Bereits 2025 konnten 54 Prozent der Advertiser ihre Umsätze über den Kanal steigern.

Gleichzeitig verändert sich die Rolle des Kanals im Marketing Mix. 71 Prozent der Advertiser zählen Affiliate Marketing 2026 zu ihren wichtigsten Umsatztreibern – direkt hinter Paid Media. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein signifikanter Anstieg und ein Signal dafür, dass Affiliate Marketing zunehmend strategisch geplant wird und nicht mehr nur als ergänzender Performance-Kanal gilt.

Balkendiagramm zeigt die voraussichtlich umsatzstärksten Werbekanäle 2026, angeführt von Paid Search vor Affiliate Marketing, Paid Social, E-Mail und SEO.
Umsatzstärkste Werbekanäle 2026 aus Sicht der Advertiser, © MAI xpose360

Auch beim Budgetverhalten zeigt sich diese Aufwertung. 54 Prozent der Advertiser halten Affiliate Marketing für besonders krisenfest. Entsprechend investieren 27 Prozent der Unternehmen zusätzlich in den Kanal, weitere 24 Prozent schichten Budgets aus anderen Marketing-Disziplinen um. Während Affiliate Marketing insgesamt an Bedeutung gewinnt, wird Künstliche Intelligenz zum zentralen Beschleuniger dieser Entwicklung.

KI ist 2026 nicht mehr Nice-to-have, sondern Standard

Die dominierende Entwicklung bleibt Künstliche Intelligenz. 88 Prozent der Advertiser bewerten sie als wichtigstes Thema 2026. In der Praxis heißt das, dass KI nicht mehr „oben drauf“ sitzt, sondern tief in operative Prozesse integriert ist. Besonders häufig kommt sie in der Content-Erstellung zum Einsatz – bei Advertisern zu 78 Prozent, bei Affiliates sogar zu 84 Prozent. Hinzu kommen automatisierte Reportings (53 Prozent) sowie Publisher-Akquise und Werbemittelproduktion mit jeweils 44 Prozent. Affiliates nutzen KI darüber hinaus stark für SEO- und Ideenentwicklung.

Damit verändert sich auch der Wettbewerbsfaktor. Entscheidend ist nicht mehr das einzelne Tool, sondern wie gut Teams KI in bestehende Workflows, Datenstrukturen und Steuerungslogiken integrieren. In diese Richtung entwickelt sich derzeit die nächste Stufe, denn KI wird zunehmend agentisch. Das zeigt sich auch jenseits des Affiliate-Kanals. Google testet mit Agent Skills in Antigravity und Auto Browse für Chrome erstmals wiederverwendbare Wissenspakete, mit denen Gemini Aufgaben selbstständig ausführen kann. Parallel holt Meta mit der Übernahme von Manus Know-how für autonome KI-Agents ins Unternehmen. Beide Entwicklungen markieren den Übergang von assistierender KI hin zu Systemen, die Prozesse eigenständig steuern und Entscheidungen vorbereiten.

Für das Affiliate Marketing heißt das: KI optimiert nicht mehr nur einzelne Arbeitsschritte, sondern wird Teil der operativen Infrastruktur. Wer früh lernt, agentische Systeme sinnvoll zu orchestrieren, verschafft sich einen strukturellen Vorsprung.



Agent-Ära bei Google:
Antigravity erhält Agent Skills und Chrome Auto Browse

Logo von Google Antigravity, der Experimentierplattform von Google für agentische K.
© Google Antigravity


Generative Suche sorgt für neue Gewinner:innen – und neue Risiken

Neben KI rückt ein zweiter struktureller Treiber in den Fokus: generative Suche, etwa über Google AI Overviews. Rund die Hälfte der Befragten zählt sie zu den wichtigsten Entwicklungen 2026 und nur zwei Prozent sind der Meinung, dass sich eine Investition in AI nicht lohnen würde. Die Konsequenzen sind aus Affiliate-Sicht besonders spürbar, weil Reichweite und Sichtbarkeit traditionell stark über Search entstehen.

Kreisdiagramm zur Einschätzung von Affiliates: 60 Prozent stimmen voll zu, 38 Prozent stimmen eher zu und zwei Prozent stimmen nicht zu, dass Investitionen in Künstliche Intelligenz in den nächsten fünf Jahren einen Wettbewerbsvorteil schaffen.
KI als Wettbewerbsvorteil im Affiliate Marketing, © MAI xpose360

Wie schnell sich Traffic-Ströme verschieben können, zeigte bereits das vergangene Jahr. In Deutschland führten Manual Actions im Rahmen der Site Reputation Abuse-Richtlinie Ende 2024 zu teils massiven Sichtbarkeitsverlusten – auch bei affiliate-getriebenen Modellen wie Gutschein-, Deal- oder Content-Seiten. In genau diesem Umfeld wirkt generative Suche wie ein zusätzlicher Beschleuniger: Klassische SEO-Modelle geraten weiter unter Druck, während technologische Publisher, Recommendation-Engines und KI-nahe Plattformen profitieren.

Entsprechend reagieren erste Advertiser mit sogenannten Answer- oder Generative-Engine-Optimierungen, um in KI-generierten Such- und Antwortsystemen sichtbar zu bleiben. Dabei verschiebt sich der Fokus von klassischen Rankings hin zu Quellenrelevanz, Autorität und inhaltlicher Anschlussfähigkeit. Welche Domains in Systemen wie ChatGPT, Perplexity oder anderen KI-Suchen tatsächlich zitiert und referenziert werden, zeigen erste GEO-Analysen zur KI-Sichtbarkeit.

