Büroalltag
Pendeln, Pasta, Präsenzpflicht: So viel kostet ein Tag im Büro

Pendeln, Pasta, Präsenzpflicht: So viel kostet ein Tag im Büro

Marié Detlefsen | 27.01.26

Ein Arbeitstag im Büro kostet mehr, als viele Arbeitnehmer:innen vermuten. Eine Studie zeigt, wie stark Pendeln, Verpflegung und Präsenzpflicht den Geldbeutel belasten und warum Home Office für viele längst eine finanzielle Frage ist.

Der Wecker klingelt. Schnell ein Kaffee, dann raus aus der Tür. Auto, Bahn oder Bus – Hauptsache pünktlich. Mittags etwas Warmes vom Bäcker oder aus der Kantine, zwischendurch ein Snack, abends müde zurück nach Hause. Ein ganz normaler Bürotag eben. Normal – aber alles andere als günstig. Wie teuer dieser Alltag tatsächlich ist, zeigt der „State of Hybrid Work Report 2024“ von Owl Labs. Die Studie macht sichtbar, was viele Arbeitnehmer:innen längst spüren, aber selten konkret beziffern: Der Gang ins Büro belastet den Geldbeutel deutlich stärker als die Arbeit im Home Office.

Büro vs. Home Office: Der Kostenunterschied in Zahlen

Laut Owl Labs geben hybride Beschäftigte in Deutschland durchschnittlich 29 Euro pro Tag aus, wenn sie im Büro arbeiten. Wer von zu Hause aus arbeitet, kommt dagegen auf rund neun Euro täglich. Die Differenz: 20 Euro pro Arbeitstag. Hochgerechnet auf drei Bürotage pro Woche ergibt sich ein zusätzlicher finanzieller Aufwand von etwa 240 Euro im Monat. Netto. Und wohlgemerkt: Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2024. Angesichts steigender Preise für Mobilität, Verpflegung und Alltagskonsum dürfte der Betrag 2025 eher wachsen als schrumpfen.

Arbeitnehmer:innen zahlen etwa 29 Euro für einen Tag im Büro, © Owl Labs
Arbeitnehmer:innen zahlen etwa 29 Euro für einen Tag im Büro, © Owl Labs

Es sind nicht die einen, großen Kosten – sondern die Summe vieler Kleinigkeiten. Pendeln. Kaffee unterwegs. Mittagessen außer Haus. Snacks, die es zu Hause nie gegeben hätte. Dazu Kleidung, die „bürotauglich“ sein muss, und spontane Ausgaben, die im Arbeitsumfeld einfach häufiger passieren.

Das Geld wird größtenteils für Pendel- und Essenskosten ausgegeben, © Owl Labs
Das Geld wird größtenteils für Pendel- und Essenskosten ausgegeben, © Owl Labs

Höhere Gehaltsforderungen bei Wegfall von Remote-Arbeit

Dennoch steigen Energiepreise, Mieten und Lebensmittel weiter in die Höhe und fallen auch in die Kosten rund ums Arbeiten. Kein Wunder also, dass die Zahlen aus der Studie deutlich machen, wie sehr sich finanzielle Aspekte auf Erwartungen an Arbeitgeber:innen auswirken. So würden 16 Prozent der Arbeitnehmer:innen eine Gehaltserhöhung erwarten, wenn Hybrid- oder Remote-Arbeit wegfällt. Weitere 23 Prozent würden sich aktiv nach einem neuen Job mit flexibleren Arbeitsmodellen umsehen. Flexibles Arbeiten ist damit nicht nur ein Nice-to-have – sondern für viele ein wirtschaftlich ausschlaggebender Punkt.

Umso überraschender ist, das laut Studie 51 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass Unternehmen Büroanwesenheit vor allem aus traditionellen Gründen einfordern. Nicht wegen besserer Zusammenarbeit oder wegen höherer Produktivität, sondern weil es „schon immer so war“. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten wirkt das auf viele Beschäftigte wie ein Rückschritt. Statt Anpassungsfähigkeit und Vertrauen erleben sie starre Regeln, mit realen Kostenfolgen.

Arbeit im Büro verleitet zu Coffe Badging

Dies ist einer der Gründe, warum auch das Phänomen des Coffee Badging immer häufiger auftaucht. So gaben 38 Prozent der Befragten an, schon einmal kurz im Büro aufgetaucht zu sein, nur um eine Kaffee zu trinken oder ein kurzes Hallo loszuwerden und anschließend wieder zu gehen. Fast zwei Drittel davon wurden dabei sogar schon bemerkt. Was auf den ersten Blick nach Arbeitsvermeidung klingt, ist eher ein stiller Protest. Für viele Beschäftigte ist der Bürobesuch zur Pflichtübung geworden, ohne echten Mehrwert für die eigene Arbeit.

38 Prozent der Beschäftigten betreiben Coffe Badging im Büro, © Owl Labs
38 Prozent der Beschäftigten betreiben Coffe Badging im Büro, © Owl Labs

Ein Tag im Büro kostet mehr als nur Arbeitszeit. Er kostet laut Studie Geld, Energie und oft auch Nerven. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, welche Vorteile die Arbeit im Büro mit sich bringt. Dazu zählen unter anderem eine bessere Unternehmenskultur, eine höhere Produktivität sowie ein besseres Team-Gefühl und eine stärkere Zusammenarbeit. Die Debatte, ob die Arbeit im Büro oder im Home Office nun besser ist, wird daher auch in Zukunft nicht schnell geklärt werden. Allerdings ist die Frage längst nicht mehr nur: Wo arbeiten wir am besten? Sondern auch: Was können – und wollen – wir uns leisten?


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© Willfried Wende – Pexels

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