Human Resources
Mehr Zurückhaltung bei Jobs: Neueinstellungen auf dem Arbeitsmarkt gehen zurück

Mehr Zurückhaltung bei Jobs: Neueinstellungen auf dem Arbeitsmarkt gehen zurück

Marié Detlefsen | 16.03.26

Die Neueinstellungen der Unternehmen fallen im zweiten Quartal 2026 deutlich vorsichtiger aus als erhofft. Erfahre, warum viele Arbeitgeber:innen derzeit auf Stabilität setzen und in welchen Branchen trotzdem neue Jobs entstehen.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland scheint nach einem optimistischen Start ins Jahr erst einmal einen Gang herunterzuschalten. Das zeigt das aktuelle Arbeitsmarktbarometer der ManpowerGroup für das zweite Quartal 2026. Der saisonal bereinigte Netto-Beschäftigungsausblick liegt demnach bei 18 Prozent – und damit fünf Prozentpunkte niedriger als noch im vorherigen Quartal. Der leichte Aufwärtstrend an Neueinstellungen, der zuletzt zu beobachten war, verliert damit deutlich an Tempo. Auch im internationalen Vergleich fällt Deutschland zurück: Weltweit liegt der durchschnittliche Beschäftigungsausblick aktuell bei 31 Prozent und damit über dem deutschen Wert.

Der saisonal bereinigte Netto-Beschäftigungsausblick liegt derzeit bei 18 Prozent (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup
Der saisonal bereinigte Netto-Beschäftigungsausblick liegt derzeit bei 18 Prozent (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass viele Unternehmen momentan vorsichtiger planen. Statt großer Einstellungswellen scheint Stabilität im Vordergrund zu stehen. Wirtschaftliche Unsicherheiten, strukturelle Veränderungen in verschiedenen Branchen und geopolitische Entwicklungen sorgen dafür, dass Personalentscheidungen aktuell genauer abgewogen werden. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Der Arbeitsmarkt befindet sich keineswegs im Stillstand. Vielmehr bewegen sich viele Unternehmen in einer Phase des Abwartens und der strategischen Planung.

Unternehmen setzen auf Stabilität statt Neueinstellungen

Ein Blick auf die konkreten Personalpläne der Unternehmen verdeutlicht diese Entwicklung. Viele Betriebe möchten ihre Belegschaften vorerst stabil halten, während andere gezielt neue Stellen schaffen oder nur punktuell abbauen.

  • 45 Prozent der Unternehmen planen, ihre Mitarbeiter:innenzahl im Zeitraum von April bis Juni unverändert zu lassen.
  • 35 Prozent der Arbeitgeber:innen rechnen damit, neue Stellen zu schaffen.
  • 18 Prozent gehen dagegen davon aus, Personal abzubauen.

Auffällig ist dabei, dass Stellenabbau nicht immer mit klassischen Sparmaßnahmen zusammenhängt. In vielen Fällen entstehen freie Stellen schlicht dadurch, dass sie nicht neu besetzt werden können. 37 Prozent der Unternehmen, die mit einem Personalrückgang rechnen, nennen Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung offener Stellen als Hauptgrund. Der Fachkräftemangel hat sich somit zwar etwas entspannt, ist aber weiterhin ein strukturelles Problem für viele Arbeitgeber:innen.

Nur 35 Prozent der Arbeitgeber:innen rechnen damit, neue Stellen zu schaffen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup
Nur 35 Prozent der Arbeitgeber:innen rechnen damit, neue Stellen zu schaffen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup

Neueinstellungen im internationalen Vergleich

Gleichzeitig zeigen die Daten auch, warum Unternehmen überhaupt neue Mitarbeiter:innen einstellen möchten. Unter anderem begründen 38 Prozent der Unternehmen ihre Neueinstellungen mit der Expansion ihres Geschäfts. Weitere 31 Prozent geben an, dass sie vor allem deshalb rekrutieren, weil bestehende Stellen neu besetzt werden müssen, etwa nach Kündigungen oder Renteneintritten.

Bei den Unternehmen, die ihre Personalstruktur stabil halten möchten, dominieren dagegen andere Überlegungen. 41 Prozent sehen ihre aktuelle Belegschaft als ausreichend an, um die Unternehmensziele zu erreichen. 27 Prozent gehen zudem davon aus, dass sich die Marktbedingungen in ihrer Branche kurzfristig kaum verändern werden.

