Human Resources
5 Jahre nach Corona: Was die Arbeitswelt nachhaltig verändert hat

5 Jahre nach Corona: Was die Arbeitswelt nachhaltig verändert hat

Marié Detlefsen | 20.03.25

Fünf Jahre nach der Coronapandemie zeigt sich, welche Trends die Arbeitswelt nachhaltig geprägt haben – und welche wieder verschwinden. Home Office, flexible Arbeitszeiten und die Vier-Tage-Woche stehen auf dem Prüfstand.

Home Office, Workation, flexible Arbeitszeiten – alles Arbeitsmodelle, welche durch die Coronapandemie erst richtig an Fahrt aufgenommen haben. Ohne Frage markiert die Pandemie einen Wendepunkt für die Arbeitswelt. Sie zwang Unternehmen dazu, innerhalb kürzester Zeit neue Strukturen zu schaffen und Arbeitsprozesse grundlegend zu überdenken. Doch fünf Jahre nach dem Ausbruch des Virus stellt sich die Frage: Welche Trends haben sich langfristig durchgesetzt, und welche sind nur eine vorübergehende Erscheinung gewesen? Eine aktuelle Analyse von Indeed hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Wir zeigen dir, welche Trends bleiben und über welche Entwicklungen bereits jetzt schon keiner mehr spricht.

Home Office als Sieger:in der Coronapandemie

Ohne Frage war Home Office vor der Pandemie eine Seltenheit. Anfang 2020 wurde es nur in weniger als fünf Prozent der Stellenanzeigen erwähnt. Mit dem ersten Lockdown verdoppelte sich dieser Anteil rasch und erreichte Anfang 2023 mit 16,5 Prozent seinen Höhepunkt. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Besseres Employee Wellbeing, erhöhte Produktivität und weniger Krankheitstage. So legen auch Bewerber:innen mehr Wert auf die Möglichkeit, aus ihren eigenen vier Wänden zu arbeiten. Jede:r fünfte Arbeitnehmer:in würde sogar eine Kündigung erwägen, sollte die Home-Office-Zeit im Unternehmen reduziert oder die Büropflicht eingeführt werden.

Doch während 2024 noch drei von vier Firmen das flexible Modell behalten wollten, sinkt der Anteil an Home-Office-Angeboten inzwischen wieder. Ende 2024 wurde in nur noch 14,7 Prozent der Ausschreibungen die Möglichkeit zur Heimarbeit genannt, Tendenz weiter fallend. Unternehmen rufen ihre Mitarbeiter:innen zunehmend zurück ins Büro, insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen die Nachfrage nach Fachkräften in Bürojobs sinkt.

Flexible Arbeitszeiten – vom Boom zur Ernüchterung

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Während in der frühen Pandemiephase flexible Arbeitsmodelle stark zunahmen, erreichten sie im Jahr 2021 ihren Höhepunkt mit einem Anstieg von fast 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch gegen Ende 2024 folgte ein Rückgang von 20 Prozent. Trotzdem sind flexible Arbeitszeiten mit einem Anteil von 15 Prozent der Stellenanzeigen deutlich präsenter als vor der Pandemie, als lediglich sieben Prozent der Ausschreibungen diese Option boten.


Krisenlage führt zu Differenzen zwischen Vorgesetzten und Angestellten –

Streitpunkt ist unter anderem das Home Office

Krisenlage führt zu Differenzen zwischen Vorgesetzten und Angestellten – Streitpunkt ist unter anderem das Home Office.
© Elisa Ventur – Unsplash


Insbesondere Arbeitnehmerinnen profitieren stark durch flexible Arbeitsmodelle. Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen leisten Frauen nämlich im Schnitt deutlich mehr Care-Arbeit als Männer. Dazu zählt unter anderem die Betreuung der Kinder in Krankheitsfällen oder die Pflege von Angehörigen. Home Office oder Remote Work bieten hierbei die Möglichkeit, Privat- und Berufsleben besser miteinander zu vereinbaren und sorgen für eine ausgewogenere Work-Life-Balance.

Workation, Sabbatical und Vier-Tage-Woche: Der Hype ebbt ab

Neben Home Office und flexiblen Arbeitszeiten gewannen auch Konzepte wie Workation, Sabbaticals und die Vier-Tage-Woche in der Pandemie an Popularität. Die Idee, vorübergehend aus dem Ausland zu arbeiten, wurde besonders 2021 stark nachgefragt, als der Anteil entsprechender Stellenanzeigen um mehr als 1.100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr anstieg. Doch Ende 2024 lag dieser Zuwachs nur noch bei 1,6 Prozent, mit insgesamt nur noch 0,6 Prozent aller Ausschreibungen, die Workation anboten.

Sabbaticals folgten einem ähnlichen Verlauf: 2021 stieg die Nachfrage um 116 Prozent, während das Wachstum 2024 nur noch 14 Prozent betrug. Die Vier-Tage-Woche erlebte in den vergangenen Jahren starke Schwankungen. Trotz eines Aufschwungs von 172 Prozent im Jahr 2023 ging die Zahl entsprechender Stellenausschreibungen bis Ende 2024 um elf Prozent zurück. Dennoch ist das Modell mit einem Anteil von 0,6 Prozent der Stellenanzeigen heute deutlich verbreiteter als vor der Pandemie.


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© Andrea Piacquadio – Pexels


Zeit der Post-Coronapandemie braucht neue Balance

Die Analyse zeigt: Die Coronapandemie hat die Arbeitswelt zwar geprägt, aber nicht grundlegend revolutioniert. Viele der damals als zukunftsweisend geltenden Konzepte sind in der Realität schwer umsetzbar. Home Office für Handwerker:innen? Kaum realisierbar. Workation in der Pflege? Unvorstellbar. Die größten Veränderungen betreffen vor allem Bürojobs und wissensbasierte Berufe, während viele Arbeitnehmer:innen in anderen Branchen ihren Arbeitsalltag weitgehend unverändert fortgesetzt haben.

Unternehmen versuchen nun, ein Gleichgewicht zwischen Flexibilität und betrieblicher Notwendigkeit herzustellen. Zwar reduzieren viele Arbeitgeber:innen schrittweise die in der Pandemie eingeführten Benefits, doch der Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen bleibt bestehen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels und wirtschaftlicher Erholung wird die Attraktivität moderner Arbeitsmodelle ein entscheidender Faktor sein. Frank Hensgens, Indeed-Geschäftsführer DACH, rät Unternehmen:

Die Coronapandemie hat die Flexibilisierung der Arbeit beschleunigt. Durch das Ende der Pandemie und die schwächelnde Wirtschaft wird diese Entwicklung langsam wieder zugunsten der Unternehmen ausbalanciert. Der Wunsch nach Flexibilität bleibt jedoch ein entscheidender Faktor. Wer es schafft, innovative Arbeitsmodelle mit wirtschaftlicher Notwendigkeit in Einklang zu bringen, wird in der Post-Corona-Ära erfolgreich sein. Ein Zickzack-Kurs würde dagegen nur das Vertrauen in den Arbeitgeber gefährden.

Für eine Zäsur in der Arbeitswelt dürfte indes die Einführung und Weiterentwicklung von generativer KI mit all ihren Auswirkungen sorgen. Schon jetzt bietet sie zahlreiche Potentiale, schreckt Arbeitnehmer:innen jedoch ebenso ab. Zu den laut LinkedIn wichtigsten Skills On The Rise gehört die KI-Kompetenz aber schon jetzt.


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© surface – Unsplash

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