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Bleiben oder gehen? Wie stabil ist die Jobzufriedenheit in Deutschland?

Bleiben oder gehen? Wie stabil ist die Jobzufriedenheit in Deutschland?

Marié Detlefsen | 25.02.26

Wie zufrieden sind Arbeitnehmer:innen in Deutschland wirklich? Der Adobe Dream and Change Index zeigt: Zwischen solider 7/10-Zufriedenheit, konkreten Gehaltswünschen von bis zu 20 Prozent mehr Einkommen und der Sehnsucht nach Sinn und Sicherheit steckt viel Bewegung im Arbeitsmarkt.

Sind Arbeitnehmer:innen hierzulande zufrieden mit ihrem Job oder träumen sie heimlich von einem ganz anderen Leben? Genau diesen Fragen ist der Adobe Dream and Change Index nachgegangen. 1.500 Menschen ab 18 Jahren in ganz Deutschland wurden befragt: Wie bewerten sie ihre aktuelle berufliche Situation? Wie zufrieden sind sie mit ihrem Job? Und wie hoch ist ihre Wechselbereitschaft?

Ältere Generationen sind tendenziell zufriedener mit ihrem Job

Im Durchschnitt vergeben Arbeitnehmer:innen in Deutschland 7,24 von zehn Punkten für ihre aktuelle Jobsituation. Das ist kein schlechtes Zeugnis – vielmehr deutet es auf eine stabile Grundzufriedenheit hin. Gleichzeitig zeigt der Wert, dass es noch Raum für Verbesserungen gibt. Ein genauerer Blick offenbart Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer bewerten ihre berufliche Situation mit 7,45 Punkten, Frauen mit 7,04 Punkten.

Ein möglicher Grund liegt im weiterhin bestehenden Gender Pay Gap: Frauen verdienen pro Stunde im Durchschnitt 16 Prozent weniger als Männer. Selbst bei vergleichbarer Tätigkeit bleibt eine Differenz von sechs Prozent. Dass sich diese Einkommensunterschiede auf die Zufriedenheit auswirken, erscheint naheliegend.

Und wie sieht es innerhalb der verschiedenen Generationen aus? Anscheinend sind es nicht die Jüngeren, die am zufriedensten sind.

  • Die Gen X erreicht 7,35 Punkte,
  • Boomer folgen mit 7,26 Punkten,
  • Millennials kommen auf 7,19 Punkte
  • Und die Gen Z bildet mit 7,14 Punkten das Schlusslicht.

Doch warum schneiden ältere Generationen besser ab? Wer bereits viele Karriereschritte hinter sich hat oder kurz vor dem Ruhestand steht, blickt häufig gelassener auf den Berufsalltag. Sicherheit, Erfahrung und geringerer Aufstiegsdruck könnten hier eine Rolle spielen. Jüngere Generationen hingegen legen verstärkt Wert auf Sinnhaftigkeit, Flexibilität und Work-Life-Balance und bewerten ihren Status quo entsprechend kritischer.

Beschäftigte in Thüringen sind am zufriedensten

Wirft man nun einen Blick auf die durchschnittliche Zufriedenheit in den einzelnen Bundesländern, zeigen sich auch hier deutliche Unterschiede. Doch entgegen der Erwartungen liegt im regionalen Vergleich nicht etwa ein wirtschaftsstarkes Bundesland wie Bayern, 
Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen an der Spitze. Am oberen Ende der Skala befinden sich:

  • Thüringen mit knapp acht Punkten
  • Saarland mit 7,8 Punkten
  • Schleswig-Holstein mit 7,74 Punkten

Am unteren Ende der Skala finden sich:

  • Brandenburg mit 6,36 Punkten
  • Hamburg mit 6,31 Punkten
  • Bremen mit sechs Punkten
So zufrieden sind Arbeitnehmer:innen in den einzelnen Bundesländern (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Adobe
So zufrieden sind Arbeitnehmer:innen in den einzelnen Bundesländern (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Adobe

Gerade in wirtschaftlich starken oder urbanen Regionen scheint die Zufriedenheit geringer zu sein. Hohe Lebenshaltungskosten, stärkerer Wettbewerb oder begrenzte Aufstiegsperspektiven könnten hier Einfluss nehmen.

Viele Arbeitnehmer:innen nicht zufrieden mit Gehalt und Work-Life-Balance

Die Zufriedenheit mit dem Gehalt bleibt allerdings spürbar hinter der allgemeinen Jobbewertung zurück. Mit durchschnittlich 6,26 Punkten bewerten Arbeitnehmer:innen ihre Bezahlung deutlich kritischer als ihre berufliche Gesamtsituation. Besonders auffällig ist dabei erneut der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während Männer ihr Einkommen mit 6,56 Punkten einschätzen, vergeben Frauen lediglich 5,95 Punkte. Diese Differenz fügt sich in das bekannte Bild der Einkommensungleichheit ein. Entsprechend deutlich sind die Wünsche nach finanzieller Verbesserung: Fast jede dritte Person strebt eine Gehaltserhöhung zwischen sechs und zehn Prozent an, mehr als ein Viertel hätte sogar gerne zehn bis 20 Prozent mehr Einkommen. Nur etwas mehr als jede zehnte befragte Person empfindet die aktuelle Bezahlung als wirklich fair.

