Human Resources
White-Collar-Jobs im Aufschwung – doch Deutschland verliert den Anschluss

White-Collar-Jobs im Aufschwung – doch Deutschland verliert den Anschluss

Marié Detlefsen | 21.02.25

Während weltweit die Zahl der White-Collar-Jobs wieder steigt, fällt Deutschland im internationalen Vergleich zurück. Eine aktuelle Studie zeigt, welche Branchen boomen, warum Deutschland nur auf dem vorletzten Platz landet und welche Maßnahmen jetzt nötig sind.

Die Weltwirtschaft nimmt Fahrt auf, Unternehmen stellen wieder ein – doch Deutschland bleibt auf der Strecke. Während Länder wie die USA, Indien und Großbritannien einen Boom an neuen White-Collar-Stellen erleben, zeigt eine aktuelle Studie des Robert Walters Global Jobs Index, dass Deutschland im internationalen Vergleich nur auf dem vorletzten Platz landet. Was sind die Gründe für diese Entwicklung, und welche Branchen profitieren weltweit besonders vom Aufschwung?

Was sind White-Collar-Jobs?

White-Collar-Jobs sind sogenannte Schreibtisch- oder Bürojobs und umfassen Tätigkeiten, die in erster Linie geistige Arbeit erfordern. Dazu gehören Berufe in den Bereichen Finanzen, IT, Recht, Beratung und Verwaltung. Im Gegensatz zu Blue-Collar-Jobs, die körperliche Arbeit in Industrie, Bau oder Handwerk beinhalten, sind White-Collar-Tätigkeiten oft akademisch geprägt und setzen eine höhere Qualifikation voraus. Diese Jobs sind nicht nur für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes entscheidend, sondern auch ein Gradmesser für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit.

Globaler Aufschwung, aber Deutschland nur auf Platz neun

Die Studie belegt nun, dass die Zahl der ausgeschriebenen White-Collar-Stellen im Januar 2025 deutlich angestiegen ist. Im Vergleich zum Dezember 2024 wurden weltweit 54 Prozent mehr dieser Jobs ausgeschrieben – ein Zeichen dafür, dass Unternehmen nach einer Phase der Zurückhaltung wieder verstärkt Fachkräfte suchen. Vor allem in den USA, Indien und Großbritannien boomt der Markt, während Deutschland im internationalen Vergleich nur den vorletzten Platz unter den zehn untersuchten Ländern belegt.

Doch nicht alle Wirtschaftssektoren konnten gleichermaßen vom Aufschwung profitieren. Besonders stark wuchsen die Stellenangebote in den Bereichen professionelle Dienstleistungen (+38,16 Prozent), Immobilien- und Bauwirtschaft (+24,68 Prozent) sowie im Gesundheitswesen (+7,09 Prozent). Gleichzeitig gab es jedoch Rückgänge in der Technologiebranche (-8,08 Prozent), bei Energie- und Versorgungsunternehmen (-13,75 Prozent) sowie in der Konsumgüterindustrie (-14,64 Prozent).

Besonders stark wuchsen die Stellenangebote in den Bereichen professionelle Dienstleistungen, Immobilien- und Bauwirtschaft sowie im Gesundheitswesen.
Besonders stark wuchsen die Stellenangebote in den Bereichen professionelle Dienstleistungen, Immobilien- und Bauwirtschaft sowie im Gesundheitswesen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zu einer größeren Ansicht), © Robert Walters

Ein bemerkenswerter Trend ist die steigende Nachfrage nach Fachkräften in den Bereichen Beschaffung- und Lieferketten-Management, die quer durch alle Branchen vermehrt gesucht werden.

Deutschland verliert nicht nur bei White-Collar-Jobs

Trotz der globalen Erholung zeigt sich für Deutschland ein ernüchterndes Bild: Im Bereich der professionellen Dienstleistungen, einem klassischen White-Collar-Sektor, verzeichnete das Land einen Rückgang von 29,91 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der letzten sechs Monate von 2024. Zum Vergleich: In Indien, das in diesem Bereich besonders stark gewachsen ist, lag der Anstieg bei beeindruckenden 58,13 Prozent.

Ein Grund für diese schwache Entwicklung könnte die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland sein, die Unternehmen verhaltener in ihrer Personalplanung macht. Zudem erschweren hohe Lohnkosten und eine zunehmende Bürokratie den Arbeitsmarkt für Unternehmen, die nach neuen Fachkräften suchen.

Bereits im Januar zeigte eine Analyse der Jobplattform Indeed, dass unter anderem die Zahl der ausgeschriebenen Stellen in Deutschland im Januar um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat gesunken ist. Damit erreichte sie den tiefsten Stand seit August 2021. Auch in dieser Analyse zeigte sich der besonders starke Rückgang der Personalnachfrage in Bürotätigkeiten, welcher sogar noch dramatischer ist als in der Industrie. Besonders alarmierend: In allen 25 untersuchten Berufsfeldern war ein Rückgang im Vergleich zum Januar 2024 festzustellen – selbst in Sektoren, die unter akutem Fachkräftemangel leiden.

In den USA, Indien und Großbritannien boomt der Markt, während Deutschland im internationalen Vergleich nur den vorletzten Platz belegt.
In den USA, Indien und Großbritannien boomt der Markt, während Deutschland im internationalen Vergleich nur den vorletzten Platz belegt (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zu einer größeren Ansicht), © Robert Walters

Die weltweite Erholung des White-Collar-Arbeitsmarktes zeigt, dass die Nachfrage nach Fachkräften wieder anzieht. Deutschland jedoch hinkt hinterher. Um nicht weiter zurückzufallen, sind gezielte Maßnahmen erforderlich – von verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bis hin zu einer aktiveren Förderung von Fachkräften. Es zeigt sich immer mehr, dass der Fachkräftemangel in Deutschland längst kein Zukunftsproblem mehr ist, sondern Realität. Im Jahr 2023 blieben rund 570.000 Stellen unbesetzt, und der Arbeitsmarkt zeigt deutlich: Ohne gezielte Recruiting-Strategien wird diese Lücke weiter wachsen. Eine Möglichkeit, um gegen dieses Problem vorzugehen, stellt unter anderem die Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland dar.

Parallel dazu geben immer mehr Unternehmen an, ihre Mitarbeitende durch kostengünstigere KI-Tools ersetzen zu wollen. Eine Untersuchung zeigte, dass 41 Prozent der Manager in den USA bereits planen, durch den Einsatz von KI Arbeitsplätze einzusparen. Auch in Deutschland dürfte diese Entwicklung mit zunehmendem Kostendruck und dem Fachkräftemangel weiter an Fahrt gewinnen. Die Umstellung auf automatisierte Prozesse und intelligente Tools bedeutet zwar Effizienzgewinne, verstärkt jedoch auch die Unsicherheit vieler Arbeitnehmer:innen. Führungskräfte berichten zudem von einem beschleunigten Arbeitstempo, das durch die Integration neuer Technologien entsteht. Dennoch muss Deutschland im Wettbewerb um hoch qualifizierte Arbeitnehmer:innen weiterhin mithalten und gezielte Strategien entwickeln, um nicht als Schlusslicht auf dem Arbeitsmarkt zu enden.


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