Human Resources
Historische Hürde: Chancen für Arbeitslose so schlecht wie nie

Historische Hürde: Chancen für Arbeitslose so schlecht wie nie

Marié Detlefsen | 05.01.26

Der deutsche Arbeitsmarkt stagniert und die Leidtragenden sind vor allem Arbeitslose und junge Berufseinsteiger:innen. Neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen: Die Chancen auf einen Job sind so gering wie nie zuvor, während offene Stellen weiter zurückgehen.

Wer aktuell ohne Job ist, blickt in eine unsichere Zukunft. Der Arbeitsmarkt in Deutschland steckt fest – und das spüren vor allem diejenigen, die dringend eine neue Stelle suchen. Das berichtete die Tagesschau. Neue Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeichnen ein düsteres Bild: Die Chancen für Arbeitslose, wieder in Beschäftigung zu kommen, sind so schlecht wie noch nie seit Beginn der Erhebungen.

Keine Berufsgruppe ist vor Jobverlust sicher

Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der BA, beschreibt die Lage drastisch. Seit Monaten fehle jede Dynamik, Bewegung sei kaum erkennbar. Ein zentraler Indikator der Arbeitsagentur, der misst, wie wahrscheinlich es ist, dass arbeitslose Menschen wieder eine Anstellung finden, liegt aktuell bei nur noch 5,7 Punkten. Üblicherweise bewegt sich dieser Wert um sieben, was einen deutlichen Absturz zeigt, der laut Nahles einen historischen Tiefstand markiert.

Besonders alarmierend: Nach Einschätzung der BA gibt es derzeit keine Berufsgruppe, die sich sicher fühlen kann. Jobverlust ist kein Randphänomen mehr, sondern ein Risiko, das Arbeitnehmer:innen quer durch alle Branchen betrifft. Selbst bislang stabile Beschäftigungsfelder bieten kaum noch Verlässlichkeit.

Zwar gelten Menschen mit guter oder sehr guter Qualifikation weiterhin als vergleichsweise privilegiert, doch auch sie sind nicht immun gegen die derzeitige Flaute. Ausbildung schützt, aber sie garantiert längst keinen schnellen Wiedereinstieg mehr. Der Arbeitsmarkt belohnt Qualifikation noch, aber deutlich weniger als früher.


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Junge Menschen und Arbeitslose zahlen den höchsten Preis

Besonders hart trifft die aktuelle Situation Berufseinsteiger:innen. Für sie ist der Einstieg ins Arbeitsleben derzeit extrem schwierig. Laut Nahles „haben [wir] so wenig junge Menschen in Ausbildung vermittelt bekommen wie seit 25 Jahren nicht“. Damit verfestigt sich eine Entwicklung, die langfristige Folgen haben dürfte, nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für den Fachkräftemarkt von morgen.

Parallel zur angespannten Marktlage wird politisch über eine Verschärfung der Regeln beim Bürgergeld diskutiert. Die geplante Umbenennung in „Grundsicherung“ und strengere Sanktionen sollen angeblich die Arbeitsbereitschaft erhöhen. Doch laut der BA seien bereits viele Menschen arbeitswillig und fänden schlicht keine passende Stelle.

In einem Interview mit Web.de warnt Nahles davor, die Debatte allein auf Sozialleistungen zu verengen. Entscheidend sei vielmehr eine gemeinsame Strategie von Politik, Wirtschaft und Forschung. Gerade die geplante stärkere Fokussierung auf schnelle Vermittlung statt Weiterbildung sieht sie kritisch. Denn häufig passen die vorhandenen Qualifikationen nicht zu den ausgeschriebenen Jobs. Ein reiner Vermittlungsvorrang löse dieses strukturelle Problem nicht.

Arbeitslose ohne Perspektive

Wie angespannt die Situation ist, zeigen auch die Zahlen über aktuell offene Stellen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag die Zahl der gemeldeten offenen Jobs im dritten Quartal 2025 19 Prozent unter dem Vorjahreswert. Konkret bedeutet das: Auf 100 offene Stellen kommen derzeit rund 288 Arbeitslose. Arbeitgeber:innen halten sich zurück und neue Stellen werden nur zögerlich gemeldet.

Auch im Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit für November 2025 ist von einer schwachen Nachfrage die Rede. Zwar habe sich die Lage auf niedrigem Niveau stabilisiert, von einer echten Erholung könne jedoch keine Rede sein. Solange die Wirtschaft nicht wieder anzieht und gezielt in Qualifizierung investiert wird, bleibt die Lage angespannt. Für Arbeitslose bedeutet das vor allem eines: Geduld, Unsicherheit und eine Perspektive, die aktuell erschreckend fern wirkt.


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