Auch die Work-Life-Balance erhält keine Bestnote. Im Durchschnitt vergeben die Befragten 6,03 Punkte – ein Wert, der signalisiert, dass viele Arbeitnehmer:innen zwar nicht unzufrieden, aber eben auch nicht vollständig im Gleichgewicht sind. Interessant ist auch hier der geschlechterspezifische Unterschied: Männer bewerten ihre Balance mit 6,85 Punkten, Frauen mit 6,55 Punkten. Offenbar erleben viele Frauen die Doppelbelastung aus Beruf und privaten Verpflichtungen intensiver. Regional betrachtet zeigen sich deutliche Unterschiede: Im Saarland wird die Vereinbarkeit mit 7,67 Punkten besonders positiv wahrgenommen, auch Schleswig-Holstein mit 7,24 Punkten und Brandenburg mit sieben Punkten schneiden vergleichsweise gut ab. Dennoch bleibt bundesweit der Eindruck: Die Balance zwischen Arbeit und Leben ist für viele noch ausbaufähig.


Wenn das Gehalt nicht mehr reicht:

49 Prozent der Beschäftigten erwägen Jobwechsel bei ausbleibender Reaktion auf Gehaltsbedenken

Wenn das Gehalt nicht mehr reicht: 49 Prozent der Beschäftigten erwägen Jobwechsel bei ausbleibender Reaktion auf Gehaltsbedenken
© Nicola Barts – Pexels


Ein Drittel aller Beschäftigten denkt über Jobwechsel nach

Stillstand? Fehlanzeige. Fast ein Drittel der Befragten zieht laut der Studie innerhalb der nächsten zwei Jahre einen Jobwechsel in Betracht.

  • Mehr als jede dritte Person plant sogar noch in diesem Jahr eine Veränderung.
  • Rund jede:r fünfte Befragte denkt langfristig über einen Wechsel nach.
  • Gleichzeitig sagt gut ein Drittel: Ein Jobwechsel kommt derzeit nicht infrage.

Besonders gering ist die Wechselbereitschaft im Saarland, in Thüringen und in Mecklenburg-Vorpommern. In Bremen hingegen denkt gut ein Drittel über einen Neustart nach. Auch in Hamburg und Brandenburg ist die Aufbruchsstimmung spürbar: In der Hansestadt plant etwa jede siebte Person einen Wechsel, in Brandenburg jede dreizehnte.

Unsicherheit hemmt den Wechselgedanken

Die Bezahlung ist stärkste:r Treiber:in für Veränderung. Jede sechste Person nennt das Gehalt als Hauptgrund für einen möglichen Wechsel. Darauf folgt für mehr als ein Drittel der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance. Etwa ein Viertel gibt Stress oder Erschöpfung als ausschlaggebenden Faktor an. Auffällig: Rund jede dritte Frau nennt Stress als Wechselgrund, bei Männern ist es etwa jeder Vierte.

Doch wenn der Wunsch nach Veränderung so präsent ist – warum wagen nicht mehr Menschen eine solche Veränderung? Die Gründe sind vielfältig und oft sehr pragmatisch. Ein Drittel der Befragten nennt wirtschaftliche Unsicherheit als entscheidendes Hindernis. Fast ebenso viele geben familiäre Verpflichtungen an, die einen Wechsel erschweren. Zudem hält sich jede vierte Person für zu alt, um noch einmal neu zu starten. Neben diesen persönlichen Faktoren spielen auch strukturelle Aspekte eine Rolle: In einigen Regionen wird das Angebot an Umschulungen oder Weiterbildungen als unzureichend empfunden. Und nicht zuletzt schreckt viele der Gedanke ab, einen sicheren Job aufzugeben. Der Wunsch nach Stabilität wiegt für viele schwerer als die Sehnsucht nach Veränderung, und dennoch zeigt auch eine aktuelle Langzeitstudie, dass ein Drittel der Arbeitnehmer:innen offen für einen Jobwechsel ist:


34 Prozent der Beschäftigten sind offen für Jobwechsel:

Langzeitstudie zeigt rückläufigen Trend

34 Prozent der Beschäftigten sind offen für Jobwechsel: Langzeitstudie zeigt rückläufigen Trend
© Andrea Piacquadio – Pexels

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