Human Resources
Ohne KI chancenlos? 58 Prozent der Beschäftigten nutzen KI im Bewerbungsprozess

Ohne KI chancenlos? 58 Prozent der Beschäftigten nutzen KI im Bewerbungsprozess

Marié Detlefsen | 17.02.26

Immer mehr Arbeitnehmer:innen setzen im Bewerbungsprozess auf Künstliche Intelligenz – vom Anschreiben bis zur Interview-Simulation. Doch nur ein Drittel glaubt an die Akzeptanz dessen bei potenziellen Arbeitgeber:innen. Warum verlassen sich dennoch so viele auf technische Tools bei der Bewerbung?

Anschreiben per Knopfdruck, Lebenslauf mit Designvorlage, Interviewtraining aus dem Chat-Fenster – was vor ein paar Jahren noch nach Science Fiction klang, gehört für viele Arbeitnehmer:innen inzwischen zum Bewerbungsalltag. Tools wie ChatGPT, Kickresume oder DeepL sind längst keine Spielerei mehr, sondern feste Bestandteile moderner Bewerbungsstrategien.

Eine aktuelle, repräsentative Umfrage von Statista zeigt: 58 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, die sich in den vergangenen 24 Monaten beworben haben, setzten dabei auf Künstliche Intelligenz. Mehr als jede:r Zweite nutzt damit KI, um die eigenen Chancen auf einen Job zu verbessern.

73 Prozent der Gen Z nutzen KI in der Bewerbung

Besonders technikaffin zeigt sich die Generation Z: 73 Prozent der jungen Bewerbenden greifen auf KI zurück. Auch in Berufsgruppen mit körperlich-praktischer Tätigkeit ist die Nutzung mit 61 Prozent überraschend hoch. KI ist also kein reines Bürophänomen, sondern durchdringt unterschiedlichste Arbeitswelten.

58 Prozent der Beschäftigten in Deutschland setzten auf Künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statista
58 Prozent der Beschäftigten in Deutschland setzten auf Künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statista

Am häufigsten kommt KI beim Formulieren von Anschreiben oder Motivationsschreiben zum Einsatz. 51 Prozent der Befragten lassen sich hier unterstützen. 39 Prozent nutzen KI-Tools für die Erstellung oder optische Aufbereitung ihres Lebenslaufs. Doch damit nicht genug:

  • 29 Prozent verfassen mithilfe von KI E-Mails an potenzielle Arbeitgeber:innen.
  • 28 Prozent setzen sie bei der Suche und Filterung von Stellenanzeigen ein.
  • 20 Prozent trainieren mit KI für Assessments, Online-Tests oder Bewerbungsgespräche.
  • Ebenfalls 20 Prozent simulieren sogar Vorstellungsgespräche mit digitalen Tools.
  • 30 Prozent sehen in KI eine Art dauerhafte Karrierebegleitung über den gesamten Bewerbungsprozess hinweg.

Die Bandbreite reicht also vom Feinschliff einzelner Formulierungen bis hin zur strategischen Rundumbetreuung.

Aus diesen Gründen nutzen so viele Bewerber:innen KI

Doch warum lassen so viele Bewerber:innen ihre Arbeit durch KI erledigen? Laut der Studie nennen 39 Prozent an erster Stelle die Zeitersparnis als wichtigsten Faktor. Zudem möchten 38 Prozent ihre Unterlagen gezielter auf eine konkrete Stelle zuschneiden. 33 Prozent versprechen sich insgesamt bessere Erfolgschancen. Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Verunsicherung. So geben 32 Prozent an, nicht genau zu wissen, wie eine zeitgemäße Bewerbung heute aussehen sollte. KI wird hier zur Orientierungshilfe im sich ständig wandelnden Arbeitsmarkt.

Zeitersparnis und bessere Erfolgschancen: Das sind die Gründe für die Nutzung von KI (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statista
Zeitersparnis und bessere Erfolgschancen: Das sind die Gründe für die Nutzung von KI (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statista

Weitere 16 Prozent nennen den ständigen Wettbewerbsdruck und die Befürchtung, ohne KI nicht mehr mithalten zu können. In der Gen Z steigt dieser Wert auf 20 Prozent, in der Gen X sogar auf 22 Prozent. KI wird also nicht nur als Werkzeug, sondern zunehmend als potenzieller Vorteil (oder Nachteil) wahrgenommen. Interessanterweise finden 60 Prozent der KI-Nutzer:innen, dass ihr Einsatz im Bewerbungsprozess möglichst unentdeckt bleiben sollte. Ein deutliches Signal für das bestehende Spannungsfeld.