Dass diese Entwicklung nicht nur SEO, sondern auch PR und Markenkommunikation betrifft, macht der GEO-Ansatz deutlich. Generative Engine Optimization verbindet Suchlogik, Medienarbeit und Plattformstrategie und wird damit zu einer neuen Schnittstelle zwischen Performance, Content und Reputation. Parallel zur Verlagerung von Sichtbarkeit in KI-Umgebungen gewinnt ein weiterer Kanal an Dynamik: Commerce.

KI-Commerce verschiebt die Customer Journey – Social Commerce gewinnt an Gewicht

Ein weiterer zentraler Befund der Studie betrifft den Kaufprozess selbst. 41 Prozent der Advertiser erwarten, dass sich Suche, Beratung und Kaufabschluss künftig stärker in KI-basierte Umgebungen verlagern, etwa in Chatbots oder digitale Shopping Assistants. Viele Marktteilnehmende gehen zudem davon aus, dass KI perspektivisch alle Touchpoints der Customer Journey beeinflusst – insbesondere in der Informations- und Entscheidungsphase. Affiliate Marketing wird damit zunehmend Teil eines KI-getriebenen Commerce-Ökosystems und nicht mehr nur als vorgelagerter Traffic-Kanal betrachtet.

Parallel dazu gewinnt Social Commerce deutlich an Relevanz. Während sich Search neu sortiert, etabliert sich Social als dritter zentraler Pfeiler im Affiliate Mix. Influencer-Modelle steigen laut Studie in ihrer Bedeutung von 28 auf 43 Prozent, auch Social Media Publisher legen deutlich zu. Getrieben wird diese Entwicklung durch neue Shopping-Formate und Plattformlogiken wie TikTok Shop oder Checkout-Funktionen in Social Apps. Advertiser reagieren darauf mit hybriden Vergütungsmodellen, garantierten Platzierungen und einer stärkeren Verzahnung von Affiliate- und Creator-Kampagnen. Affiliate Marketing wird dadurch sichtbarer, persönlicher und zunehmend creator-getrieben.



TikTok Next 2026:
Marken brauchen jetzt „unersetzlichen Instinkt“

Grafik zu TikTok Next 2026 mit den drei Trendbereichen Reali-Tea, Curiosity Detours und Emotional ROI auf schwarzem Hintergrund.
© TikTok via Canva


Tracking wird strategischer – hybride Vergütungsmodelle werden zur neuen Norm

Das Thema Tracking verliert 2026 an öffentlicher Dramatik, gewinnt jedoch strategisch weiter an Bedeutung. Statt der reinen Cookieless-Debatte rücken First-Party-Daten, Server-to-Server Tracking und die Integration in CRM-Systeme in den Fokus. Bereits 54 Prozent der Advertiser arbeiten mit entsprechenden Setups, weitere planen den Umstieg. Parallel wird Affiliate Marketing zunehmend in ganzheitliche Customer Journey- und Customer-Lifetime-Value-Strategien eingebettet. 59 Prozent der Advertiser kennen inzwischen den CLV ihrer Affiliate-Kund:innen – ein deutliches Signal dafür, dass der Kanal immer häufiger als Bestandteil langfristiger Kund:innenwertmodelle verstanden wird.

Diese strategische Aufwertung spiegelt sich auch in den Vergütungsmodellen wider. Reine CPO-Modelle verlieren weiter an Bedeutung. 73 Prozent der Advertiser zahlen bereits zusätzliche WKZ oder setzen auf hybride Vergütungsmodelle. Gründe dafür sind steigende Produktionskosten, volatile SEO-Reichweiten und der Wunsch nach planbaren, langfristigen Kooperationen. Auch auf Affiliate-Seite wird dieser Wandel aktiv eingefordert. Für viele Publisher sind hybride Modelle inzwischen Voraussetzung, um qualitativ hochwertigen Traffic nachhaltig liefern zu können.

Resümee: Warum Affiliate Marketing gerade jetzt gewinnt

Der Affiliate Trend Report 2026 zeigt: Der Kanal profitiert vom Umbruch, weil er messbar bleibt und sich schneller an neue Such-, Plattform- und Commerce-Logiken anpassen kann als viele andere Disziplinen. KI, generative Suche und Social Commerce sind dabei keine kurzfristigen Trends, sondern neue strukturelle Rahmenbedingungen. Markus Kellermann, CMO der MAI Group, bringt es auf den Punk:

Affiliate-Marketing ist längst kein Nischenkanal mehr, sondern ein strategischer Wachstumstreiber entlang der gesamten Customer Journey.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Googles KI-getriebene Suche, neue Interfaces und veränderte Publisher-Modelle setzen klassische Traffic-Strategien unter Druck. Bereits 2025 führten die Site Reputation Abuse Updates auch in Deutschland zu spürbaren Reichweitenverlusten bei Affiliate-Seiten. Vor diesem Hintergrund bewerten viele Marktteilnehmende Affiliate Marketing neu – als kontrollierbaren, datengetriebenen Performance-Kanal in einem zunehmend volatilen Suchumfeld.

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