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1 US-Dollar: X startet Bezahlprogramm für grundlegende Plattformnutzung – um Bots zu reduzieren
© X, towfiqu ahamed barbhuiya via Canva

1 US-Dollar: X startet Bezahlprogramm für grundlegende Plattformnutzung – um Bots zu reduzieren

Niklas Lewanczik | 18.10.23

In zwei Märkten müssen neue X User eine geringe jährliche Gebühr für Optionen wie Posten und Reposten zahlen. Damit möchte X Bots minimieren. Zudem sollen so gut wie keine dauerhaften Sperren mehr verhängt werden.

Erste User müssen für X zahlen, wenn sie einen neuen Account einrichten, obwohl sie nicht X Premium buchen. Die Plattform erklärt selbst in einem Blog Post, dass sie ein neues Programm namens Not A Bot startet, welches eine jährliche Gebühr von einem US-Dollar fordert. Betroffen sind zunächst nur neue Nutzer:innen in Neuseeland und auf den Philippinen. Wer die Gebühr im Rahmen der Plattformnutzung nicht zahlt, kann nur passiv auf der Plattform agieren und beispielsweise Posts lesen. Bereits registrierte User sind nicht betroffen.

Dieses neue Programm von X soll vor allem im Kampf gegen Bots und Spammer helfen. Doch es könnte auch ein Hinweis nicht nur auf die enormen strukturellen Veränderungen der einstigen Plattform Twitter sein, sondern auch auf das etwaige Ziel Elon Musks, die Nutzung für die meisten User kostenpflichtig zu gestalten.

Das hat es mit Not A Bot auf sich: X möchte Verifizierung über Telefonnummern

Wer am Not A Bot-Programm teilnimmt, kann laut X das Abonnement jederzeit wieder kündigen. Dieses Programm soll insbesondere dazu beitragen, dass die Zahl der Bots und Spam Accounts auf der Plattform langfristig minimiert wird. Mit diesem Bestreben hatte Elon Musk das einstige Twitter bereits übernommen; schon im Vorwege kritisierte er häufig die große Zahl dieser unauthentischen Konten. Bei der Anmeldung zum neuen Abonnement müssen User ihre Telefonnummer verifizieren. Und X erklärt:

This new program aims to defend against bots and spammers who attempt to manipulate the platform and disrupt the experience of other X users. We look forward to sharing more about the results soon.

Ob künftig nicht auch eine KI eine Nummer verifizieren könnte, ist eine andere Frage, vorerst aber könnte Not A Bot durchaus dabei helfen, nur authentischen neuen Accounts Zugang zu gewähren. Zugleich reiht sich das Abonnement neben X Premium und Verified Organizations bei den Bezahloptionen ein. Möglicherweise weitet X dieses Modell bald auf andere Märkte aus.

Balanceakt für die Plattform: Mehr Umsatzpotentiale und heftige Kritik

Zuletzt hat die Plattform bereits darauf hingewiesen, dass es im Rahmen des Bezahlmodells X Premium drei Abstufungen geben könnte: Basic, Standard und Plus. Dabei werden die drei Optionen insbesondere über die Werbefrequenz differenziert. Wer das Plus-Modell nutzt, soll keine Ads sehen, im Standard-Modell wird die Hälfte der Ads angezeigt – etwas, das Musk vor Monaten zunächst den Twitter Blue Usern versprach – und Basic User würden alle Ads sehen.

Dass eines der Modelle trotz eines (womöglich verringerten) Preises nicht weniger Ads anzeigen soll, könnte ein Hinweis darauf sein, dass X keine kostenlose Nutzung mehr zulassen möchte. Oder zumindest eine nur sehr eingeschränkte kostenfreie Nutzung gewähren wird. Schon im September deutete Elon Musk eine entsprechende Entwicklung an.

We’re moving to having a small monthly payment for use of the system.

Auch der neue Test mit dem Programm Not A Bot könnte dieses Ansinnen langfristig unterstützen. Hinsichtlich der Monetarisierung wird die Jahresgebühr von einem US-Dollar dem Unternehmen X Corp. nicht viel weiterhelfen. In diesem Kontext eignen sich neben den grundlegenden Abonnements vor allem Werbeeinnahmen, die X mit Nachdruck erhöhen möchte.

Der Großteil der wichtigsten Advertiser ist laut CEO Linda Yaccarino bereits zurück auf der Plattform und soll dazu beitragen, dass X bald profitabel wird. Erschwert wird die Generierung von Werbeumsätzen jedoch durch die heftige Kritik, die X angesichts mangelnder Content-Kooperation erhält. So fordert etwa EU-Kommissar Thierry Breton X dazu auf, konsequenter gegen Hate Speech und Fake News vorzugehen. Aufgrund der teils hostilen Umgebung verlassen immer mehr Accounts die Plattform, zuletzt etwa die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Und die australische Aufsichtsbehörde für Internetsicherheit hat kürzlich eine Geldstrafe in Höhe von rund 370.000 Euro gegen X verhängt, weil die Plattform bei einer Untersuchung zum Kinderschutz unzureichend kooperiert hat.

X möchte kaum noch langfristige Sperrungen aussprechen

X verändert sich beinahe wöchentlich und kommt mit neuen Funktionen und ganz neuen Bereichen daher. So können User auf der Plattform zum Beispiel jetzt Stellenanzeigen von Unternehmen durchsuchen und teilen oder Replies an verifizierte User limitieren und mit Expanded Bios experimentieren. Eine von Eigner Elon Musk weitere angekündigte Neuerung betrifft die Account-Sperrungen. Während Kontoinhaber:innen Warnungen zu ihren Inhalten inzwischen anfechten können (und Shadowbans obsolet gemacht werden sollen), sollen dauerhafte Sperrungen – wie sie einst Donald Trump oder Andrew Tate erhielten – nur in den seltensten Fällen vorkommen.

Auch dieser Schritt könnte zu Kritik führen. Immerhin führte die Amnestie einiger Twitter Accounts im Jahr 2022, die zuvor gesperrt waren, wie jene von Donald Trump oder Andrew Tate, sogar zu einem Rückzug einiger Werbekund:innen. Zur teils hostilen Umgebung auf X trägt auch bei, dass eine im Frühjahr 2023 eingeführte Richtlinie Hate Speech quasi duldet. Zudem zahlte die Plattform im Rahmen der Creator-Monetarisierung auch Gelder an kontroverse und zum Teil gar klar misogyne und gewaltverherrlichende User wie Andrew Tate.

Die krasse Veränderung von Twitter zu X als Everything App, wie Musk und Yaccarino die Plattform gern sehen würden, nimmt ihren Lauf – und scheint Kollateralschäden am eigenen Image in Kauf zu nehmen. Es muss sich aber schnell etwas ändern, damit diese Plattform auch finanziell wieder reüssiert. Denn nach Angaben von Reuters sind die Werbeeinnahmen in den USA in jedem Monat seit der Übernahme durch Musk im Oktober 2022 gesunken.


X plant neue Abopreise und versucht das Werbegeschäft zu retten

© FLY:D - Unsplash, X-Logo auf Smartphone Mockup, papierner Hintergrund
© FLY:D – Unsplash

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