Büroalltag
Pendeln, Pasta, Präsenzpflicht: So viel kostet ein Tag im Büro

Pendeln, Pasta, Präsenzpflicht: So viel kostet ein Tag im Büro

Marié Detlefsen | 01.04.26

Ein Arbeitstag im Büro kostet mehr, als viele Arbeitnehmer:innen vermuten. Eine Studie zeigt, wie stark Pendeln, Verpflegung und Präsenzpflicht den Geldbeutel belasten und warum Home Office für viele längst eine finanzielle Frage ist.

Der Wecker klingelt. Schnell ein Kaffee, dann raus aus der Tür. Auto, Bahn oder Bus – Hauptsache pünktlich. Mittags etwas Warmes vom Bäcker oder aus der Kantine, zwischendurch ein Snack, abends müde zurück nach Hause. Ein ganz normaler Bürotag eben. Normal – aber alles andere als günstig. Wie teuer dieser Alltag tatsächlich ist, zeigt der „State of Hybrid Work Report 2024“ von Owl Labs. Die Studie macht sichtbar, was viele Arbeitnehmer:innen längst spüren, aber selten konkret beziffern: Der Gang ins Büro belastet den Geldbeutel deutlich stärker als die Arbeit im Home Office.

Büro vs. Home Office: Der Kostenunterschied in Zahlen

Laut Owl Labs geben hybride Beschäftigte in Deutschland durchschnittlich 29 Euro pro Tag aus, wenn sie im Büro arbeiten. Wer von zu Hause aus arbeitet, kommt dagegen auf rund neun Euro täglich. Die Differenz: 20 Euro pro Arbeitstag. Hochgerechnet auf drei Bürotage pro Woche ergibt sich ein zusätzlicher finanzieller Aufwand von etwa 240 Euro im Monat. Netto. Und wohlgemerkt: Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2024. Angesichts steigender Preise für Mobilität, Verpflegung und Alltagskonsum dürfte der Betrag 2025 eher wachsen als schrumpfen.

Arbeitnehmer:innen zahlen etwa 29 Euro für einen Tag im Büro, © Owl Labs
Arbeitnehmer:innen zahlen etwa 29 Euro für einen Tag im Büro, © Owl Labs

Es sind nicht die einen, großen Kosten – sondern die Summe vieler Kleinigkeiten. Pendeln. Kaffee unterwegs. Mittagessen außer Haus. Snacks, die es zu Hause nie gegeben hätte. Dazu Kleidung, die „bürotauglich“ sein muss, und spontane Ausgaben, die im Arbeitsumfeld einfach häufiger passieren.

Das Geld wird größtenteils für Pendel- und Essenskosten ausgegeben, © Owl Labs
Das Geld wird größtenteils für Pendel- und Essenskosten ausgegeben, © Owl Labs

Höhere Gehaltsforderungen bei Wegfall von Remote-Arbeit

Dennoch steigen Energiepreise, Mieten und Lebensmittel weiter in die Höhe und fallen auch in die Kosten rund ums Arbeiten. Kein Wunder also, dass die Zahlen aus der Studie deutlich machen, wie sehr sich finanzielle Aspekte auf Erwartungen an Arbeitgeber:innen auswirken. So würden 16 Prozent der Arbeitnehmer:innen eine Gehaltserhöhung erwarten, wenn Hybrid- oder Remote-Arbeit wegfällt. Weitere 23 Prozent würden sich aktiv nach einem neuen Job mit flexibleren Arbeitsmodellen umsehen. Flexibles Arbeiten ist damit nicht nur ein Nice-to-have – sondern für viele ein wirtschaftlich ausschlaggebender Punkt.

Umso überraschender ist, das laut Studie 51 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass Unternehmen Büroanwesenheit vor allem aus traditionellen Gründen einfordern. Nicht wegen besserer Zusammenarbeit oder wegen höherer Produktivität, sondern weil es „schon immer so war“. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten wirkt das auf viele Beschäftigte wie ein Rückschritt. Statt Anpassungsfähigkeit und Vertrauen erleben sie starre Regeln, mit realen Kostenfolgen.

Arbeit im Büro verleitet zu Coffe Badging

Dies ist einer der Gründe, warum auch das Phänomen des Coffee Badging immer häufiger auftaucht. So gaben 38 Prozent der Befragten an, schon einmal kurz im Büro aufgetaucht zu sein, nur um eine Kaffee zu trinken oder ein kurzes Hallo loszuwerden und anschließend wieder zu gehen. Fast zwei Drittel davon wurden dabei sogar schon bemerkt. Was auf den ersten Blick nach Arbeitsvermeidung klingt, ist eher ein stiller Protest. Für viele Beschäftigte ist der Bürobesuch zur Pflichtübung geworden, ohne echten Mehrwert für die eigene Arbeit.

