Technologie
Zuckerberg wirbt für eine „KI für alle“ und warnt vor zu strengen Regeln

Zuckerberg wirbt für eine „KI für alle“ und warnt vor zu strengen Regeln

Larissa Ceccio | 30.07.26

Neue Werbefunktionen für WhatsApp, weniger Werbeoptionen auf Instagram und ein Gastbeitrag von Mark Zuckerberg zur Zukunft der KI. Warum der Meta-Chef dafür Kritik erntet und Investor:innen zunehmend skeptisch werden.

Meta baut nicht nur die eigenen Werbeplattformen um, sondern investiert gleichzeitig Milliarden in die Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Während Werbetreibende neue Funktionen für WhatsApp erhalten und Instagram einige Optionen verliert, erklärt CEO Mark Zuckerberg seine Vision einer „KI für alle“. Doch genau diese Botschaft stößt auf Kritik – und auch Anleger:innen werden zunehmend nervös.

Mehr Werbung auf WhatsApp, weniger Optionen auf Instagram: Meta stellt die Marketing API um

Wer Anzeigen auf den Plattformen von Meta schaltet oder Marketing Tools nutzt, sollte einen Blick auf die neue Marketing API v26.0 werfen.

Für WhatsApp Status Ads erweitert Meta die Marketing API um zusätzliche Optionen für Targeting, Creatives und die Optimierung auf Offsite Sales innerhalb von Sales-, Lead- und Engagement-Kampagnen. Unternehmen, die Werbung im WhatsApp Status schalten, erhalten damit mehr Kontrolle über Kampagnen und deren Aussteuerung.

Auch plattformübergreifende Anzeigenformate erhalten neue Funktionen. Carousel Ads auf Facebook, Instagram, Messenger und im Audience Network können künftig bis zu zehn Bilder oder Videos innerhalb einer Anzeige enthalten. Zusätzlich führt Meta eine Optimierung auf Landing-Page-Besuche ein.

Auf Instagram fällt dagegen eine Platzierung weg. Instagram Feed Ads werden aus der Marketing API entfernt, Budgets stattdessen automatisch auf andere verfügbare Instagram-Platzierungen verteilt. Der Messenger verliert ebenfalls eine Werbeoption: Messenger Stories verschwinden aus den manuellen Placement-Einstellungen.

Für Entwickler:innen und Anbieter:innen von Marketing Software bringt das Update weitere Anpassungen. Dritt-Tools müssen künftig eine WhatsApp Identity für WhatsApp Status Ads explizit übergeben. Zudem gelten für Housing-, Employment- und Financial-Services-Anzeigen auf den Meta-Plattformen neue Vorgaben. Wer mit eingeschränkten Targeting-Optionen arbeitet, muss Advantage+ Audience künftig aktiv ein- oder ausschalten.

Zuckerbergs KI-Offensive: Seine Antwort auf die KI-Skepsis

Nur wenige Tage nach Metas milliardenschweren Investitionen in die neuen Meta Superintelligence Labs (MSL) geht CEO Mark Zuckerberg mit einem Gastbeitrag im Wall Street Journal in die Offensive, um öffentlich zu erklären, wofür Meta beim Thema KI steht. Er stellt sich gegen die Vorstellung, dass leistungsfähige KI nur wenigen Unternehmen oder Institutionen vorbehalten sein sollte und plädiert stattdessen für einen breiten Zugang zu Superintelligenz:

The defining question of our age isn’t whether superintelligence will exist, but who will have access to it. Will it be centralized and restricted to a few institutions, or will it be a tool that empowers everyone?

Zudem wendet sich der Meta-Chef gegen die pessimistischen Stimmen der Branche:

I don’t understand why anyone who believes that AI will eliminate most jobs and much of humanity’s relevance would rush to build that future,

So stellt er sich gegen ein Narrativ, das vor allem Arbeitsplatzverluste, Risiken und Machtkonzentration in den Mittelpunkt rückt. Den größten Mehrwert von KI sieht Zuckerberg nicht in der Automatisierung bestehender Prozesse, sondern darin, Innovationen zu ermöglichen. Aus seiner Sicht soll KI künftig vor allem Menschen dabei unterstützen, neue Unternehmen aufzubauen, wissenschaftliche Entdeckungen voranzutreiben und kreative Ideen zu verwirklichen.

Doch mehrere Medien sehen in Zuckerbergs Plädoyer weniger eine neue KI-Philosophie als vielmehr eine strategische Kommunikationskampagne.

