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Marketing auf Periscope: Wie Unternehmen die Streaming-App für sich nutzen

Periscope ist mit 10 Millionen Usern so schnell populär geworden wie kaum eine andere App zuvor. Das User Engagement ist bei den richtigen Inhalten hoch und die Werbechancen sind groß.

© beornbjorn - Fotolia.com

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Nachdem die App im März dieses Jahres von Twitter gekauft und gelauncht wurde, hat sie nach nur 6 Monaten bereits die 10 Millionen Nutzer-Marke geknackt. Doch wie können Unternehmen sich den Streaming-Dienst zunutze machen? Einige Marken haben die App als Early Adopter schon für sich entdeckt und nutzen sie erfolgreich als Marketing-Kanal. In Deutschland ist der Trend bislang noch nicht ganz angekommen. Bei Millionen von Usern, die die App innerhalb von 6 Monaten gewinnen konnte, sollten Marketer aber auch hierzulande vorbereitet sein.

 Mehr Authentizität für das Marketing

Öffnet man Periscope wird man in der Regel eher auf dem amerikanischen Kontinent oder dem süd-ost asiatischen Raum fündig. Es gibt schon kurze Zeit nach dem Launch eine ganze handvoll an Nutzern, die viele User mit ihren Streams begeistern und die App für sich als Influencer nutzbar machen könn(t)en. Auch manch ein Unternehmen hat bemerkt, dass sich das Content Marketing aus dem Corporate Blog ebenfalls wunderbar auf Videos übertragen lässt, wobei eine Live-Übertragung das ganze Konstrukt noch authentischer macht und für den User so noch reizvoller ist. Die Grundpfeiler vom Content Marketing sind ja bekanntlich Authentizität, Mehrwert und Humor.

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Streams mit Mehrwert und ein bisschen Werbung

Gary Vaynerchuk geht hier einmal mehr mit positivem Beispiel voran. Die Live-Streams direkt aus seinem Büro in New York sind randvoll mit Informationen und Marketing-„Geheimtipps“ zu verschiedenen Plattformen. Da sitzt also ein King of Social Media live vor der Kamera und erzählt der Welt etwas über Marketing – und manchmal auch nur über sein bald neu erscheinendes Buch. Schnell finden sich in so einem Video tausend User zusammen, die an seinen Lippen hängen und kommentieren, Fragen stellen und Herzen vergeben (=liken) können.

Mitch Oates (@lifeatseaphoto) ist ein australischer Surfer und eigenen Angaben zufolge der erste “Surfscoper”. Täglich streamt er die Sonnenaufgänge in Syndey und sich selbst live beim Surfen. Seine Streams, in denen er recht häufig auf seinen Instagram-Account @lifeatseaphotography hinweist, schauen dabei regelmäßig mehrere hundert “Scoper”. Neuerdings zeigt er auf Instagram Drohnenvideos, die er im Auftrag von Australiens Tourismusbehörde gemacht hat. Der große Erfolg und vor allem die Aufmerksamkeit, die ihm durch die Streams zuteil wurden, werden sich also auch auf seine Instagram-Erfolge ausgewirkt haben, schaut man sich das Volumen seiner organischen Posts dort an. Auch er erreicht mit seinen Streams tausende von Menschen.

Den besonderen Reiz beim Streamen macht die ungefiltere Realität aus, nichts kann eingespielt oder geprobt werden – gerade das macht es so authentisch und ist wohl Hauptgrund für 10 Millionen Downloads in einem halben Jahr.

Internationale Unternehmen, die den Streaming-Dienst erfolgreich nutzen

Aber auch weitere US-amerikanische Unternehmen haben den Nutzen der sozialen Medien erkannt und adaptieren viel schneller als ihre europäischen Kollegen alles Neue am Markt. So kommt es, dass es schon nach so kurzer Zeit Kampagnen gab, die auf Periscope erfolgreich liefen.

Mountain Dew, ein Sprite-ähnliches Getränk und riesige Marke in den USA, hat ziemlich zu Beginn des App-Launchs für ein hohes Engagement Merchandise-Artikel unter all jenen Usern verlost, die mit dem Stream interagierten. Im Stream selbst wurden Skateboard- und Snowboarding-Videos sowie die Merchandise-Produkte gezeigt.