38 Prozent der Beschäftigten betreiben Coffe Badging im Büro, © Owl Labs
38 Prozent der Beschäftigten betreiben Coffe Badging im Büro, © Owl Labs

Ein Tag im Büro kostet mehr als nur Arbeitszeit. Er kostet laut Studie Geld, Energie und oft auch Nerven. Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, welche Vorteile die Arbeit im Büro mit sich bringt. Dazu zählen unter anderem eine bessere Unternehmenskultur, eine höhere Produktivität sowie ein besseres Team-Gefühl und eine stärkere Zusammenarbeit. Die Debatte, ob die Arbeit im Büro oder im Home Office nun besser ist, wird daher auch in Zukunft nicht schnell geklärt werden. Allerdings ist die Frage längst nicht mehr nur: Wo arbeiten wir am besten? Sondern auch: Was können – und wollen – wir uns leisten?


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© Willfried Wende – Pexels


Dieser Beitrag erschien erstmals am 27. Januar 2026.

Kommentare aus der Community

Ivonne Jung am 07.04.2026 um 12:17 Uhr

Die Aussagekraft der Studie erscheint mir nur eingeschränkt, weil sie zwar Durchschnittskosten ausweist, aber individuelle Unterschiede im Arbeitsalltag nur begrenzt abbildet. So können die Kosten für Büroarbeit je nach Situation deutlich niedriger ausfallen, etwa wenn Beschäftigte mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, ein vom Arbeitgeber bezuschusstes oder gestelltes ÖPNV-Ticket nutzen oder Fahrkosten steuerlich geltend machen. Auch bei der Verpflegung gibt es große Unterschiede: Wer Essen von zu Hause mitbringt, Reste vom Vortag nutzt oder sich im Büro selbst etwas zubereiten kann, hat wesentlich geringere Ausgaben als Personen, die regelmäßig außer Haus essen. Eine einfache Mahlzeit wie Nudeln mit Pesto kostet im Zweifel nur rund 2 Euro und liegt damit deutlich unter den im Artikel vermittelten typischen Tageskosten. Der Artikel selbst verweist zwar auf durchschnittlich 29 Euro pro Bürotag gegenüber 9 Euro im Homeoffice, räumt aber zugleich ein, dass es sich um die Summe vieler Einzelposten handelt, etwa Pendeln, Snacks, Kaffee oder bürotaugliche Kleidung. Gerade deshalb sind die Werte nicht ohne Weiteres auf alle Beschäftigten übertragbar.
Umgekehrt sollte auch das Homeoffice nicht nur als kostengünstigere Alternative dargestellt werden. Wer überwiegend von zu Hause arbeitet, trägt häufig zusätzliche Ausgaben für Strom, Heizung und gegebenenfalls auch Wasser oder Internetnutzung. Hinzu kommt, dass eine gesunde und ergonomische Homeoffice-Ausstattung in vielen Fällen erst angeschafft werden muss, etwa ein geeigneter Schreibtisch, ein guter Stuhl, ein externer Monitor oder eine passende Beleuchtung. Solche Kosten fallen im Büro für Beschäftigte in der Regel nicht unmittelbar privat an. Selbst der zugrunde liegende Bericht und der Artikel stellen fest, dass steigende Energiepreise und allgemeine Lebenshaltungskosten auch die Arbeit im Homeoffice betreffen. Deshalb greift es aus meiner Sicht zu kurz, Büroarbeit pauschal als teuer und Homeoffice pauschal als günstiger darzustellen; belastbar wäre die Einordnung erst dann, wenn unterschiedliche Lebensrealitäten, Mobilitätsformen und Ausstattungsniveaus systematisch mitberücksichtigt würden.

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Niklas Lewanczik am 07.04.2026 um 13:05 Uhr

Hallo Ivonne,

ich gebe dir vollkommen Recht, in diesem Fall haben wir lediglich die Kostendaten aus der Erhebung als eine Perspektive auf das große Thema Nebenkosten der Arbeitszeit fokussiert, aber keine sehr umfassende Analyse diverser Zusatzfaktoren aufgestellt. Davon erwähnst du ja schon einige und das bietet durchaus Potential, das Thema noch einmal größer aufzuziehen. Denn klar, die Daten können nicht allgemeingültig fungieren und viele Einzelfaktoren spielen eine Rolle. Dabei ist beinahe jede Jobsituation anders, das hängt auch sehr stark von den Unternehmen ab.

Vielen Dank aber für deine ausführliche und relevante Einordnung.

Liebe Grüße

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U. Al Qassem am 02.04.2026 um 07:56 Uhr

Die Rechnung ist nicht allgmeingültig. Die Kosten können allein durch rechtzeitige Vorbereitung und Zeitplanung im Bereich Verzehr reduziert werden, wenn wie in früheren Zeiten zuhause gefrühstückt wird und eine Lunchbox vorbereitet und mitgenommen wird. Fahrtkosten werden zum Teil von den Unternehmen abgabefrei übernommen bzw. können bei der Steuererklärung angerechnet werden. Deshalb halte ich die Beträge für zu hoch angesetzt.

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Niklas Lewanczik am 07.04.2026 um 13:00 Uhr

Danke für deine Ergänzung. Ja, wir nehmen im Beitrag Bezug auf die Werte aus der Erhebung, die allerdings keine Allgemeingültigkeit für alle Beschäftigten haben können. Wir werfen dabei einen exemplarischen Blick auf Kosten, die der Bürobesuch verursachen kann (nicht muss); aber deine Ergänzungen sind durchaus valide und können ein anderes Licht auf die Kostenfaktoren werfen.

Liebe Grüße

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