Human Resources
KI statt Gehaltssprung? Warum KI für viele Arbeitnehmer:innen zum neuen Jobbonus wird

KI statt Gehaltssprung? Warum KI für viele Arbeitnehmer:innen zum neuen Jobbonus wird

Marié Detlefsen | 04.08.26

Künstliche Intelligenz wird für viele Beschäftigte zum neuen Erfolgsfaktor im Job – und könnte sogar wichtiger werden als klassische Vorteile wie mehr Gehalt oder zusätzliche Weiterbildungen. Erfahre, warum Unternehmen KI-Kompetenzen zunehmend schätzen und welche Fähigkeiten in der Arbeitswelt von morgen besonders gefragt sind.

Was wünschen sich Beschäftigte heute von ihren Arbeitgeber:innen? Mehr Geld auf dem Konto? Zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten? Oder vielleicht vor allem eines: die richtigen digitalen Werkzeuge, um den Arbeitsalltag einfacher und effizienter zu gestalten?

Eine aktuelle Zusatzbefragung der ManpowerGroup zum Arbeitsmarktbarometer zeigt: Der Zugang zu KI-Tools entwickelt sich für viele Unternehmen und Arbeitnehmer:innen zu einem entscheidenden Faktor. Laut der Studie wird der Einsatz von KI-Anwendungen von Arbeitgeber:innen häufiger als besonders wirksam eingeschätzt als klassische Maßnahmen wie Gehaltserhöhungen oder Weiterbildungsangebote.

Unternehmen sehen größte Produktivitätssteigerung durch KI-Tools

Der Studie nach sehen 49 Prozent der befragten Arbeitgeber:innen in der Nutzung von KI-Tools im Arbeitsalltag den größten Beitrag zur Steigerung der Produktivität. Damit liegt Künstliche Intelligenz sogar vor Lohnerhöhungen, die von 44 Prozent genannt wurden. Auch automatisierte Prozesse mithilfe von KI schneiden mit 43 Prozent gut ab. Weiterbildung folgt mit 42 Prozent knapp dahinter. Der Einsatz von KI zur Unterstützung strategischer Unternehmensentscheidungen erreicht 40 Prozent.

Säulendiagramm, welches die besten Dinge für eine Produktivitätssteigerung zeigt:
44 Prozent der Beschäftigten sehen KI-Tools als beste Steigerung der Produktivität (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup
49 Prozent der Arbeitgebenden sehen KI-Tools als beste Steigerung der Produktivität (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup

Das zeigt: Unternehmen verbinden mit Künstlicher Intelligenz vor allem konkrete Vorteile im Tagesgeschäft. Es geht weniger um technische Spielereien, sondern um Anwendungen, die Zeit sparen, Abläufe verbessern und Mitarbeitende bei ihren Aufgaben unterstützen können.

Trotzdem verliert der menschliche Faktor nicht an Bedeutung. Flexible Arbeitsmodelle wie angepasste Arbeitszeiten (39 Prozent) sowie hybride oder vollständig ortsunabhängige Arbeitsformen (35 Prozent) werden ebenfalls als produktivitätsfördernd bewertet – erreichen aber nicht die Spitzenwerte der KI-Nutzung.

Der neue Vorteil im Job: KI-Kompetenz

Wer heute sicher mit KI umgehen kann, könnte künftig einen klaren Vorteil auf dem Arbeitsmarkt haben. Denn Unternehmen achten zunehmend darauf, welche Fähigkeiten ihre Beschäftigten mitbringen. Bei der Frage, für welche technischen Kenntnisse Arbeitgeber:innen sogar eine höhere Vergütung zahlen würden, steht die sichere Anwendung von KI-Tools ganz oben. 60 Prozent der Unternehmen würden diese Kompetenz besonders honorieren.

Interessant dabei: Nicht die Entwicklung neuer KI-Systeme liegt an erster Stelle, sondern deren praktische Nutzung. Kenntnisse in der Entwicklung von KI-Modellen und -Anwendungen folgen mit 53 Prozent. Das macht deutlich: Viele Unternehmen suchen weniger ausschließlich Spezialist:innen, die neue Technologien programmieren, sondern vor allem Menschen, die vorhandene Werkzeuge sinnvoll einsetzen können.

Säulendiagramm welches die wichtigsten Kompetenzen aus Sicht der Arbeitgeber:innen zeigt:
 60 Prozent der Arbeitgber:innen nennen KI-Kompetenzen als wichtigste Fähigkeit (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup
60 Prozent der Arbeitgber:innen nennen KI-Kompetenzen als wichtigste Fähigkeit (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup

Dennoch bleiben klassische menschliche Fähigkeiten und Soft Skills gefragt. Kommunikation, Zusammenarbeit und Team-Fähigkeit führen bei den sozialen Kompetenzen mit 55 Prozent die Rangliste an. Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft erreichen 51 Prozent. Fähigkeiten wie kritisches Denken und Problemlösung (50 Prozent) oder Führungskompetenz (50 Prozent) werden jeweils von der Hälfte der befragten Arbeitgeber:innen als besonders wertvoll eingestuft.

Tortendiagramm, welches die wichtigsten Soft Skills aus <sicht der Arbeitgeber:innen zeigt
Das sind laut Arbeitgeber:innen die wichtigsten Soft Skills (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © ManpowerGroup

Der Wunsch nach KI-Unterstützung bedeutet nicht, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden durch Maschinen ersetzen wollen. Vielmehr zeigt die Untersuchung: Der größte Nutzen entsteht dort, wo Technologie und menschliche Fähigkeiten zusammenspielen. Faris Bećirović, Country Manager und Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland, sagt hierzu:

Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen Produktivität ganzheitlich betrachten. Technologische und personalpolitische Maßnahmen stehen dabei im Ranking eng nebeneinander. KI und Automatisierung können Prozesse effizienter machen. Entscheidend ist aber das Zusammenspiel mit einer wettbewerbsfähigen Vergütung, gezielter Qualifizierung und Arbeitsbedingungen, die Leistung fördern. Nur so können Unternehmen die Potenziale neuer Technologien und ihrer Mitarbeitenden gleichermaßen nutzen.

Genau deshalb bleibt Weiterbildung ein wichtiger Bestandteil für Unternehmen und Beschäftigte. Sie bildet die Grundlage dafür, dass neue Technologien überhaupt erfolgreich genutzt und Prozesse besser gestaltet und optimiert werden können. Dadurch entstehen immer mehr neue Jobs und Aufgaben, die es vorher noch gar nicht gab.


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© coworkingspace Replus – Pexels


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