Zwischen Effizienz und schlechtem Gewissen

Doch warum diese Heimlichkeit? Offenbar herrscht Unsicherheit darüber, wie Unternehmen den KI-Einsatz bewerten. Einerseits wird KI als hilfreiche Unterstützung erlebt, andererseits schwingt die Sorge mit, als weniger authentisch zu gelten. Dieses Dilemma bringt Annika in der Beek, Chief People Officer bei Statista, auf den Punkt:

KI wird zunehmend als Wettbewerbsfaktor  wahrgenommen, gleichzeitig herrscht Ungewissheit darüber, wie Arbeitgeber diesen Einsatz  bewerten. Das führt dazu, dass viele Bewerber:innen sich in einem gefühlten Graubereich bewegen. Für Unternehmen ist das ein Appell mit Handlungsaufforderung: Statt den Einsatz von  KI zu verbieten, was weder sinnvoll noch kontrollierbar ist, sollten Arbeitgeber Klarheit schaffen. Dazu gehört es, offen zu kommunizieren, welche KI-Nutzung sie im Bewerbungsprozess erwarten.

Bewerber:innen sollten KI daher gezielter einsetzen und nicht nach dem Motto „je mehr, desto besser“. Sie kann unterstützen, ersetzt aber nicht die eigene inhaltliche Auseinandersetzung mit der Stelle. Eine mögliche Herangehensweise wäre, zu überlegen, wo die persönlichen Stärken und Schwächen liegen, und anhand dessen zu entscheiden, wo KI im Prozess einen tatsächlichen Mehrwert leisten kann.

41 Prozent sagen bewusst Nein zur KI

Trotz aller Dynamik gaben 41 Prozent der Befragten an, im Bewerbungsprozess absichtlich auf KI zu verzichten. Die Gründe sind vielfältig:

  • 34 Prozent vertrauen stärker auf ihre eigenen Fähigkeiten.
  • 32 Prozent finden, dass Bewerbungen ausschließlich die persönliche Kompetenz widerspiegeln sollten.
  • 22 Prozent befürchten eine negative Bewertung durch Arbeitgeber:innen.
  • 22 Prozent wissen schlicht nicht, welche Tools sie nutzen könnten.
  • 18 Prozent sorgen sich vor Fehlern oder erfundenen Inhalten durch KI.

Neben der Begeisterung für die technischen Tools, existieren vor allem Skepsis und Wissenslücken gleichermaßen. Zudem gibt es mittlerweile immer raffiniertere Methoden, um Unternehmen im KI-Recruiting auszutricksen. Doch was passiert, wenn Kandidat:innen anfangen, die Systeme gezielt zu beeinflussen? Mehr dazu erfährst du im folgenden Artikel:


Der Kampf um Sichtbarkeit im digitalen Bewerbungsprozess:

So tricksen Bewerber:innen im KI-Recruiting

Der Kampf um Sichtbarkeit im digitalen Bewerbungsprozess: So tricksen Bewerber:innen im KI-Recruiting
© Sora Shimazaki – Pexels


KI auf der Arbeitgeber:innenseite: Fair oder beängstigend?

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz endet allerdings nicht bei den Bewerbenden – auch Unternehmen arbeiten zunehmend mit automatisierten Systemen, die Unterlagen vorsortieren oder Kandidat:innen bewerten. Für Arbeitnehmer:innen ist das eine Entwicklung mit zwei Gesichtern. 44 Prozent der Befragten geben an, sich damit grundsätzlich wohlzufühlen. Gleichzeitig äußert jedoch knapp ein Viertel (24 Prozent) ein deutliches Unbehagen.

44 Prozent der Befragten fühlen sich unwohl durch den Einsatz von KI von potenziellen Arbeitgeber:innen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statista
44 Prozent der Befragten fühlen sich unwohl durch den Einsatz von KI von potenziellen Arbeitgeber:innen (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statista

So befürchten 65 Prozent, dass durch den Einsatz von Algorithmen der persönliche Austausch auf der Strecke bleibt. 55 Prozent haben Angst, dass fehlerhafte Entscheidungen im System unbemerkt bleiben und nicht korrigiert werden. Fast jede:r Zweite (46 Prozent) sorgt sich zudem, dass die eigene Bewerbung möglicherweise nie von einem Menschen gelesen wird, sondern bereits vorher aussortiert wird. Und 44 Prozent vermuten, dass Bewerbende mit KI-optimierten Unterlagen bessere Chancen haben könnten – was den Druck, selbst zu digitalen Hilfsmitteln zu greifen, weiter erhöht.

KI ist im Bewerbungsprozess somit längst Alltag geworden. Gleichzeitig bleibt ein Gefühl von Unsicherheit. Viele Arbeitnehmer:innen bewegen sich in einem Graubereich zwischen Effizienzgewinn und Authentizitätsfrage. Sie nutzen KI – aber lieber diskret. Der Bewerbungsprozess wird damit komplexer. Nicht nur fachliche Qualifikation zählt, sondern auch der souveräne Umgang mit Technologie. Klar ist: KI ist ein Werkzeug. Wie fair, transparent und sinnvoll es eingesetzt wird, hängt künftig auf beiden Seiten des Tisches von klaren Regeln und offenem Umgang ab.


Jobsuche in Deutschland:

In diesen Städten ist es für Arbeitnehmer:innen am schwersten

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© Mart Production – Pexels

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