Deutschland liegt im internationalen Vergleich unter dem globalen Durchschnitt an Neueinstellungen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup
Deutschland liegt im internationalen Vergleich unter dem globalen Durchschnitt an Neueinstellungen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup

Auch im internationalen Vergleich fällt auf, dass Deutschland derzeit nicht zu den dynamischsten Arbeitsmärkten gehört. Mit einem Netto-Beschäftigungsausblick von 18 Prozent landet die Bundesrepublik im unteren Drittel der untersuchten Länder. Mehrere europäische Staaten zeigen ebenfalls rückläufige Werte, darunter die Schweiz mit 18 Prozent, Frankreich mit 15 Prozent oder Belgien mit 13 Prozent. Besonders schwach fällt der Ausblick in Rumänien aus, wo der Wert sogar bei minus fünf Prozent liegt. Am anderen Ende der Skala steht Indien mit einem außergewöhnlich hohen Beschäftigungsausblick von 68 Prozent.

Branchen mit unterschiedlichen Perspektiven

Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Branchen. Während einige Sektoren ihre Einstellungspläne ausbauen, blicken andere deutlich vorsichtiger in die kommenden Monate. Besonders positive Entwicklungen zeigen sich aktuell in der Informations- und Kommunikationsbranche, deren Beschäftigungsausblick um vier Prozentpunkte gestiegen ist. Noch stärker fällt der Zuwachs im Bereich Versorgung und natürliche Ressourcen aus, der im Jahresvergleich sogar 13 Prozentpunkte zulegen konnte.

Im Bereich Versorgung und natürliche Ressourcen gibt es derzeit den größten Zuwachs an Neueinstellungen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup
Im Bereich Versorgung und natürliche Ressourcen gibt es derzeit den größten Zuwachs an Neueinstellungen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup

Andere Branchen kämpfen hingegen mit deutlich eingetrübten Erwartungen. Besonders stark ist der Rückgang im Gastgewerbe, wo der Beschäftigungsausblick im Jahresvergleich um 24 Prozent gesunken ist und nun bei 22 Prozent liegt. Auch die Finanz- und Versicherungsbranche verzeichnet mit minus 21 Punkten einen deutlichen Rückgang bei den Einstellungen und kommt nur noch auf 18 Prozent. Der Bau- und Immobiliensektor zeigt ebenfalls eine spürbare Abkühlung und erreicht nur noch 15 Prozent.

Hauptstadt verzeichnet die meisten Neueinstellungen

Nicht nur die Branche, auch regionale Faktoren spielen eine Rolle. Besonders optimistisch blicken Unternehmen in Berlin auf die kommenden Monate, dort wird ein Netto-Beschäftigungsausblick von 27 Prozent erreicht. Deutlich zurückhaltender fällt die Stimmung im Süden aus, wo der Wert lediglich bei neun Prozent liegt. Gleichzeitig zeigen einzelne Stadtregionen eine vergleichsweise robuste Entwicklung, etwa Frankfurt mit 26 Prozent oder München mit 21 Prozent.

Unternehmen in Berlin blicken positiv auf ein den Netto-Beschäftigungsausblick der kommenden Monate (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup
Unternehmen in Berlin blicken positiv auf den Netto-Beschäftigungsausblick der kommenden Monate (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup

Unterm Strich zeichnet die Studie ein Bild eines Arbeitsmarktes, der sich in einer Phase der Neuorientierung befindet. Der große Optimismus ist vorerst abgeflaut, doch ein massiver Einbruch ist ebenfalls nicht zu erkennen. Stattdessen dominieren vorsichtige Strategien, stabile Belegschaften und gezielte Neueinstellungen. Für Arbeitnehmer:innen bedeutet das: Chancen auf neue Jobs sind weiterhin vorhanden, allerdings weniger in Form großer Einstellungswellen, sondern eher durch gezielte Rekrutierung und Nachbesetzungen. Unternehmen wiederum stehen vor der Herausforderung, trotz vorsichtiger Planung langfristig zu denken und weiterhin Wege zu finden, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Iwona Janas, Country Manager der ManpowerGroup Deutschland, sagt hierzu:

Der Optimismus auf dem deutschen Arbeitsmarkt zum Jahresstart scheint vorbei. Die Zahlen lassen darauf schließen, dass der Fokus im zweiten Quartal auf Stabilität, Kontinuität und nachhaltigen Einstellungen liegt. Doch Unternehmen dürfen jetzt das Momentum nicht verlieren und müssen bei der Planung langfristig denken. Wenn Unternehmen Schwierigkeiten bei der kurzfristigen Nachbesetzung offener Stellen haben, müssen sie bestehende Strategien und Herangehensweisen hinterfragen, um die passenden Personen aus einem engen Pool an Fachkräften anzusprechen.


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© Tara Winstead – Pexels

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