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Karriere Tipps
Bewerbungs-Guide Teil 1: So sieht ein zeitgemäßer, überzeugender und individueller Lebenslauf aus

Bewerbungs-Guide Teil 1: So sieht ein zeitgemäßer, überzeugender und individueller Lebenslauf aus

Michelle Winner | 14.06.21

Was gehört heutzutage eigentlich alles in einen Lebenslauf? Und wie kann ich mich von der Konkurrenz abgrenzen? Unser Bewerbungs-Guide liefert Antworten auf diese und weitere Fragen.

Eine ansprechende, individuelle und gut strukturierte Bewerbung ist der erste Schritt zum neuen Job. Das Problem dabei: Viele Arbeitnehmer:innen haben ihre Lebensläufe und Anschreiben seit Jahren nicht aktualisiert und sind sich unsicher darüber, was heute eigentlich noch zu einer guten Bewerbung gehört. Andere haben immer noch die oft veralteten Regeln im Kopf, die ihnen in der Schule beigebracht worden sind. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, dir in unserem Bewerbungs-Guide zu zeigen, wie die einzelnen Elemente einer Bewerbung heutzutage aufgebaut und gestaltet sein sollten – damit dir der Sprung zum neuen Job erleichtert wird.

Den Anfang macht das Thema Lebenslauf, der oft als wichtigstes Dokument einer Bewerbung gilt. Ein kleiner Disclaimer vorab: So wie Bewerber:innen sind auch Unternehmen sehr individuell und was bei einem gut ankommt, klappt vielleicht beim anderen nicht. Dennoch wollen wir versuchen, dir einen grundlegenden Überblick über das Thema zu geben – vom Layout bis hin zu typischen Fehlern und Möglichkeiten, dich abzuheben. Die Tipps und Tricks basieren auf den Informationen und Meinungen von Expert:innen, die wir als Karrieremagazin in den vergangenen Jahren gesammelt und geteilt haben.

1. Aufbau und Layout

Regel Nummer 1 für deinen Lebenslauf: Lade dir keine Vorlagen mit 0815-Formulierungen aus dem Internet herunter. Diese sind in den Personaletagen gut bekannt und die meisten Personalverantwortlichen merken sofort, dass es sich hier jemand leicht macht. Ansprechende Layout-Vorlagen, die du hingegen mit deinen eigenen Worten füllst, können hingegen genutzt werden, um deinen Lebenslauf etwas abzuheben. Nimm vielleicht nur nicht das erstbeste Google-Suchergebnis. Wenn du dein Layout selber erstellst, solltest du auf gute Übersichtlichkeit achten und Formatierungsfehler, wie verrutschte Zeilen, vermeiden. Eine grobe Einteilung kann wie folgt aussehen:

  1. Persönliche Daten
  2. Akademischer Werdegang
  3. Beruflicher Werdegang
  4. Weitere Qualifikationen

Es bietet sich bei akademischen und beruflichen Werdegang an, chronologisch oder rückwärts vorzugehen, also entweder mit der ältesten oder der neusten Angabe zu beginnen. Die verschiedenen Zwischenüberschriften kannst du fetten, um sie hervorzuheben. Verzichte aber auf zu auffällige Gestaltungsmethoden und belasse die Schriftfarbe am besten bei schwarz. Bei Jobs, bei denen es um Gestaltung und Kreativität geht, kannst du hingegen etwas mutiger werden. Und Apropos Überschrift: Anstatt einfach „Lebenslauf“ über das Dokument zu schreiben, nimm deinen Namen als Überschrift. Das spart nicht nur eine Zeile, sondern die Personalverantwortlichen wissen auch sofort, mit wem sie es zu tun haben.

Die richtige Schriftart

Bei der Schriftart musst du nicht auf das klassische Times New Roman setzen, denn dieses kann schnell langweilig und altbacken wirken. Andere serifenfreie, moderne und professionelle Schriftarten sind Calibri, Helvetica oder Verdana. Wenn es etwas kreativer sein darf, kannst du auch die folgenden ausprobieren:

  • Garamond
  • Georgia
  • Cambria
  • Gil Sans

Die Auswahl an Schriftarten ist groß, deshalb solltest du bei deiner Entscheidung auf Leserlichkeit achten. Verschnörkelte oder kindliche Varianten wie Comic Sans sind ein absolutes No Go. Achtung: Während bei Times New Roman die Schriftgröße 12 pt. der Standard ist, gibt es bei anderen Schriftarten Abweichungen. Generell bist du aber mit einer Größe zwischen 10 pt. und 13 pt. je nach Variante auf der sicheren Seite. Übrigens: Du musst deinen Lebenslauf nicht auf eine A4-Seite quetschen. Die Länge kommt natürlich auf die Menge deiner Erfahrungen und Zwischenstationen an und kann zwischen eineinhalb und zwei Seiten variieren.

