Social Media Marketing
X verliert weiter User in der EU und weltweit, auch die Werbeumsätze sinken

X verliert weiter User in der EU und weltweit, auch die Werbeumsätze sinken

Larissa Ceccio | 03.09.26

X polarisiert und die Skandale rund um die Plattform sind keine Bagatellen. Kaum verwunderlich also, dass immer mehr User abspringen, vor allem in der EU. Sinkende Werbeerlöse und regulatorischer Druck tangieren X ebenfalls und könnten sogar Musks KI-Geschäft schwächen.

Seit Elon Musk Twitter im Oktober 2022 für 44 Milliarden US-Dollar übernommen hat, wurde die Mikroblogging-Plattform massiv umgebaut, aus Twitter wurde später X.

Mit dem Umbau änderten sich Moderation und Verifizierung, wobei unter anderem die blauen Haken verschwanden und die Verifizierung stärker an Bezahlmodelle gekoppelt wurde. Auch bei der Moderation sorgten Änderungen immer wieder für Kritik, etwa als X Schutzregeln für Transgender User strich oder Berichte über antisemitische und andere hasserfüllte Inhalte publik wurden.

Vor allem der Grok-Nacktbild-Skandal sorgte Anfang 2026 für Empörung. User nutzten den KI-Chatbot, um sexualisierte Deepfakes realer Personen zu erstellen, laut Behörden auch Inhalte mit Minderjährigen. Selbst nach ersten Einschränkungen zeigten Reuters-Tests zwischen dem 14. und 28. Januar, dass Grok weiterhin nicht einvernehmliche sexualisierte Bilder erstellen konnte.

Der Vertrauensverlust zeigt sich aber nicht nur bei Behörden. Auch User und Werbepartner:innen wenden sich von X ab. Besonders in der EU verliert die Plattform immer mehr User, während sich große Advertiser schon seit Musks Übernahme zurückziehen. Disney, Apple und IBM setzten ihre Werbung zeitweise aus, nachdem Anzeigen unter anderem neben problematischen Inhalten erschienen waren.

Wer dem alten Twitter nachtrauert, hat inzwischen außerdem mehr Auswahl als Threads und Bluesky, denn mit Twitter Now ist eine Alternative gestartet, die sich besonders eng am Twitter vor der Musk-Ära orientiert. Allerdings ist sie derzeit wieder offline.



Twitter.now:
Das neue Twitter ist da

Das Logo der neuen Plattform twitter.now
© Operation Bluebird via Canva


Immer mehr User kehren X den Rücken

Eine Untersuchung des Pew Research Center zeigt, wie kritisch viele US User den Umgang miteinander auf X sehen. 73 Prozent der Befragten sehen Belästigung auf der Plattform als Problem, 32 Prozent sogar als großes. Dass diese Wahrnehmung der Plattform die Bindung einzelner User nicht gerade stärkt, liegt nahe. Einen direkten Zusammenhang mit dem aktuellen Nutzungsrückgang belegt die Untersuchung allerdings nicht.

Wie viele Menschen X tatsächlich noch nutzen, ist ohnehin schwer zu beurteilen. In einem im Mai veröffentlichten SpaceX Filing bei der SEC ist für X und Grok zum 31. März 2026 von rund 550 Millionen Monthly Active Usern die Rede. Weil diese Zahl X und Grok zusammenfasst und andere Messungen nur einzelne Nutzungswege erfassen, lässt sich die tatsächliche Nutzungsbasis von X nur schwer daraus ableiten.

In der EU geht es schon länger bergab

Dass die Nutzung tatsächlich zurückgeht, zeigen die DSA-Zahlen deutlicher. Im aktuellen Bericht zu AMARS in der EU weist X noch 100,9 Millionen durchschnittlich monatlich aktive User aus. AMARS steht für Average Monthly Active Recipients of the Service und meint im DSA-Kontext die durchschnittliche Zahl der monatlich aktiven Nutzer:innen eines Dienstes in der EU.

Der jüngste Rückgang von zuvor 102 Millionen wirkt zunächst klein. Im längeren Vergleich fällt das Minus aber größer aus. Nach einem kurzen Plus im ersten Halbjahr 2025 sank die Nutzung im zweiten Halbjahr um rund 15 Prozent und blieb 2026 ungefähr auf diesem niedrigeren Niveau. Insgesamt geht die Zahl der aktiven User in der EU bereits seit Ende 2023 zurück.

Auch weltweit verliert X User

Auch weltweit geht die Nutzung zurück. Similarweb kommt laut TechCrunch für Juni auf rund 302 Millionen monatlich aktive Mobile User, drei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei der täglichen Nutzung fällt das Minus noch größer aus: Im Juli kam X auf 123,7 Millionen Daily Active User und damit sieben Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Diese Zahlen beziehen sich allerdings nur auf die mobile Nutzung. Im Web bleibt X deutlich stärker und verzeichnete im Juli 4,7 Milliarden Visits.

