Human Resources
Gehaltstransparenz bleibt akutes Problem – 34 Prozent der Unternehmen noch nicht genug vorbereitet

Gehaltstransparenz bleibt akutes Problem – 34 Prozent der Unternehmen noch nicht genug vorbereitet

Selina Beck | 22.06.26

Zwar wurde die Umsetzung des Lohntransparenzgesetzes von der Bundesregierung gestoppt, weil Deutschland die Frist verpasst hat, aber die Herausforderungen für Unternehmen und Beschäftigte bleiben. Denn Angestellte fordern mehr Transparenz und haben Interesse an der Einsicht.

Die Gehaltstransparenz bleibt weiterhin ein wichtiges Thema in Deutschland. Einer der wichtigsten Faktoren bei der Jobsuche ist für viele Bewerber:innen das Gehalt. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie von Indeed, dass in Deutschland nur bei rund jeder achten Stellenanzeige das Gehalt angegeben wird. Damit ist Deutschland europaweit Schlusslicht bei der Gehaltstransparenz.

Umsetzung des Gesetzes verschiebt sich voraussichtlich bis Anfang 2027

Eigentlich sollte am 7. Juni die Umsetzungsfrist für die EU‑Entgelttransparenzrichtlinie enden, doch die Bundesregierung hat diese Umsetzungspflicht nicht rechtzeitig eingehalten. Das Bundesfamilienministerium hat mitgeteilt, dass die Bundesregierung die neuen Regeln zur Gehaltstransparenz erst in den kommenden Monaten bis Anfang nächsten Jahres in nationales Recht umsetzen wird. Damit wird gegen die EU-Richtlinie verstoßen. Als Grund für die Verzögerung wurde vom Familienministerium die wirtschaftliche Lage genannt.

Mit dem Gesetz sollten Unternehmen Bewerber:innen zukünftig das Einstiegsgehalt, die Gehaltsspanne und mögliche Tarifregelungen darlegen. Mit der Lohntransparenz sollte der Gender Pay Gap, der aktuell bei 16 Prozent liegt, und Ungerechtigkeiten bei den Gehältern entgegengewirkt werden.

Der Gender Pay Gap ist weiterhin ein gravierendes Problem in Deutschland, © Statistisches Bundesamt, Abbildung
Der Gender Pay Gap ist weiterhin ein gravierendes Problem in Deutschland, © Statistisches Bundesamt

Über Gehälter wird in Deutschlands Stellenausschreibungen öfter geschwiegen als in anderen Ländern, © Indeed, Tabellenform
Über Gehälter wird in Deutschlands Stellenausschreibungen öfter geschwiegen als in anderen Ländern, © Indeed


Deutschland ist europaweit Schlusslicht bei Gehaltstransparenz

Zwei Hände reichen sich Geld
© cottonbro studio – Pexels


Aktuelle Daten von Deel zeigen jetzt, dass 34 Prozent der analysierten Unternehmen angeben, zum ursprünglich geplanten Stichtag nicht vollständig vorbereitet gewesen zu sein. Aber: Die Beschäftigten warteten auf dieses Gesetz. 56 Prozent der Beschäftigten hätten ihr neues Auskunftsrecht direkt genutzt, wenn das Gesetz wie geplant umgesetzt worden wäre.

56 Prozent der Befragten wollten die Gehaltsinformationen bei ihren Arbeitgeber:innen anfragen, © deel, Abbildung
56 Prozent der Befragten wollten die Gehaltsinformationen bei ihren Arbeitgeber:innen anfragen, © Deel

Beide Seiten erwarten Diskussionen und Spannungen

61 Prozent der Befragten sagen zudem, dass sie bei ungerechter Bezahlung einen Jobwechsel in Betracht gezogen hätten. 78 Prozent der Firmen geben an, dass sie klar definierte Gehaltsspannen haben. Jedoch nehmen nur 46 Prozent der Beschäftigten ihr Unternehmen als transparent wahr.

Einig sind sich Arbeitgeber:innen und Beschäftigte jedoch hinsichtlich der Auswirkungen der Offenlegung der Gehälter. So erwarten Unternehmen (62 Prozent) und Angestellte (69 Prozent) Diskussionen und Spannungen im Team durch mehr Lohntransparenz.

Hürde bei der Lohntransparenz liegt für viele in der konsequenten und transparenten Erklärung der Lohnunterschiede, © deel, Abbildung
Die größte Hürde bei der Lohntransparenz liegt für viele in der konsequenten und transparenten Erklärung der Lohnunterschiede, © Deel

Die repräsentative Umfrage wurde von Deel in Kooperation mit Censuswide im Zeitraum von Mitte bis Ende Mai dieses Jahres unter jeweils 1.000 Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen in Deutschland durchgeführt.


Stelle OnlineMarketing.de als bevorzugte Quelle auf Google ein

Wenn du OnlineMarketing.de auf Google als bevorzugte Quelle einstellen möchtest, um auch in den Schlagzeilen auf Google immer aktuelle News und Tipps aus der Welt des Marketing und der Tech-Entwicklungen zu finden, kannst du einfach die Google-Quelleneinstellungen aufrufen und die Seite anwählen. Über das Stern-Icon neben den Top Stories kannst du ebenfalls bevorzugte Quellen für die spätere Suche speichern.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.