Die Kritik an Zuckerbergs Vision einer „KI für alle“

Business Insider spricht von einer „AI PR campaign“ und wirft Zuckerberg vor, die öffentliche Debatte über Künstliche Intelligenz mit einer optimistischen Zukunftserzählung in eine für das Unternehmen günstigere Richtung lenken zu wollen. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Axios. Denn der Meta CEO setzt ganz auf die positiven Seiten von KI. BEr versuche Meta als Konzern zu positionieren, der Künstliche Intelligenz möglichst vielen Menschen zugänglich macht – unter anderem mit Llama als offen verfügbarem KI-Modell und der Meta AI, die inzwischen tief in Facebook, Instagram, WhatsApp und Messenger integriert ist. Anthropic erregte hingegen zuletzt mit einem Werbespot Aufmerksamkeit, der die möglichen Gefahren leistungsfähiger KI in den Mittelpunkt stellt. OpenAI-Chef Sam Altman warnte in einer aktuellen Folge des Podcasts „Relentless“ vor einer zu starken Konzentration von KI-Macht. Eine Zukunft, in der nur wenige Unternehmen oder Staaten den Zugang zu leistungsfähiger KI kontrollieren, wäre aus seiner Sicht „very, very bad“.

Dass ausgerechnet Zuckerberg für eine KI, die möglichst vielen Menschen zugänglich ist, wirbt, die möglichst vielen Menschen zugutekommen soll, kritisiert auch The Guardian. Denn Meta steht seit Jahren wegen Datenschutz, Marktmacht und der gesellschaftlichen Auswirkungen der eigenen Plattformen in der Kritik. Ein aktuelles Beispiel sind die Vorwürfe der EU: Meta soll Kinder und Jugendliche auf Facebook und Instagram nicht ausreichend vor suchtfördernden Funktionen schützen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte dem Konzern eine Milliardenstrafe drohen.



Meta droht Milliardenstrafe:
EU kritisiert Suchtmechanismen bei Facebook und Instagram

Hand hält Smartphone. Hier sind die App Icons von Meta drauf zu sehen.
Foto von Julian Christ auf Unsplash (Änderungen vorgenommen via Canva)


Zuckerbergs Milliardenwette auf KI sorgt für Skepsis an der Börse

Zuckerbergs Vision einer „KI für alle“ hat ihren Preis. Meta hält trotz wachsender Skepsis an dem milliardenschweren KI-Kurs fest und investiert weiter massiv in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur. Wie der Konzern in seinen Quartalszahlen ankündigte, sollen die Investitionen 2026 nun zwischen 130 und 145 Milliarden US-Dollar liegen – mehr als bislang geplant. Darüber berichteten unter anderem Reuters und MarketWatch.

An der Börse sorgte dieser Kurs jedoch für gemischte Reaktionen. Wie Meta in den aktuellen Quartalszahlen mitteilte, stieg der Umsatz im zweiten Quartal zwar um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn sank jedoch um 14 Prozent auf 15,85 Milliarden US-Dollar. Besonders kritisch bewerteten Investor:innen den freien Cashflow, der infolge der hohen KI-Investitionen um 91 Prozent auf 784 Millionen US-Dollar einbrach. Nach Veröffentlichung der Quartalszahlen verlor die Meta-Aktie im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als sieben Prozent

Für Zuckerberg ist das jedoch kein Grund, den Kurs zu ändern. Im Gegenteil: Er will OpenAI, Google und xAI bei der Entwicklung leistungsfähiger KI überholen und nimmt dafür enorme Investitionen in Kauf. Selbst das Risiko, kurzfristig mehr Rechenkapazitäten aufzubauen als benötigt, scheint Meta einzugehen. Analyst:innen und Investor:innen stellen deshalb zunehmend die Frage, wann sich die milliardenschweren Ausgaben tatsächlich auszahlen werden.

Um den Ausbau der Infrastruktur zu finanzieren, setzt Meta inzwischen nicht mehr ausschließlich auf das eigene Werbegeschäft. Wie Reuters berichtet, entwickelt der Konzern gemeinsam mit BlackRock ein etwa 14 Milliarden US-Dollar schweres Rechenzentrumsprojekt im texanischen El Paso. BlackRock übernimmt dabei 80 Prozent der Anteile, während Meta die künftigen Kapazitäten über langfristige Mietverträge anmietet. Auch weitere Finanzinvestoren beteiligen sich an den Infrastrukturprojekten.

Neben den milliardenschweren KI-Investitionen belasten auch anhaltende Rechtsstreitigkeiten den Konzern. Meta stellte allein im vergangenen Quartal 2,4 Milliarden US-Dollar für laufende Verfahren zurück. Im März verurteilte ein kalifornisches Gericht den Konzern zudem zu einer Millionenentschädigung für eine heute 20-jährige Frau, die nach eigenen Angaben durch die Nutzung sozialer Medien süchtig wurde.

Kann Meta die Milliardenwette rechtfertigen?

Die kommenden Monate dürften deshalb richtungsweisend für Meta werden. Während der Konzern die eigenen Werbeplattformen weiter ausbaut und Milliarden in KI investiert, wächst gleichzeitig der Druck von Investor:innen, Regulierungsbehörden und der Öffentlichkeit. Ob Zuckerbergs Vision einer „KI für alle“ aufgeht, entscheidet sich damit nicht nur am technologischen Fortschritt, sondern auch daran, ob Meta das derzeit angeschlagene Vertrauen von Nutzer:innen, Werbetreibenden und Investor:innen zurückgewinnen kann.



Urteil mit Signalwirkung:
Junge Klägerin gewinnt Prozess gegen Meta und YouTube

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© Gilles Lambert – Unsplash


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