Threads zieht auf Mobile vorbei

Während X Mobile User verliert, gewinnt Threads weiter hinzu und hat Musks Plattform bei der täglichen Nutzung inzwischen überholt. Im Juli kam Threads laut Similarweb auf 147 Millionen Daily Active Mobile User, X dagegen auf 123,7 Millionen. Threads feierte im Juni zudem 500 Millionen monatlich aktive User.

Im Web hat X jedoch weiter die Nase vorn. Im Juli verzeichnete die Plattform 4,7 Milliarden Visits, während Threads auf 471,6 Millionen kam.



Threads feiert 500 Millionen User mit neuen Features

Threads Posts vor schwarzem Hintergrund
© Meta via Canva


Die Werbeerlöse von X brechen weiter ein

Der Rückgang bei den Usern ist nicht das einzige Problem von X. Auch mit Werbung verdient die Plattform heute deutlich weniger als Twitter vor Musks Übernahme. Im ersten Halbjahr 2026 wies X laut aktuellem SpaceX Filing Werbeerlöse von 710 Millionen US-Dollar aus, 160 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Minus von 18,4 Prozent. SpaceX gibt die Zahlen nur für das gesamte Unternehmen aus, nicht für die untergeordneten Bereiche. X ist dabei aber die Plattform, auf der die Werbung verkauft und ausgespielt wird.

Noch größer wird der Abstand zur Zeit vor Musk. Im ersten Halbjahr 2022 nahm Twitter rund 2,2 Milliarden US-Dollar mit Werbung ein. Vier Jahre später sind es mit 710 Millionen US-Dollar rund 70 Prozent weniger. Damit ist X auch weit von den Zielen entfernt, die Musk vor der Übernahme für Twitter skizziert hatte. Laut der New York Times plante er damals, die jährlichen Werbeerlöse bis 2028 auf zwölf Milliarden US-Dollar zu steigern.

X setzt deshalb stärker auf kostenpflichtige Premiumangebote. Beim teuersten Tarif Premium+ bietet die Plattform zusätzliche Funktionen, darunter mehr Grok Features und eine weitgehend werbefreie Nutzung. Bereits im Februar hatte Head of Product Nikita Bier erklärt, dass X mit Abos inzwischen auf eine annualisierte Umsatzrate von einer Milliarde US-Dollar komme. Wie viele zahlende Abonnent:innen dahinterstehen, ist allerdings nicht bekannt.

EU-Kommission erhöht den Druck auf X

Zu den wirtschaftlichen Problemen kommt der regulatorische Druck. Ende 2025 verhängte die EU-Kommission eine Strafe von 120 Millionen Euro gegen X. Beanstandet wurden der laut Kommission irreführende blaue Verifizierungshaken, mangelnde Transparenz im Werbearchiv und der unzureichende Zugang zu öffentlichen Daten für Forschende.

Im Juli 2026 akzeptierte die Kommission zwar einen Aktionsplan von X, mit dem unter anderem das Werbearchiv verbessert und der Datenzugang für Forschende erleichtert werden soll. Erledigt ist der Konflikt damit aber nicht. X muss die zugesagten Änderungen nun umsetzen, darunter bessere Suchfunktionen im Werbearchiv und einen einfacheren Datenzugang für berechtigte Forschende.

Der User-Rückgang gefährdet auch Musks KI-Ambitionen

Für X und Inhaber Elon Musk können all diese Probleme zusammen gravierend werden. Das liegt auch an der engen Verbindung der Plattform mit SpaceXAI, Musks KI-Unternehmen hinter Grok. xAI nutzt öffentliche Posts auf X sowie Informationen zu Views, Likes, Reposts und Replies, um die eigenen KI-Dienste weiterzuentwickeln.

X liefert damit laufend aktuelle Inhalte und Signale darüber, welche Themen Menschen beschäftigen und wie sie darauf reagieren. Wenn weniger Menschen posten und interagieren, betrifft das deshalb nicht nur Reichweite und Werbeeinnahmen. Langfristig könnte X auch als Datenquelle für Musks KI-Geschäft an Wert verlieren.

Will X den Abwärtstrend stoppen, dürfte es deshalb nicht reichen, nur neue Features auszurollen. Die Plattform muss vor allem Vertrauen bei Usern und Werbekund:innen zurückgewinnen, Sicherheitsprobleme schneller in den Griff bekommen und wieder mehr Menschen dazu bringen, regelmäßig zu posten und zu interagieren.



X macht öffentlich, was im Feed gut rankt

schwarzer Hintergrund, abstraktes weißes konzentrisches Muster, Schriftzug in der Mitte in Weiß
© SpaceXAI via Canva


Stelle OnlineMarketing.de als bevorzugte Quelle auf Google ein

Wenn du OnlineMarketing.de auf Google als bevorzugte Quelle einstellen möchtest, um auch in den Schlagzeilen auf Google immer aktuelle News und Tipps aus der Welt des Marketing und der Tech-Entwicklungen zu finden, kannst du einfach die Google-Quelleneinstellungen aufrufen und die Seite anwählen. Über das Stern-Icon neben den Top Stories kannst du ebenfalls bevorzugte Quellen für die spätere Suche speichern.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*