Social Media Marketing
TikTok Next 2026: Marken brauchen jetzt „unersetzlichen Instinkt“

TikTok Next 2026: Marken brauchen jetzt „unersetzlichen Instinkt“

Larissa Ceccio | 15.01.26

Der TikTok Next 2026-Report zeigt, warum der Scroll-Autopilot ausgedient hat: Nutzer:innen wollen keinen #delulu-Eskapismus mehr, sondern Inhalte mit Sinn, Haltung und Mehrwert, die emotional andocken und Orientierung geben. Wir ordnen ein, was auf der Trendplattform Nummer eins jetzt wirklich funktioniert.

Scrollen war gestern. 2026 geht es auf TikTok ums Mitfühlen, Mitreden und Mitmachen. Genau darum dreht sich TikTok Next 2026, die jüngste Trendprognose von TikTok. Das diesjährige Leitmotiv heißt „Unersetzlicher Instinkt“ und trifft ziemlich genau den Nerv der Zeit. Nutzer:innen wollen nicht mehr einfach berieselt werden. Sie kommen mit Neugier, mit Fragen und mit klaren Erwartungen an Inhalte, die sich relevant anfühlen.

Der Report richtet sich an Marketer und zeigt, wie sich Nutzungsverhalten, Markenwahrnehmung und Kaufentscheidungen in diesem Jahr weiter verschieben. Weg vom passiven Konsum, hin zu aktiver Beteiligung. Oder wie es Sofia Hernandez, Global Head of Business Marketing bei TikTok, auf den Punkt bringt:

The brands that win will be the ones combining human insight with smarter AI tools and richer data to create content that feels relevant, responsive, and genuinely worth engaging with.

Reichweite und Viralität verlieren demnach an Relevanz. Likes und Views sind nett, aber nicht entscheidend. Und das ist nicht nur auf TikTok so, auch einige Instagram Creator sind der Meinung: „100 Likes sind die neuen 1.000“. Wichtig ist, ob Inhalte andocken. Ob sie ein Gefühl treffen, Orientierung geben oder echte Mehrwerte liefern. Erfolgreich sind laut TikTok die Marken, die menschliches Gespür mit smarten KI-Tools und belastbaren Daten verbinden und daraus Inhalte bauen, die sich nicht nach Werbung anfühlen, sondern nach echter Teilhabe.

TikTok wird damit noch stärker zum Ort für Kultur, Kontext und Connection. Wer 2026 relevant sein will, muss zuhören, mitdenken und mitfühlen. Alles andere wischt die Community schneller weg, als der nächste Trend im Feed auftaucht.



Millionen Menschen in Europa setzen auf TikTok
– und prägen Kultur und Politik

Smartphone mit TikTok App in Hand
© Solen Feyissa – Unsplash


Realismus statt delulu: User sehnen sich nicht mehr nach Flucht, sondern Sinn

Was lange als empowerndes Wegträumen funktionierte, wirkt inzwischen eher wie Vermeidung. Eskapismus verliert an Reiz. Stattdessen verschiebt sich der Fokus hin zu Klarheit, emotionaler Erdung und Inhalten, die sich nach realem Leben anfühlen. Fantasievolle Hochglanzwelten, starke Romantisierung und perfekte Ästhetik werden zunehmend hinterfragt. Auch andere Social-Plattformen beobachten diese Entwicklungen und Instagram-Chef Adam Mosseri erklärte den Hochglanz-Feed kürzlich sogar für tot. Inhalte, die übertrieben glatt oder künstlich wirken, verlieren an Anschluss.

