Social Media Marketing
So wenig Werbeeinnahmen hat X aktuell

So wenig Werbeeinnahmen hat X aktuell

Niklas Lewanczik | 05.08.26

Offizielle Zahlen von SpaceX zeigen, dass die Werbeeinkünfte auf X nicht nur gegenüber dem Vorjahr, sondern auch gegenüber dem letzten Twitter-Einkommensbericht zurückstehen.

Nach dem Wandel von Twitter zu X ging es mit der Plattform in Bezug auf Werbeeinnahmen bergab. Im Jahr 2023 hatte sich der Umsatz aus diesem Bereich beinahe halbiert. Dafür gab es einige Gründe: So waren einige Advertiser unsicher, ob die Werbeumgebung für sie langfristig relevant und sicher sein würde. Immerhin minimierte X die Content-Moderation und ließ teilweise sogar Hassrede freien Lauf. Das hat sich bis heute nicht geändert, wenngleich die Plattform mit weit über 500 Millionen Usern nach wie vor große Relevanz im Social-Media-Raum genießt. Ob diese sich aber für die Werbung nutzen lässt, ist für viele Advertiser eine heikle Frage. Denn 2023 kam es auch zu einem großen Werbeboykott auf X, nachdem auf der Plattform antisemitische Inhalte gefunden worden waren. Daraufhin beleidigte Plattformeigner Elon Musk nicht nur die teilnehmenden Advertiser, X kündigte auch eine „thermonukleare Klage“ an. Im Jahr 2026 scheiterte X final mit der Klage gegen die Advertiser, die vor Jahren nicht mehr werben wollten.

Doch die Plattform, die inzwischen dem Unternehmen SpaceXAI angehört, soll eigenen Angaben zufolge wieder auf einem guten Weg sein, wenn es um das Wachstum des Werbegeschäfts geht. Das können die aktuellen Zahlen aber kaum untermauern. SpaceX musste als SpaceXAI-Mutter nach dem Börsengang erstmals öffentliche Ergebnisse teilen, die aufzeigen, wie es um die Werbung im eigenen Social-Media-Kosmos steht.



Neue Werbung auf X:

Mentions Boost pusht organische Erwähnungen

Hintergrund mit Sternen, X Post mit Mention und Boost-Option im Vordergrund
© SpaceXAI via Canva


X mit mehr Werbeumsatz als im ersten Quartal, deutlich weniger als zu früheren Zeitpunkten

Noch im Januar erklärte Monique Pintarelli, die globale Advertising-Chefin von SpaceXAI, dass 97 der größten 100 Advertiser auf X wieder aktiv auf der Plattform werben würden. In einigen Fällen, so Pintarelli in Aussagen gegenüber Digiday, würden sie noch mehr ausgeben als vor Musks Übernahme von Twitter. Und es gibt durchaus einige Advertiser, die inzwischen im großen Stil auf X werben. Aber von einem massiven Aufschwung kann nicht die Rede sein. Mit Blick auf die Vorjahre gehen die Umsätze sogar zurück.

Die Messlatte sind die 1,08 Milliarden US-Dollar, die Twitter im zweiten Quartal 2022 mit Werbung umsetzte. Das war das letzte Quartal, in dem Twitter als öffentliches Unternehmen diese Zahlen preisgab. Im zweiten Quartal 2025 wiederum lag der Werbeumsatz auf X, beziehungsweise im gesamten SpaceX-Kosmos, bei 426 Millionen US-Dollar. Denn SpaceX gibt die Zahlen nur für das gesamte Unternehmen aus, nicht für die untergeordneten Bereichen. X ist dabei aber die Plattform, auf der die Werbung verkauft und ausgespielt wird.

Der Rückgang von 2022 bis 2025 ist deutlich. Und auch 2026 gab es weniger Werbeumsatz. 367 Millionen US-Dollar waren es in Q2. Das ist immerhin mehr als im vorangegangenen Quartal (343 Millionen), aber noch immer ein deutlicher Dämpfer für das Werbegeschäft. Insbesondere wenn man bedenkt, welch immenses Werbewachstum Konkurrenzplattformen wie YouTube, aber auch Reddit und Pinterest. YouTubes Werbeumsatz für Q2 liegt bei 11,1 Milliarden US-Dollar (gegenüber 9,8 Milliarden im Vorjahresquartal). Im zweiten Quartal 2022 waren es noch 7,3 Milliarden US-Dollar. Reddit hat im zweiten Quartal 762 Millionen US-Dollar Werbeumsatz verzeichnet, ein Plus von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Pinterest hingegen kommt auf 1,18 Milliarden US-Dollar Umsatz (hauptsächlich aus Werbung) in diesem Zeitraum.

Während die Konkurrenz am Werbemarkt wächst, muss X Aufholarbeit leisten. Dabei möchte X das Werbegeschäft mit neuen Lösungen weiter ankurbeln, um im Social-Media-Marketing-Mix wieder mehr Budgets auf sich zu vereinen. Neu sind beispielsweise Mentions Boosts zur Umwandlung relevanter organischer Inhalte in Ads. Und erst im Juli 2026 launchte X die Lead Gen Ads – laut Pintarelli das meistgefragte Werbe-Feature auf X.

Anhaltende Probleme und andere Wachstumsbausteine auf X

Ob neue Werbeformate allein die Advertiser von Kampagnen auf X überzeugen können, ist derweil fraglich. Immerhin bieten die Konkurrenzplattformen ebenso stetig neue Funktionen an – und sind X dabei in vielerlei Hinsicht voraus. Zudem hat X nach wie vor ein Problem mit der Angst um die Brand Safety, gespeist aus mangelnder Content-Moderation, auf der Plattform erlaubter Pornographie und unangemessenen Inhalten und Aussagen, die über die konzerneigene KI Grok generiert sowie ausgespielt wurden und werden. Erst Anfang des Jahres sorgte Grok für einen Nacktbildskandal.

Die KI-Lösungen wie Grok als Tool oder Modell (etwa Grok 4.5) sollen die SpaceX-Einnahmen zusätzlich verstärken. Vom Gesamtumsatz in Höhe von 7,8 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal entfielen schon 2,6 Milliarden auf den AI-Sektor (dem auch die Werbeeinkünfte zugerechnet werden). Der wichtigste Baustein bleibt die Kategorie Connectivity mit 4,3 Milliarden US-Dollar, die Space-Sparte setze 962 Millionen US-Dollar um.

Während X weiterhin als Everything App agieren möchte und Android Usern eine brandneue App-Erfahrung bietet, wartet das Werbegeschäft weiter auf einen echten Aufschwung.



Android User erhalten endlich die neue X App

X-Logo neben Android-Maskottchen auf schwarzem Hintergrund als Symbolbild für die neu entwickelte Android App von X.
© X/Android via Canva


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