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Mobile Marketing
Apple verdient enorm an der eigenen Datenschutzpolitik

Apple verdient enorm an der eigenen Datenschutzpolitik

Niklas Lewanczik | 19.10.21

Die Einführung von Apples App Tracking Transparency hat dem unternehmenseigenen Ad Business einen erheblichen Uplift verliehen.

Im Frühjahr 2021 führte Apple die von vielen Advertisern gefürchtete App Tracking Transparency (ATT) ein. Die damit einhergehende obligatorische und an einen aktiven Opt-in gebundene Abfrage der User, ob sie getrackt werden wollen, könnte das Werbegeschäft vieler Unternehmen beeinträchtigen, kritisierten diverse Branchenteilnehmer:innen im Vorfeld. Allen voran Facebook warnte die Advertiser vor den Folgen des sogenannten IDFA Updates. Tatsächlich hatten die Tracking-Einschränkungen bei iOS einschneidende Folgen für das Mobile Marketing Business. Einen positiven Effekt verspürt indes Apple selbst. Denn das Unternehmen kann die Einnahmen aus dem eigenen Mobile-Werbegeschäft immens steigern – während Google und Facebook Probleme haben, iPhone User zu targeten.

App Tracking Transparency sorgt für Unmut und erschwertes Targeting im Mobile Marketing

Nach dem Launch der ATT fielen die Opt-in-Raten der User bei iOS zunächst erwartungsgemäß gering aus. Obwohl sich die Zahl inzwischen global stabilisiert, haben Advertiser sowie Google und Facebook weiterhin Probleme, iOS User gezielt anzusprechen und zu targeten. Apple selbst hatte im Zuge der ATT-Einführung erklärt:

Wir glauben, dass Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht ist.

Die obligatorische Abfrage zur Tracking-Erlaubnis bei iOS 14.5
Die obligatorische Abfrage zur Tracking-Erlaubnis bei iOS 14.5, © Apple

Beschwerden als Reaktion auf das Feature gab es nicht nur von Facebook. Auch deutsche Verbände aus der Medien- und Werbebranche meldeten sich beim Bundeskartellamt: Die neuen Tracking-Regeln seien unlauterer Wettbewerb, da Apples Dienste von den Regelungen ausgeschlossen sind. Als Folge derartiger Vorwürfe hatte Apple für die eigenen Dienste ebenfalls eine Abfrage der Tracking-Erlaubnis eingeführt – die sich allerdings deutlich von der unterscheidet, die die Entwickler:innen anzeigen müssen.

Apples Pop-up zu personalisierter Werbung bei iOS
Apples Pop-up zu personalisierter Werbung bei iOS (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Apple

Apple steigert den Advertising-Umsatz: Von 17 auf 58 Prozent der Sponsored App Store Downloads

Nun hat die Financial Times in einem Bericht offenbart, dass Apple selbst einen großen finanziellen Nutzen aus der Einführung der ATT zieht. Nach dem Austausch mit diversen Analytics-Unternehmen und Advertisern habe der Publisher herausgefunden, dass Apples eigene Werbeeinnahmen zuletzt deutlich angestiegen sind. Davon berichtet auch Rachel Kraus bei Mashable.

Im App Store sehen User diverse gesponserte Ergebnisse, wenn sie nach eine App suchen. Das Inventar für diese Targeting Ad Spots verkauft Apple selbst. Laut dem Bericht der Financial Times konnte das Unternehmen in den vergangenen sechs Monaten den Anteil an den gesponserten App Store Downloads von 17 auf 58 Prozent steigern. Die Werbeeinnahmen aus diesem spezifischen Bereich sollen sich insgesamt verdoppeln, heißt es weiter.

Immer mehr Mobile Advertiser setzen auf Apple statt auf Google oder Facebook, wenn es um Marketing im iOS-Kosmos geht. Bei Apple erhielten die Advertiser granularere und Echtzeitdaten sowie Retargeting-Optionen, die etwa Facebook nicht mehr regelmäßig liefern könnten, so der Bericht. Eine solche Entwicklung bescheinigt auch das Mobile-Marketing-Expertiseunternehmen AppsFlyer gegenüber OnlineMarketing.de.


In unserem Digital Bash Podcast spricht OnlineMarketing.de-Redakteur Niklas Lewanczik mit Ben Jeger, Director Central Europe bei AppsFlyer, über die (Privacy-First-)Zukunft des Mobile Marketing und diskutiert Fragen wie:

  • Wie wird das Tracking künftig vonstattengehen?
  • Wie können Advertiser User über die Verwendung ihrer Daten aufklären?
  • Und welche Umstände führen dazu, dass Nutzer:innnen ihre Daten gerne weitergeben?


Apple selbst betont, dass die Einführung der App Tracking Transparency als Datenschutzmaßnahme zum Wohl der User gedacht ist. Und eine solche stellt sie durchaus dar. Der für Apple besonders positive Nebeneffekt des vergrößerten Gewinns aus dem Mobile Marketing wirft allerdings die Frage auf, ob das Unternehmen seine Marktmacht nicht zumindest implizit missbraucht hat.

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