Gefragt sind stattdessen Formate, die persönliche Stimmungen aufgreifen, Unvollkommenheit zulassen und Resonanz erzeugen. Humor darf bleiben, Haltung auch. Perfektion hingegen nicht zwingend. Ein von TikTok zitierter Case von Oreo zeigt, was 2026 gut funktionieren kann. Gemeinsam mit Reese’s griff die Marke einen viralen Witz auf und setzte ihn spontan in einem Carousel-Beitrag um. Kein großes Storytelling, kein perfektes Set. Der Post wurde trotzdem zu einem der erfolgreichsten Oreo-Inhalte des Jahres. Entscheidend waren Tonalität, Timing und das Gefühl, den Moment wirklich verstanden zu haben. Genau dieses Zusammenspiel aus Gefühl, Timing und Haltung greift auch Sarah Emmerich in unserem aktuellen TAP INTO MARKETING Podcast Interview auf. Viele Inhalte gehen nicht viral, weil sie perfekt sind, sondern weil sie ein Gefühl treffen und den richtigen Moment erwischen. Im Gespräch mit OnlineMarketing.de-Redakteruin Larissa Ceccio erklärt die erfolgreiche Creatorin, warum generischer KI-Content zwar effizient ist, aber schnell an Wirkung, Glaubwürdigkeit und Relevanz verliert – und weshalb echte Resonanz nicht automatisierbar ist. Wer tiefer einsteigen will, kann an dieser Stelle direkt reinhören.

Das erfordert von Marketern jedoch auch mehr Flexibilität und feineres Trendgespür. Starre Content-Planungen über Monate hinweg verlieren an Wirkung, weil Stimmungen schnell kippen und Trends oft situativ entstehen. Wer relevant bleiben will, muss agil reagieren, zuhören und kulturelle Signale früh erkennen. TikTok verweist in diesem Zusammenhang auf Tools wie TikTok One Insight Spotlight oder Market Scope, mit denen sich Gespräche, Trends und Stimmungsbilder in Echtzeit analysieren lassen.

TikTok wird ohnehin zunehmend zur kulturellen Infrastruktur für Entertainment, Sport und Alltag. Dass die FIFA TikTok für die Fußball-WM 2026 als zentrale Plattform für Clips, Creator-Einblicke und Fan Content nutzt, zeigt, welchen Stellenwert die App inzwischen erreicht hat.



FIFA setzt für die WM 2026 auf TikTok
– Disney folgt dem Kurzvideo-Trend

Logos von TikTok und der FIFA nebeneinander auf schwarzem Hintergrund als Symbol für die Kooperation zur Fußball-WM 2026
© FIFA / TikTok


TikTok positioniert sich als Such- und Inspirationsplattform

Ein zentrales Signal aus TikTok Next 2026 ist der Abschied vom reinen Dauer-Scrollen. TikTok entwickelt sich immer mehr zur Entdeckungsmaschine. Und das teilweise auch auf Umwegen: Zwei von drei Nutzer:innen geben an, dass sie auf der Plattform Dinge finden, nach denen sie ursprünglich gar nicht gesucht haben.

Der Autopilotmodus verliert ebenso an Relevanz. Statt Routinen abzuarbeiten, suchen User nach Intention, Präsenz und menschlicher Einordnung. Der For You Feed ist somit nicht mehr die Endstation. Stattdessen Suchen User in Kommentaren nach Antworten, nutzen die Suchleiste und verfolgen Gedankenspuren verfolgt, die sich erst unterwegs. TikTok wandelt sich dabei vom reinen Zeitvertreib zum Hub für Orientierung. Trendbegriffe wie #npcmode wirken im Rahmen dieser Veränderungen zunehmend überholt, denn die Community will nicht länger Nebenfigur sein, sondern holt sich ihre Main Character Energy zurück. Statt passiver Ablenkung rücken aktives Entdecken, Verstehen und Einordnen in den Vordergrund.

Entsprechend funktioniert Suche auf TikTok selten linear. Viele starten mit einer konkreten Frage und stoßen auf Empfehlungen, Erfahrungsberichte und Creator-Perspektiven, die neue Kontexte eröffnen. Genau diese Mischung aus persönlichem Wissen und Community Feedback macht TikTok für viele hilfreicher als andere Suchplattformen.

Für Marken entstehen daraus neue Chancen. Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur innerhalb der eigenen Kategorie. Entscheidend ist, in unerwarteten Kontexten präsent zu sein und Teil dieser Entdeckungsreisen zu werden. Duracell ist dafür ein gutes Beispiel. Die Marke identifizierte über TikTok-Signale eine starke Verbindung zur K-Pop Community, die Batterien für Lightsticks nutzt. Aus einer vermeintlichen Nische wurde ein strategisch relevanter Fokus für 2026.