2. Was gehört in den Lebenslauf?

Bei diesem Punkt gehen die Meinungen wohl am meisten auseinander, deshalb wollen wir dir Pro und Kontra mancher Punkte nicht vorenthalten. Schlussendlich musst du die Entscheidung selbst treffen.

Persönliche Daten

Generell solltest du unter diesem Punkt deine Kontaktdaten sowie deinen Namen angeben, wenn du ihn nicht als Überschrift benutzt hast. Heutzutage gibt es jedoch auch anonyme Bewerbungsverfahren, bei denen rein nach Qualifikationen entschieden wird und die dadurch fairer und inklusiver sein sollen. Ist das der Fall, steht das aber in der Regel in der Stellenausschreibungen. Abgesehen davon gilt, dass Religion, Gender und auch das Alter nicht angeben werden müssen, denn diese Informationen dürfen keinen Einfluss auf die Entscheidung der Personaletage haben. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz besagt, dass niemand aufgrund seines persönlichen Hintergrunds, zudem natürlich auch Sexualität und Hautfarbe gehören, benachteiligt werden darf. Deshalb wird inzwischen auch teilweise kein Bewerbungsfoto mehr verlangt. Ebenfalls verzichten kannst du auf die folgenden Angaben:

  • Eltern und Beruf der Eltern
  • Anzahl der Kinder
  • Beziehungsstatus
  • Geburtsort

Akademischer Werdegang

Je nachdem ob du chronologisch oder rückwärts vorgehen möchtest, solltest du abwägen wie weit du in die Vergangenheit reisen möchtest. Ein Lebenslauf sollte kompakt sein. Der Vorteil davon rückwärts vorzugehen, ist, dass dein letzter und damit höchster und relevantester Abschluss zuerst genannt wird. Gib bei Bachelor, Master oder anderen Hochschulabschlüssen unbedingt auch das Studienfach mit an sowie Universität und gegebenenfalls die Abschlussnote (gerade bei Berufseinsteiger:innen kann diese noch eine Rolle spielen, später ist sie kaum noch relevant). Bei deinem schulischen Werdegang musst du nicht so weit zurückgehen. Meist reicht hier die Angabe des höchsten Abschlusses, beispielsweise Abitur oder Mittlere Reife. Die Abschlussnote spielt, wenn du danach ein Studium absolviert hast oder bereits einige Jahre Berufserfahrung hast, keine große Rolle mehr, der Name der Schule kann hingegen angegeben werden. Die Grundschule kannst du getrost weglassen – allen ist klar, dass du diese vermutlich besucht hast, wenn du Abitur oder einen Studienabschluss hast.

Beruflicher Werdegang

Auch hier solltest du entscheiden, in welcher Reihenfolge du vorgehst. Achtung: Wähle beim beruflichen und akademischen Werdegang die gleiche Reihenfolge, da es sonst unübersichtlich wirken kann. Auch hier gilt: Du musst nicht zu weit in die Vergangenheit tauchen. Wenn du bereits einige Jahre Berufserfahrung gesammelt hast, musst du nicht deinen Ferienjob, den du mit 15 gehabt hast, angeben. Anders ist das natürlich bei Berufseinsteiger:innen: Hast du bisher wenig Erfahrungen gesammelt, kannst du ruhig auch Stationen aus deiner Jugend angeben, sofern diese relevante für dein aktuelles Berufsziel sind oder bestimmte Hard oder Soft Skills vermittelt haben. Nebentätigkeiten in der Gastronomie sind beispielsweise ein guter Indikator für Teamwork, Belastbarkeit und guten Umgang mit Kund:innen.