Auch Spotify versuchte sich bereits erfolgreich beim Streamen. „Spotify is all about connecting and bringing fans behind the scenes”, so Josh Karph, Global Director of Social Marketing bei Spotify, der den Wert der App in der “Liveness” sieht und Menschen auf diese Weise verbinden will. Bei der Periscope-Kampagne postete Spotify einen Behind-The-Scenes Stream mit dem Sänger der Villagers, eine in Deutschland eher unbekannte Band, und erreichte damit live etwa 400 User, die insgesamt 1.500 Herzen generierten. Im Nachgang schauten sich noch weitere 200 Menschen das Video an, das nach dem Streamen noch für 24 Stunden zur Verfügung steht.

Nestlé war hingegen das erste Unternehmen, das eine bezahlte Kampagne für hohe Aufmerksamkeit nutzte. Die Kampagne für das Drumstick-Eis fiel auf den Tag der Sommersonnenwende und rief User dazu auf, zu streamen, was sie am ersten Sommertag unternehmen. Jeder Stream, der das Hashtag #FirstDayOfSummer und #Ad nutzte, wurde per Twitter promoted. Die Aktion hat schon drei Monate nach dem Start der App für ein hohes Engagement gesorgt.

Adidas streamte die Vertragsunterzeichnung als Sponsor für den kolumbianischen Fußball-Profi James Rodriguez und Red Bull übertrug im Rahmen der Miami Music Week einige Live Events.

Deutschland hält sich weitestgehend zurück, macht aber einen guten Anfang

In Deutschland gibt es bisher nur einige Ausläufer der Welle: So streamt Joko Winterscheidt von Zeit zu Zeit neben irrelevanten Videos aus dem Zug, gesponsorte Autoneuvorstellungen auf der IAA, Jan Böhmermann streamt seine zugegebenermaßen recht witzigen Hashtag-Redaktionskonferenzen und auch das Jubiläumskonzert der Beatsteaks, aus dem auch das bisher einzige 360-Grad-Musikvideo hervorgegangen ist, wurde gestreamt. Die IAA sticht bei der Adaption des Streaming-Dienstes unter der sonst verbreiteten German Zurückhaltung aber generell etwas hervor. Weitere Versuche anderer Unternehmen sind bisher weitestgehend Fehlanzeige.

Dabei ist es mitunter sicher aber auch das neue Format, das Schwierigkeiten bereitet. Das Live-Streamen erlaubt keine großen Ausrutscher, eine penible Planung ist aber gar nicht möglich, dafür ist alles live. Daher macht es mit der Zeit unter Umständen Sinn, auf die passenden Influencer zu setzen, die den Streaming-Dienst von Anfang an nutzen und Erfahrungen sammeln konnten. Schon heute kristallisieren sich User heraus, die mit jedem Stream hunderte, wenn nicht tausende andere Nutzer in ihren Bann ziehen, weil sie Periscope auf ihre ganz eigene Art nutzen und so große Aufmerksamkeit allein mit ihren Inhalten auf sich ziehen.

Eignung nicht ausgeschlossen

Sicher ist das Streamen nicht für jedes Unternehmen und alle Produkte geeignet, ist allerdings die Nische gefunden, kann Periscope durchaus einmal ausprobiert werden. Question & Answer etwa funktioniert auf dem Dienst recht gut, insbesondere wenn Influencer oder Celebrities dabei sind. Auch Produktvorstellungen, wie erst jüngst die Apple-Keynote, sind denkbar und ziehen sicher viele User an.

Wer nun glaubt, dass Periscope das fehlende Puzzlestück seiner Marketing-Bemühungen ist und sich wunderbar in das eigene Content Marketing einfügen würde, sollte sich den Periscope Summit in New York nicht entgehen lassen, der genau heute startet. Selbstverständlich wird er live gestreamt und ist in der App über den Account @PeriscopeSummit zu verfolgen. Eine Liste der Speaker findet ihr auf periscopesummit.com.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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