Social Listening wird damit zur Pflichtdisziplin. Mit der TikTok One Content Suite lassen sich organische Markenerwähnungen analysieren und Community-Stimmungen verstehen. Creator Content kann verstärkt oder als Inspiration für eigene Kampagnen dienen. TikTok positioniert sich so immer mehr als Such- und Inspirationsplattform, auch im Wettbewerb mit Google, Reddit und KI-gestützten Suchsystemen.

Emotionaler ROI rückt den Kaufgrund in den Mittelpunkt

Impulskäufe verlieren an Gewicht, bewusste Entscheidungen gewinnen. Der Preis allein überzeugt nicht mehr. Statt der schnellen „kleinen Belohnung“ suchen Nutzer:innen nach einem guten Grund für jeden Kauf. Relevant wird, welchen emotionalen und funktionalen Mehrwert ein Produkt bietet und ob es sich sinnvoll in den eigenen Alltag einfügt.

81 Prozent der Nutzer:innen sagen, dass sie auf TikTok realistische Einblicke in die tatsächliche Nutzung von Produkten erhalten. Kaufentscheidungen entstehen dabei selten isoliert. Creator Content, Community Feedback und Empfehlungen greifen ineinander. TikTok identifiziert dabei drei Muster im veränderten Kaufverhalten. Erstens erweitern Nutzer:innen ihre Definition von „essenziell“. Nicht der Preis entscheidet, sondern Bedeutung, Nutzen und Zugehörigkeit. Zweitens wird TikTok zur Verifizierungsplattform. Kommentare dienen als Realitäts-Check, bevor gekauft wird. Drittens gewinnen Creator als ehrliche Ratgeber:innen an Einfluss. Wer transparent berät und persönliche Erfahrungen teilt, prägt Kaufentscheidungen stärker als klassische Werbebotschaften.

Wie sich dieser emotionale ROI aktivieren lässt, zeigt Audible. Ein einfacher Post mit der Bitte um Fünf-Sterne-Buchempfehlungen löste eine intensive Diskussion in der #BookTok Community aus und erzielte eine deutlich höhere Reichweite als der Kanaldurchschnitt. Audible hielt sich bewusst zurück und überließ der Community die Bühne.

@audible

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♬ original sound – Audible

Für Marketer wird emotionaler ROI damit messbar. Nicht nur über Conversions, sondern über Vertrauen, Wiederkehr und Bindung. TikTok empfiehlt, Kaufentscheidungen aktiv zu bestätigen, Mehrwerte klar zu erklären und Marken als verlässliche Orientierungshilfe zu positionieren. Tools wie Symphony Creative Studio sollen dabei helfen, Inhalte effizient zu skalieren und in Formate wie Demos, Vergleiche oder Anleitungen zu übersetzen. Entscheidend bleibt dabei die Tonalität. Authentische, gemeinschaftsgetriebene Bewertungen wirken stärker als perfekt ausformulierte Marken-Claims.

TikTok 2026 wird zur Entscheidungsplattform, nicht zur Ablenkung

Nutzer:innen kommen 2026 mit klarer Absicht auf TikTok. Sie suchen Antworten, Orientierung und Inhalte, die ihre Zeit wirklich wert sind. Gleichzeitig sortiert sich TikTok neu. Mit Features wie Gift Cards im TikTok Shop rückt die Plattform näher an etablierte E-Commerce Player wie Amazon heran. Parallel verändern politische Entscheidungen rund um das US-Geschäft die Machtverhältnisse im Hintergrund. Und währenddessen wächst die Plattform weiter zur kulturellen Schaltzentrale. Sport, Streaming, Social Media und Commerce verschmelzen.

Die Konsequenz für Marketer ist eindeutig. Nicht viraler werden, sondern relevanter. Weniger Kampagnendenken, mehr Gespür für Kultur, Timing und Community. TikTok Next 2026 liefert dafür Inspiration und betont: Marken müssen Teil von Gesprächen werden, nicht nur deren Absender:innen.



TikTok Shop führt Gift Cards ein und fordert Amazon und Co. heraus

Screenshot einer TikTok Shop-Geschenkkarte mit zwei animierten Figuren, die anstoßen, dargestellt in der Benutzer:innenoberfläche der TikTok App.
© TikTok Shop via Canva

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