Bei deinen verschiedenen Jobs solltest du neben Zeitraum und Unternehmen natürlich auch immer deine Position mit angeben und Stichpunktartig deine Tätigkeit dort beschreiben. Denn nicht jeder Jobtitel verrät auch, was genau dahinter steckt. Das kann wie folgt aussehen:

OnlineMarketing.de GmbH
Redakteurin im Bereich Berufswelt und Karriere
Schwerpunkte: New Work, Selbstoptimierung, Berufsalltag

Hobbys

Eines der größten Streitthemen sind die Hobbys oder Interessen im Lebenslauf. Die einen halten sie für unprofessionell, andere Personalverantwortliche sehen sie als Möglichkeit zum Abheben von der Konkurrenz. Die Persönlichkeit sowie Soft Skills spielen eine große Rolle bei den Entscheidungen in den Personaletagen – richtig eingesetzt, kannst du mit deinen Hobbys also punkten. Wichtig ist die Aussagekraft deiner Interessen: Netflix oder Musik hören sind nicht sonderlich interessant. Mannschaftssport kann hingegen deine Teamfähigkeit unterstreichen, künstlerische Hobbys deine Kreativität und seltene Interessen deine Risikofreudigkeit. Zudem musst du dabei auch nicht nur Stichpunkte schreiben. Ein ausformulierter Satz, der vielleicht auch einen Bezug zwischen Hobby und Beruf herstellt, macht an dieser Stelle oft einen guten Eindruck. Aber bitte keinen Roman schreiben. Stelle dir vor der Angabe folgende Fragen:

  • Lässt sich eine Verbindung zwischen Hobby und Beruf oder Skills herstellen?
  • Stehe ich mit Leidenschaft hinter diesem Hobby oder ich führe ich es nur auf, um irgendwas zu schreiben?
  • Riskiere ich durch das Hobby verletzungsbedingte Krankschreibungen?
  • Habe ich nennenswerte Erfolge mit meinem Hobby erzielt?

Bei manchen Hobbys solltest du, je nach Branche, vorsichtig sein: Gaming kann beispielsweise klassische Vorurteile hervorrufen, beispielsweise eigenbrötlerisches Verhalten. Bei besonders konservativen Unternehmen solltest du auf die Hobbys vielleicht komplett verzichten. Aber sonst gilt: Trau dich und zeige deine Persönlichkeit durch deine Hobbys und Interessen.

3. Individualität zeigen

Dich von der Masse an Bewerber:innen abzuheben, ist nicht einfach und gelingt wie zuvor erklärt meist nur, indem du mit deiner Persönlichkeit und deinen Soft Skills glänzt. Letztere lassen sich jedoch im Anschreiben besser erklären und darstellen als im Lebenslauf. Hier kannst du diese Fähigkeiten dennoch andeuten, wie eben durch Hobbys oder bestimmte Verantwortungen, die du übertragen bekommen hast oder die Leitung erfolgreicher Projekte. Abgesehen davon gibt es noch andere Wege dich abzuheben:

Icons und Grafiken

Wie erwähnt sind gestalterische Freiheiten ein Risiko bei manchen Unternehmen. Icons oder Grafiken können aber auch zum Abheben beitragen und Kreativität beweisen. Du könntest deine Fähigkeiten in Fremdsprachen beispielsweise mit Sternen bewerten. Oder zu deinen Hobbys jeweils ein Icon einfügen. Denk aber immer daran, dass die gestalterische Freiheit vom Unternehmen abhängt, bei dem du dich bewirbst.

Keywords nutzen

Die meisten Bewerbungen werden digital verschickt und nicht jede dieser landet auf dem Desktop von Personalverantwortlichen. Immer öfter kommt es zur Vorsortierung durch Programme, die nach bestimmten Schlüsselwörtern in deiner Bewerbung suchen. Deshalb ist es umso wichtiger, diese im Lebenslauf zu verwenden. Orientiere dich dabei an der Stellenausschreibung und versuche, die Formulierungen von dort zu übernehmen und in deinem Lebenslauf zu verpacken. Das kannst du beispielsweise bei den Beschreibungen im beruflichen Werdegang machen.

