Human Resources
34 Prozent der Beschäftigten sind offen für Jobwechsel: Langzeitstudie zeigt rückläufigen Trend

34 Prozent der Beschäftigten sind offen für Jobwechsel: Langzeitstudie zeigt rückläufigen Trend

Marié Detlefsen | 09.02.26

Die Lust auf den Jobwechsel ist in Deutschland zuletzt leicht gesunken, doch von Stillstand kann keine Rede sein. Erfahre, warum viele Arbeitnehmer:innen zögern, was sie wirklich zum Wechsel bewegt und welche Erwartungen sie heute an neue Arbeitgeber:innen haben.

Nach Jahren mit hoher Wechselwilligkeit treten viele Arbeitnehmer:innen inzwischen etwas häufiger auf die Bremse. Der Wunsch nach Veränderung ist zwar weiterhin da, aber er ist vorsichtiger geworden. Eine aktuelle forsa-Erhebung im Auftrag von XING mit 3.418 Beschäftigten zeigt: Die Lust am Jobwechsel sinkt leicht, dafür gewinnen Sicherheit, Planbarkeit und faire Rahmenbedingungen deutlich an Gewicht.

Interesse am Jobwechsel geht zurück

Aktuell sind 34 Prozent der Beschäftigten grundsätzlich offen für einen neuen Job. In den Jahren 2019 bis 2024 lag dieser Wert meist zwischen 37 und 39 Prozent, also etwas höher. Der Rückgang ist nicht dramatisch, aber eindeutig erkennbar. Spannend ist der Blick ins Detail: Nur acht Prozent planen ganz konkret, noch in diesem Jahr das Unternehmen zu wechseln. Weitere 26 Prozent sind zwar offen für neue Angebote, haben aber noch nichts Konkretes unternommen. Im Vorjahr lag genau dieser Wert noch bei 29 Prozent. Heißt: Die Gruppe der „Vielleicht-Wechsler:innen“ wird kleiner.

Aktuell sind 34 Prozent der Beschäftigten grundsätzlich offen für einen Jobwechsel (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht),  © XING
Aktuell sind 34 Prozent der Beschäftigten grundsätzlich offen für einen Jobwechsel (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht),  © XING

Gleichzeitig schätzen viele ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt weiterhin optimistisch ein. 63 Prozent glauben, innerhalb eines halben Jahres eine neue Stelle finden zu können. Und ganze 91 Prozent gehen nicht davon aus, im laufenden Jahr ihren Job zu verlieren. Die Gesamtwirtschaft mag wackeln, das eigene Fundament fühlt sich für die meisten dennoch stabil an.

Generationen denken unterschiedlich über Jobwechsel nach

Beim Thema Wechselbereitschaft zeigen sich weiterhin klare Altersunterschiede. Am beweglichsten ist nach wie vor die Gen Z. In dieser Gruppe sind 44 Prozent grundsätzlich wechselbereit. Allerdings war der Wert in den Vorjahren noch höher – 48 Prozent im Jahr 2025 und 50 Prozent im Jahr 2024. Die Millennials liegen mit 40 Prozent ebenfalls über dem Durchschnitt, auch hier zeigt sich ein Rückgang (2025: 44 Prozent, 2024: 47 Prozent). Deutlich zurückhaltender agieren ältere Arbeitnehmer:innen: In der Generation X sind 29 Prozent offen für einen Wechsel, bei den Babyboomern nur noch 17 Prozent.

Doch hohe Wechselbereitschaft heißt nicht automatisch schlechte Stimmung im Job. Insgesamt bezeichnen sich 84 Prozent der Beschäftigten als eher oder sehr zufrieden mit ihrer aktuellen Tätigkeit. Selbst unter den wechseloffenen Arbeitnehmer:innen sagen noch 61 Prozent, dass sie im Grunde zufrieden sind. Gleichzeitig berichten viele von wiederkehrenden Motivationstiefs. 36 Prozent fühlen sich mindestens einmal pro Woche lustlos oder demotiviert bei der Arbeit. In der Gen Z betrifft das sogar 51 Prozent.


