Human Resources
Mehr Gehalt dank KI? Was Beschäftigte 2027 vom Arbeitsmarkt erwarten können

Mehr Gehalt dank KI? Was Beschäftigte 2027 vom Arbeitsmarkt erwarten können

Marié Detlefsen | 12.10.26

Der Gehaltsreport 2027 ist da: Besonders gefragt sind Fachkräfte, die Branchenwissen mit Datenanalyse, Automatisierung und KI verbinden. Gleichzeitig wollen Beschäftigte mehr Gehalt und nachvollziehbare Vergütungsstrukturen.

Der Arbeitsmarkt sortiert sich neu: Wer sich mit Künstlicher Intelligenz, Daten und digitalen Prozessen auskennt, verbessert in vielen Berufsfeldern die eigenen Gehaltsaussichten. Das zeigt der aktuelle Gehaltsreport 2027 von Michael Page. Entscheidend ist dabei nicht allein technisches Wissen. Gefragt sind vor allem Fachkräfte, die digitale Werkzeuge mit ihrem beruflichen Know-how verknüpfen und damit konkrete Probleme im Unternehmen lösen.

Während KI somit in einigen Bereichen den Druck auf Löhne erhöhen könnte, entstehen andernorts neue Chancen. Laut einer im August 2026 veröffentlichten Umfrage des ifo-Instituts rechnen Unternehmen in Deutschland tendenziell mit sinkenden Löhnen durch den KI‑Einsatz. Der Gehaltsreport von Michael Page zeichnet ein differenzierteres Bild: Spezialisierung kann sich auszahlen, besonders dort, wo Technologie und Fachwissen zusammenkommen. Laut dem Report nutzen 63 Prozent der Angestellten in Deutschland bereits KI im Arbeitsalltag. Im HR‑Bereich sind es sogar 71 Prozent. Dabei sehen 65 Prozent der Arbeitnehmer:innen KI nicht als Bedrohung für ihren Job. Im HR-Bereich liegt dieser Anteil mit 69 Prozent noch einmal höher.

Abbildung verschiedener Studienergebnisse. Laut dem Report nutzen 63 Prozent der Angestellten in Deutschen bereits KI im Arbeitsalltag, © Michael Page
Laut dem Report nutzen 63 Prozent der Angestellten in Deutschland bereits KI im Arbeitsalltag, © Michael Page

Auch im Finanzwesen zahlen sich technische Skills aus. Unternehmen suchen verstärkt Expert:innen, die Finanzprozesse digitalisieren, Daten für betriebswirtschaftliche Entscheidungen nutzen oder Unternehmens-Software modernisieren. Spezialist:innen für KI, Datenanalyse und ERP-Transformation können laut Report teilweise Vergütungen auf Führungskräfteniveau erreichen. Für viele andere Beschäftigte im Finance- und Accounting-Bereich dürften Gehaltssteigerungen dagegen moderat ausfallen.

Im Personalwesen verschieben sich die Anforderungen laut dem Report ebenfalls. HR-Fachkräfte benötigen zunehmend Datenkompetenz, technisches Verständnis und die Fähigkeit, Veränderungen im Unternehmen zu begleiten. Gefragt sind etwa Expert:innen für People Analytics, digitale HR-Systeme und KI-gestützte Personalentwicklung. Für die Gehälter im HR-Bereich erwartet Michael Page insgesamt Zuwächse von drei bis fünf Prozent. Bei HR-Tech und Talent Acquisition sind größere Sprünge möglich.

Erwartungen beim Gehalt fallen unterschiedlich aus

In Bezug auf die Jobsuche an sich bleibt Geld ein entscheidendes Argument. Laut der Arbeitsmarktstudie „Talent Trends 2026“ von Michael Page achten 58 Prozent der Beschäftigten in Deutschland bei Stellenanzeigen besonders auf die Gehaltsangabe. Wer die Arbeitgeber:innen wechselt, hat häufig konkrete finanzielle Erwartungen: 35 Prozent rechnen mit einem Gehaltsplus zwischen zehn und 19 Prozent. Weitere 17 Prozent erwarten sogar einen Gehaltszuwachs von 20 bis 29 Prozent.

Doch nicht jeder Karriereschritt ist den Beschäftigten jeden Preis wert. 65 Prozent würden eine Beförderung samt Gehaltserhöhung ablehnen, wenn darunter ihr persönliches Wohlbefinden leiden würde. 2025 lag dieser Anteil noch bei 68 Prozent. Das Gehalt zählt also weiterhin, konkurriert aber mit dem Wunsch nach einer tragfähigen Work-Life-Balance.

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten empfindet Gehaltsstrukturen als instransparent

Wie viel Beschäftigte hingegen genau verdienen und nach welchen Kriterien ihre Vergütung festgelegt wird, ist in vielen Unternehmen offenbar nicht ausreichend nachvollziehbar. 56 Prozent der Befragten bewerten die Gehaltsstrukturen ihrer Arbeitgeber:innen als intransparent. Für 30 Prozent sind sie sogar überhaupt nicht transparent.

Mit der Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie dürfte das Thema für Unternehmen dennoch weiter an Bedeutung gewinnen. Gefragt sind klare Kriterien, definierte Anforderungsprofile und nachvollziehbare Gehaltsbänder. Denn Beschäftigte wollen verstehen, welchen finanziellen Wert ihre Erfahrung, Verantwortung und Spezialisierung haben. Bei der Jobauswahl stehen zudem mögliche Benefits im Vordergrund. Ein Obstkorb reicht vielen längst nicht mehr aus. Zu den am meisten geschätzten Zusatzleistungen in Deutschland zählen unter anderem Weiterbildungsmöglichkeiten, ein Dienstwagen oder Mobilitätszuschuss, betriebliche Altersvorsorge sowie flexible und hybride Arbeit.

Tabellenübersicht: Diese Benefits und Zusatzleistungen wünschen sich Beschäftigte in Deutschland am meisten, © Michael Page
Diese Benefits und Zusatzleistungen wünschen sich Beschäftigte in Deutschland am meisten, © Michael Page

Der Gehaltsreport 2027 macht deutlich: Digitale Kompetenzen werden in vielen Berufen zum entscheidenden Zusatz. Wer Daten interpretieren, Prozesse automatisieren und KI sinnvoll in den Arbeitsalltag integrieren kann, eröffnet sich neue Möglichkeiten. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Unternehmen: Sie sollen nicht nur angemessen bezahlen, sondern auch transparent erklären, wie Gehälter zustande kommen. Michael Baier, Geschäftsführer von Michael Page in Deutschland, sagt hierzu:

Beschäftigte wollen nachvollziehen können, welchen Wert ihre Erfahrung, Verantwortung und  Spezialisierung am Markt haben. Für Unternehmen wird es deshalb wichtiger,  Gehaltsunterschiede nicht nur zu verwalten, sondern sachlich erklären zu können – etwa durch  klar definierte Rollen, Anforderungsprofile und einheitliche Gehaltsbänder.


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© Anna Shvets – Pexels


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