Human Resources
Karriere ja, Burn-out nein: Wie die Gen Z Arbeit neu definiert

Karriere ja, Burn-out nein: Wie die Gen Z Arbeit neu definiert

Marié Detlefsen | 19.02.26

Zwischen finanzieller Sicherheit, Sinnsuche und Karriereplänen: Arbeitnehmer:innen in Deutschland stehen vor einem Balanceakt – und die Gen Z mischt dabei kräftig mit. Erfahre, warum die Jüngsten ehrgeiziger sind als ihr Ruf, aber Führung und Erfolg an klare Bedingungen knüpfen.

Deutschlands Arbeitnehmer:innen stehen gerade etwas zwischen den (Büro-)Stühlen. Auf der einen Seite steht das Bedürfnis nach Stabilität, auf der anderen der Wunsch nach Sinn, Entwicklung und persönlicher Entfaltung. Vor allem die Generation Z mischt diese Prioritäten neu und räumt dabei mit einigen Klischees auf. Das zeigt zumindest eine aktuelle Zusatzbefragung zum ManpowerGroup-Report „Global Talent Barometer 2026“. Befragt wurden weltweit 13.918 Beschäftigte in 19 Ländern, darunter 1.017 in Deutschland. Die Zahlen liefern einen Blick darauf, wie insbesondere die jungen Arbeitnehmer:innen hierzulande gerade ticken. Wir stellen dir die Ergebnisse vor.

Einkommen steht nicht nur für Gen Z an erster Stelle

Idealismus hin oder her: Am Ende des Monats muss die Miete bezahlt werden. Dieser Ansicht ist auch die Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland, denn laut der Studie steht das Einkommen, welches einen angenehmen Lebensstandard ermöglicht, für 73 Prozent der Befragten an erster Stelle. Finanzielle Sicherheit bleibt also das Fundament.

Gleichzeitig verschieben sich die individuellen Anforderungen. So bewerten 64 Prozent eine gute Work-Life-Balance höher als den nächsten Karriereschritt. Der klassische „Immer höher, immer schneller“-Gedanke verliert damit an Strahlkraft. Tatsächlich sagen 37 Prozent der Arbeitnehmer:innen ganz offen, dass sie im Grunde nur arbeiten, um über die Runden zu kommen. Besonders ausgeprägt ist dieses Gefühl bei der Gen Z – hier stimmt fast jede:r Zweite (49 Prozent) zu. Bei den Millennials sind es 41 Prozent, bei der Generation X 32 Prozent und bei den Babyboomern nur noch 22 Prozent.

Gen Z arbeitet für die Hobbys und für den Sinn

Gleichzeitig zeigt sich bei der Gen Z ein interessantes Paradox: 64 Prozent der 18- bis 28-Jährigen geben an, in erster Linie zu arbeiten, um ihre persönlichen Interessen und Freizeitaktivitäten zu finanzieren, acht Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt. Der Job wird damit zum Mittel zum Zweck. Nicht unbedingt zur Lebensaufgabe, sondern zur Ermöglichung eines Lebensstils.

Zudem würden 44 Prozent der Gen Z eine spannende, sinnvolle Tätigkeit auch dann annehmen, wenn sie schlechter bezahlt ist. Über alle Altersgruppen hinweg liegt dieser Wert nur bei 28 Prozent. Das bedeutet: Sinn kann für viele junge Arbeitnehmer:innen tatsächlich wichtiger sein als das Gehalt – zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Gen Z wirft Augenmerk auf Führungspositionen

Wer jetzt aber denkt, die Gen Z habe es sich in der Komfortzone gemütlich gemacht, wird von den Zahlen eines Besseren belehrt. 65 Prozent der 18- bis 28-Jährigen wollen beruflich so weit kommen wie möglich. Zum Vergleich: Bei den Millennials liegt dieser Wert bei 47 Prozent, bei der Generation X gerade einmal bei 32 Prozent. An dieser Stelle kann man bemerken, dass ältere Befragte tendenziell öfter schon in höheren Positionen oder mit anderen Lebensaufgaben wie Elternschaft oder Pflege betraut sein können, was als Erklärung dienen mag.

Jede:r Zweite aus der gen Z strebt eine Führungsposition an, © Manpower Group
Jede:r Zweite aus der gen Z strebt eine Führungsposition an, © Manpower Group

Noch deutlicher wird es beim Thema Führung: Jede:r Zweite aus der Gen Z (50 Prozent) strebt eine Führungsposition an. Insgesamt wünschen sich 41 Prozent aller Befragten langfristig Verantwortung für ein Team. Die Motivation dahinter ist vielschichtig:

  • 47 Prozent der Gen Z verbinden mit Führung ein höheres Einkommen.
  • 41 Prozent hoffen auf bessere Entwicklungsmöglichkeiten.
  • 36 Prozent reizt der größere Einfluss.

Ehrgeiz? Definitiv vorhanden. Aber nicht um jeden Preis. Denn so attraktiv eine Leitungsrolle klingen mag, die Schattenseiten sind vielen bewusst. 51 Prozent aller Befragten schrecken Druck und Verantwortung ab. Ein Viertel (25 Prozent) sagt sogar ganz grundsätzlich: Personalverantwortung ist einfach nicht ihr Ding.

Gerade junge Arbeitnehmer:innen knüpfen Führungsambitionen offenbar an klare Bedingungen. Sie wollen gestalten, wachsen und mehr verdienen – aber nicht ausbrennen. Unternehmen stehen damit vor einer heiklen Aufgabe: Verantwortung ermöglichen, ohne Dauerstress zu produzieren. Dennoch erfordern Führungspositionen in der Regel eine relativ hohe Stressresistenz. Aus diesem Grund bleiben einige der hervorgehenden Wünsche wohl doch eher Luftschlösser, gerade angesichts der in Teilen angespannten Wirtschaftslage.

Diese Dinge erhofft sich die Gen Z von einer Führungsposition, © Manpower Group
Diese Dinge erhofft sich die Gen Z von einer Führungsposition, © Manpower Group

Karriere ohne Burn-out

Als wäre die Wirtschaftslage nicht schon komplex genug, kommt noch ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu: Künstliche Intelligenz. Ein Viertel der Gen Z befürchtet, durch neue Technologien ersetzt zu werden. Diese Sorge trifft auf eine Generation, die ohnehin zwischen Sinnsuche und Sicherheitsbedürfnis balanciert. Das verstärkt ein Grundgefühl, das sich durch viele Antworten zieht: Arbeitnehmer:innen wollen Stabilität – aber sie wollen auch Perspektiven. Sie möchten sich entwickeln, mitreden, wachsen. Doch bitte ohne permanentes Risiko.

Was bleibt also? Die Gen Z ist weder faul noch ausschließlich auf Selbstverwirklichung fixiert. Sie ist ehrgeizig, will Karriere machen und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig legt sie Wert auf Sinn, persönliche Interessen und ein stabiles Fundament. Das ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck einer neuen Haltung. Arbeit soll tragen, nicht erdrücken. Sie soll ermöglichen, nicht dominieren. Und sie darf ambitioniert sein, solange sie Raum für ein Leben außerhalb des Büros lässt.


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© Gustavo Fring – Pexels

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