Wenn das Gehalt nicht mehr reicht:

49 Prozent der Beschäftigten erwägen Jobwechsel bei ausbleibender Reaktion auf Gehaltsbedenken

Wenn das Gehalt nicht mehr reicht: 49 Prozent der Beschäftigten erwägen Jobwechsel bei ausbleibender Reaktion auf Gehaltsbedenken
© Nicola Barts – Pexels


Die häufigsten Gründe für einen Jobwechsel

Doch warum sind 34 Prozent aller Beschäftigten eigentlich offen für einen neuen Job? Laut der Studie liegt das weniger an das Abschweifen in eine bessere Jobwelt, sondern eher an ganz konkreten Punkten. Ganz oben steht das Gehalt: 41 Prozent nennen eine aus ihrer Sicht zu niedrige Bezahlung als Hauptgrund. Dahinter folgen strukturelle Belastungen und fehlende Perspektiven:

  • 38 Prozent vermissen Aufstiegschancen
  • 36 Prozent empfinden ihr Stresslevel als zu hoch
  • 34 Prozent sind mit ihrer direkten Führungskraft unzufrieden

Egal wie stark einzelne Wechselgründe auch sind, entscheidet sich die Mehrheit dafür (vorerst) im aktuellen Job zu bleiben. Für 64 Prozent ist unter anderem die Sicherheit des aktuellen Arbeitsplatzes ein zentraler Grund, nicht zu gehen. 62 Prozent schätzen ihre Aufgaben als inhaltlich interessant ein, was ebenfalls bindet. Jeweils 57 Prozent nennen außerdem ihr aktuelles Gehalt und den kollegialen Zusammenhalt als wichtige Faktoren, die sie im Unternehmen halten. Vergleichsweise weniger ausschlaggebend ist dagegen das Gefühl, von Arbeitgeber:innen besonders wertgeschätzt zu werden (39 Prozent). Unterm Strich zeigt sich: Stabilität, Aufgabenqualität und Team zählen mehr als warme Worte.

Sicherheit und Work-Life-Balance schlagen Gehalt

Wer sich neu orientiert, schaut genauer hin als noch vor einigen Jahren. An erster Stelle steht ein verlässlicher, langfristig sicherer Arbeitsplatz – 70 Prozent nennen Jobsicherheit als wichtigstes Kriterium. Erst danach folgt der Wunsch nach höherem Gehalt mit 63 Prozent. Ebenfalls häufig genannt werden:

  • Möglichkeit zu Remote-Arbeit (43 Prozent)
  • gute Führung (62 Prozent)
  • flexible Arbeitszeiten (58 Prozent)
  • sinnvolle Tätigkeit (57 Prozent)
  • attraktiver Standort (54 Prozent)
  • keine Nacht-, Wochenend- oder Feiertagsarbeit (46 Prozent)

Müssen sich Beschäftigte hingegen zwischen mehr Geld und mehr Sicherheit entscheiden, fällt die Wahl klar aus: 61 Prozent bevorzugen mehr Jobsicherheit, nur 39 Prozent würden das höhere Gehalt nehmen. Auch mehr freie Zeit punktet knapp gegen mehr Geld. So würden 51 Prozent zusätzliche Urlaubstage bevorzugen und nur 48 Prozent mehr Gehalt. Besonders eindeutig wird es bei Sicherheit versus Karrierechance: 82 Prozent geben der sicheren Stelle den Vorzug vor besseren Aufstiegsmöglichkeiten. Selbst ein sicherer, aber weniger spannender Job (58 Prozent) ist für viele attraktiver als eine aufregende Position mit höherem Risiko (41 Prozent). Dr. Julian Stahl, XING Arbeitsmarktexperte, sagt hierzu:

Die Beschäftigten in Deutschland reagieren auf die anhaltende Wirtschaftsflaute mit einem hohen Bedürfnis nach Sicherheit. Das hat auch Auswirkungen auf die Wechselbereitschaft und die Jobsuche. Gleichzeitig bewerten sie ihre persönliche Lage weiterhin positiv. Und daher bleibt das Thema auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten grundsätzlich positiv besetzt, auch wenn das Bedürfnis nach Sicherheit und finanzieller Absicherung steigt. Viele unterscheiden offenbar sehr klar zwischen der angespannten Gesamtsituation und ihrer eigenen als stabil wahrgenommenen Arbeitssituation.


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