Human Resources
Zwischen KI und Karriere: Die neuen Spielregeln für den Berufseinstieg

Zwischen KI und Karriere: Die neuen Spielregeln für den Berufseinstieg

Marié Detlefsen | 26.02.26

Die Gen Z startet mit erstaunlich klarem Kompass ins Berufsleben: sicherheitsorientiert, technikaffin und strategisch planend. Zwischen KI-Tools, Gehaltsfokus und kurzen Karriereetappen definieren junge Arbeitnehmer:innen den Berufseinstieg neu. Wir zeigen dir wie.

Generation Z? Angeblich sprunghaft, anspruchsvoll, dauernd auf Sinnsuche. Doch wer einen Blick auf die aktuellen Zahlen wirft, merkt schnell: Die jungen Bewerber:innen von heute sind vor allem eines – strategisch. Sie wissen ziemlich genau, was sie wollen. Und noch genauer, was nicht.

Das aktuelle Karrierebarometer 2026 von JobTeaser, das gemeinsam mit der EDHEC Business School und Kantar durchgeführt wurde, hat 1.133 Studierende und junge Absolvent:innen in Deutschland befragt. Das Ergebnis: kein Rückzug vom Arbeitsmarkt, keine „Null-Bock-Generation“ – sondern eine junge Erwerbsgeneration, die sich sehr bewusst auf neue Spielregeln einstellt. Und diese Spielregeln haben es in sich.

86 Prozent der Bewerber:innen fordern ein attraktives Gehalt

Wer glaubt, ein großer Markenname ziehe automatisch Bewerbungen an, sollte umdenken. Für 37 Prozent der Befragten ist die Branche das entscheidende Auswahlkriterium. Die Bekanntheit eines Unternehmens spielt für lediglich 15 Prozent die Hauptrolle. Noch deutlicher wird die strategische Herangehensweise beim Blick auf die Planung: 79 Prozent wissen bereits, in welchem Sektor sie arbeiten möchten, bevor sie sich konkrete Arbeitgeber:innen anschauen. Junge Talente wählen also zuerst ihr Spielfeld und erst danach die Mannschaft.

Gleichzeitig verlieren Karriereseiten an Strahlkraft. Nur 33 Prozent halten offizielle Unternehmenskommunikation für wirklich glaubwürdig. Deutlich überzeugender wirken Stimmen von Alumni (51 Prozent), Aussagen von Mitarbeitenden (43 Prozent) oder Meinungen aus Foren (39 Prozent).

51 Prozent der Bewerber:innen lassen sich am stärksten durch die Meinungen von Alumni beeinflussen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © JobTeaser
51 Prozent der Bewerber:innen lassen sich am stärksten durch die Meinungen von Alumni beeinflussen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © JobTeaser

Ein weiteres Klischee, mit dem sich junge Menschen immer wieder konfrontiert sehen, ist, dass sie angeblich weniger arbeiten. Die Zahlen zeigen allerdings ein ganz anderes Bild. So ist die Arbeit für 93 Prozent ein wichtiger Bestandteil persönlicher Entfaltung. Das ist eine deutliche Ansage. Gleichzeitig verbinden viele Arbeit ganz pragmatisch mit finanzieller Sicherheit – ein Aspekt, der am häufigsten genannt wird.

Beim ersten Job zählen vor allem drei Dinge:

  • 86 Prozent: ein attraktives Gehalt
  • 85 Prozent: ein gutes Team
  • 81 Prozent: Entwicklungsmöglichkeiten

Das klingt nicht nach Träumerei, sondern nach klarer Priorisierung. Sicherheit, soziale Qualität und Perspektive – in genau dieser Reihenfolge. Auch im Recruiting-Prozess zeigen sich junge Arbeitnehmer:innen anspruchsvoll. 41 Prozent bleiben nur dann im Auswahlverfahren, wenn die persönliche Verbindung zur rekrutierenden Person stimmt. 39 Prozent erwarten Transparenz beim Gehalt. Und 19 Tage gelten als absolute Obergrenze für die Dauer eines Bewerbungsverfahrens. Mit anderen Worten: Wer zu lange braucht oder im Unklaren lässt, verliert Talente.