Storytelling

Storytelling, also das Darstellen deiner Geschichte und Person auf spannende Art, ist nicht nur im Anschreiben wichtig, sondern auch im Lebenslauf. Lieblos hingeklatschte Fakten reichen vielen Personaler:innen nicht mehr. Sie wollen Zusammenhänge sehen, Motivation und auch Persönlichkeit. Nun soll der Lebenslauf aber kompakt, übersichtlich und gleichzeitig erzählend sein – wie soll das gehen? Natürlich kannst du hier nicht so weit ausholen wie im Anschreiben. Dennoch sind es die kleinen Details, die deine Geschichte erzählen: Eine ansprechende, vielleicht auch etwas mutigere Gestaltung, kleine Erklärungen zu deinen verschiedenen Jobs und interessante Hobbys und Interessen helfen dabei, ein umfassendes Bild von dir zu zeichnen.

4. Typische Fehler vermeiden

Verschiedene Arten von Fehlern können ein Grund sein, wieso du schlussendlich nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen wirst. Doch welche Patzer passieren am häufigsten?

Grammatik und Rechtschreibung

Fehler schleichen sich schnell in deinen Text ein. Korrekturprogramme können heutzutage die meisten davon erkennen, doch wir empfehlen, dass du immer noch eine weitere Person über deinen Lebenslauf drüber lesen lässt. Gerade bei Wortendungen kann sich schnell ein Vertipper einschleichen, den man auch gern überliest. Generell sollte es jedoch so sein, dass ein falsches Komma oder ein kleiner Buchstabendreher dir nicht zum Verhängnis werden – anders als früher. Das passiert selbst in Redaktionen oder Literaturverlagen. Deine berufliche Qualifikation kann einen Flüchtigkeitsfehler durchaus wettmachen. Problematisch wird es jedoch, wenn du ständig Grammatikfehler machst und auch deine Orthographie zu wünschen übrig lässt. Viele Fehler erwecken den Eindruck, dass du dir keine Mühe beim Erstellen deiner Bewerbung gegeben hast.

Lügen

Dein Lebenslauf kommt dir zu langweilig vor und du versuchst ihn durch erfundene Hobbys, Auslandsaufenthalte oder gar Jobs aufzupolieren? Keine gute Idee, denn die Lügerei fällt schnell auf – meistens im Bewerbungsgespräch. Lügen im Lebenslauf sind für die meisten Personaler:innen ein absolutes No Go. Setze deshalb unbedingt auf Ehrlichkeit und stelle dich so dar, wie du bist.

Fehler in den Details

Manche Fehler erscheinen mikroskopisch klein, haben aber umso mehr Bedeutung. Den Namen des Unternehmens oder der Ansprechperson falsch zu schreiben, ist ein Fauxpas, den einige Personalverantwortliche persönlich nehmen und dich direkt auf den Absagestapel befördern. Und auch die Lücken in deinem Lebenslauf solltest du nicht verstecken, sondern ehrlich dazu stehen. Aber Achtung: Hier kommt es teilweise auf die Formulierung an. Warst du Beispielsweise länger krank, solltest du unbedingt dazu schreiben, dass du inzwischen genesen bist. Sonst könnten deine neuen Arbeitegeber:innen denken, dass du erneut so lange ausfällst. Eine ausführliche Erklärung, wie du Lücken im Lebenslauf richtig erklärst, findest du hier.

Ein zeitgemäßer, überzeugender Lebenslauf

Wir hoffen diese Übersicht über die wichtigsten Fakten zum Lebenslauf konnte dir helfen. Natürlich gibt es kein Rezept für den perfekten Lebenslauf: Bewerber:innen sowie Unternehmen sind alle individuell, weshalb sich kein 0815-Standard-Guide erstellen lässt. Und auch für Bewerbungen im Ausland oder bei einigen internationalen Unternehmen gelten andere Richtlinien. Wie du CV und Resumé erstellst, erklären wir dir hier.

Wichtig ist, dass du immer im Auge behältst, wo du dich bewirbst und wie die Unternehmenskultur dort ist. Anhand dessen kannst du dann entscheiden, wie kreativ und experimentierfreudig du bei der Gestaltung oder der Angabe deiner Hobbys wirst. Sei ehrlich, überzeugend und versteck deine Erfolge nicht – so kannst du den für dich idealen Lebenslauf erstellen, der dir zum neuen Job verhilft.

>>>nächster Teil: So formulierst du ein überzeugendes Anschreiben und hebst dich ab

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