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Wenn das Gehalt nicht mehr reicht: 49 Prozent der Beschäftigten erwägen Jobwechsel bei ausbleibender Reaktion auf Gehaltsbedenken

Wenn das Gehalt nicht mehr reicht: 49 Prozent der Beschäftigten erwägen Jobwechsel bei ausbleibender Reaktion auf Gehaltsbedenken

Marié Detlefsen | 28.01.26

Viele Arbeitnehmer:innen geben sich mit ihrem Gehalt derzeit zufrieden, doch Inflation und steigende Lebenshaltungskosten lassen diese Sicherheit bröckeln. Erfahre, warum immer mehr Beschäftigte ein höheres Gehalt fordern, wer besonders zurückhaltend bleibt und weshalb Unternehmen durch Schweigen ihre Talente aufs Spiel setzen.

Das Thema Gehalt ist ein heikler Punkt. Zwar geben viele Arbeitnehmer:innen an, mit ihrem Einkommen grundsätzlich zufrieden zu sein, doch unter der Oberfläche brodelt es. Steigende Lebenshaltungskosten, Inflation und mangelnde Transparenz lassen die scheinbare Zufriedenheit bröckeln. Eine aktuelle Studie von Remote zeigt: Wer Gehaltssorgen ignoriert, riskiert mehr als schlechte Stimmung – im Zweifel verlieren Unternehmen fast jede:n zweite:n Beschäftigte:n.

63 Prozent machen sich Sorgen um ihr Gehalt

Auf den ersten Blick wirken die Zahlen beruhigend: Rund 74 Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen geben an, mit ihrem aktuellen Gehalt zufrieden zu sein. Besonders auffällig ist die hohe Zustimmung bei der Generation Z. In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen liegt der Wert sogar bei 86 Prozent.

Dennoch wächst parallel zur Zufriedenheit die Angst vor dem finanziellen Abstieg. 63 Prozent der Befragten sorgen sich darum, was passiert, wenn ihr Einkommen trotz steigender Preise unverändert bleibt. Für jede:n Zehnte:n hätte das ganz konkrete Konsequenzen: Elf Prozent geben an, dann Probleme zu bekommen, grundlegende Ausgaben wie Miete oder Lebensmittel decken zu können. Weitere 17 Prozent könnten zwar ihren Alltag finanzieren, müssten aber auf Rücklagen oder private Vorsorge verzichten. Lediglich rund 16 Prozent sehen sich aktuell in der Lage, ihren Lebensstandard langfristig ohne Einschnitte zu halten.

63 Prozent der Befragten sorgen sich darum, was passiert, wenn ihr Einkommen trotz steigender Preise unverändert bleibt (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht; die Grafik wurde anhand der Remote-Daten mithilfe von ChatGPT erstellt)
63 Prozent der Befragten sorgen sich darum, was passiert, wenn ihr Einkommen trotz steigender Preise unverändert bleibt (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht; die Grafik wurde anhand der Remote-Daten mithilfe von ChatGPT erstellt)

Männer und jüngere Angestellte sprechen häufiger übers Gehalt

Auffällig sind die Unterschiede im Umgang mit Gehaltsfragen. Jüngere Arbeitnehmer:innen sprechen deutlich offener über Geld als ältere Generationen. Während für viele Berufseinsteiger:innen Transparenz selbstverständlich ist, herrscht bei älteren Beschäftigten oft Zurückhaltung, zum Beispiel aus Gewohnheit, Loyalität oder Angst vor negativen Konsequenzen.

Auch geschlechterspezifische Unterschiede zeigen sich deutlich. Frauen äußern laut Studie seltener Bedenken in Bezug auf ihre Vergütung als Männer. Das bedeutet nicht, dass sie zufriedener sind, vielmehr deutet es darauf hin, dass bestehende Ungleichheiten weniger sichtbar werden, wenn Gehalt nicht offen thematisiert wird.

Nur knapp 40 Prozent der Beschäftigten fühlen sich hierzulande wohl dabei, über ihr Einkommen zu sprechen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht; die Grafik wurde anhand der Remote-Daten mithilfe von ChatGPT erstellt)
Nur knapp 40 Prozent der Beschäftigten fühlen sich hierzulande wohl dabei, über ihr Gehalt zu sprechen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht; die Grafik wurde anhand der Remote-Daten mithilfe von ChatGPT erstellt)

Gerade in Deutschland bleibt das Thema Gehalt vielfach tabu. Nur knapp 40 Prozent der Beschäftigten fühlen sich hierzulande wohl dabei, über ihr Einkommen zu sprechen. Zum Vergleich: In den USA sind es rund 70 Prozent, in Großbritannien immerhin 60 Prozent. Gleichzeitig empfinden 37 Prozent der Befragten Gehaltsgespräche als unangenehm und etwa 15 Prozent würden eine Gehaltserhöhung gar nicht erst ansprechen.

Transparenz wird zum entscheidenden Faktor für Zufriedenheit

Besonders brisant wird es dort, wo Gehaltssorgen zwar geäußert, aber nicht ernst genommen werden. Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Vergütung, Kommunikation und Mitarbeiter:innenbindung. Fast jede:r zweite Arbeitnehmer:in (49 Prozent) würde einen Jobwechsel in Erwägung ziehen, wenn auf Gehaltsbedenken keine zufriedenstellende Reaktion folgt. Für 34 Prozent ist das wahrscheinlich, für 14 Prozent sogar sehr wahrscheinlich. Lediglich sechs Prozent schließen eine Kündigung in diesem Fall kategorisch aus.

Für Unternehmen ist das ein deutliches Warnsignal. Wer Feedback ignoriert oder Gespräche vermeidet, riskiert nicht nur Fluktuation, sondern auch Vertrauensverlust, sinkende Motivation und Produktivitätseinbußen. Hinzu kommt der regulatorische Druck. Mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die ab 2026 verbindlich greift, wird Transparenz nicht länger nur eine Frage der Unternehmenskultur sein, sondern eine rechtliche Verpflichtung. Unternehmen, die sich frühzeitig mit fairen, datenbasierten Vergütungssystemen auseinandersetzen, verschaffen sich damit einen klaren Vorteil im Wettbewerb um Talente. Barbara Matthews, Chief People Officer bei Remote, ergänzt in diesem Zusammenhang:

Schweigen führt zu Ungleichheit und sinkendem Engagement. Wenn Unternehmen Gehaltsgespräche aktiv ermöglichen, schaffen sie eine Basis für echte Transparenz und für Teams, die motiviert und leistungsfähig bleiben.


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