19 Tage gelten aus Sicht der Bewerber:innen als absolute Obergrenze für die Dauer eines Bewerbungsverfahrens (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © JobTeaser
19 Tage gelten aus Sicht der Bewerber:innen als absolute Obergrenze für die Dauer eines Bewerbungsverfahrens (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © JobTeaser

Junge Bewerber:innen sehen ersten Job als Sprungbrett

Spannend ist auch der Blick auf die Verbindlichkeit. Die ideale Dauer der ersten Anstellung? 17 Monate. Kein Jahrzehnt, nicht einmal mehrere Jahre. Zudem sagen 41 Prozent, dass ein unbefristeter Vertrag für sie zum Einstieg keine Priorität hat. Der erste Job wird also nicht als Endstation verstanden, sondern als Lernphase. Als Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, Kompetenzen aufzubauen und sich neu auszurichten. Frühe Wechsel gelten weniger als Risiko, sondern vielmehr als Strategie.


Erste Anstellung als Sprungbrett:

85 Prozent der Gen Z plant nicht länger als 2 Jahre im ersten Job zu bleiben

Erste Anstellung als Sprungbrett: 85 Prozent der Gen Z plant nicht länger als 2 Jahre im ersten Job zu bleiben
© fauxels – Pexels


Wie sehr vertrauen Bewerber:innen auf KI?

Auch wenn das klassische Bewerbungsverfahren immer noch eine hohe Relevanz hat, dominieren neue Technologien immer weiter den Markt. Während ältere Generationen noch über den Einfluss von Künstlicher Intelligenz diskutieren, hat die junge Generation sie längst in ihren Alltag integriert.

  • 83 Prozent nutzen generative KI, um ihre Bewerbungsunterlagen zu optimieren.
  • 79 Prozent überarbeiten ihren Lebenslauf mit KI-Unterstützung.
  • 77 Prozent recherchieren Unternehmen mithilfe entsprechender Tools.
  • 73 Prozent bereiten sich damit auf Vorstellungsgespräche vor.

Doch nicht nur im Bewerbungsprozess spielt KI eine Rolle. 62 Prozent vertrauen ihr bei der Wahl ihres Studienfachs, 54 Prozent sogar bei der generellen beruflichen Orientierung. KI ist damit nicht nur Werkzeug, sondern wird immer mehr zur beratenden Instanz.

62 Prozent vertrauen KI bei der Wahl ihres Studienfachs, 54 Prozent sogar bei der generellen beruflichen Orientierung, © JobTeaser
62 Prozent vertrauen KI bei der Wahl ihres Studienfachs, 54 Prozent sogar bei der generellen beruflichen Orientierung, © JobTeaser

Gleichzeitig bleibt ein Gefühl der Unsicherheit. 50 Prozent fühlen sich im Studium nicht ausreichend auf den Umgang mit KI vorbereitet. Und 42 Prozent befürchten, dass ihr zukünftiger Beruf in den kommenden Jahren an Bedeutung verlieren oder ganz verschwinden könnte. 2024 lag dieser Wert noch bei 36 Prozent – die Sorge wächst also. Egal wie souverän die junge Generation mit KI umgehen kann, bleibt dennoch eine wachsende Sorge vor der neuen Technologie und die damit verbundene Frage: Ist mein Job zukunftssicher?

Sicherheit, Transparenz und Entwicklungsperspektiven sind das A und O

Die Studie zeigt, dass sich junge Bewerber:innen immer mehr anpassen, statt sich zurückzuziehen. Sie reagieren auf einen anspruchsvolleren, stärker arbeitgeber:innengetriebenen Markt mit Realismus. Sie setzen auf Sicherheit, fordern Transparenz, nutzen Technologie konsequent – und bleiben dabei ambitioniert. Doch wer junge Arbeitnehmer:innen gewinnen will, muss mehr bieten als ein gutes Image. Gefragt sind klare Entwicklungspfade, schnelle Prozesse, ehrliche Kommunikation und ein Umfeld, das mit technologischer Dynamik Schritt hält. Adrien Ledoux, CEO und Co-Founder von JobTeaser, fasst zusammen:

Der deutsche Arbeitsmarkt ist für Berufseinsteiger:innen spürbar anspruchsvoller geworden. Junge Absolvent:innen bleiben ambitioniert und engagiert, richten ihre Erwartungen jedoch realistischer aus. Was wir sehen, ist keine Entkopplung vom Arbeitsmarkt, sondern eine bewusste Anpassung. Transparenz, klare Entwicklungsperspektiven und strukturierte Einstiegsmodelle werden für Unternehmen zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.


Karriere ja, Burn-out nein:

Wie die Gen Z Arbeit neu definiert

Karriere ja, Burn-out nein: Wie die Gen Z Arbeit neu definiert
© Vitaly Gariev – Pexels

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.