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Human Resources
Weltfrauentag 2024: Was sich Frauen in der Arbeitswelt wünschen

Weltfrauentag 2024: Was sich Frauen in der Arbeitswelt wünschen

Marié Detlefsen | 08.03.24

Von der Hoffnung auf angemessene Bezahlung bis hin zur Bedeutung von flexiblen Arbeitsmodellen – erfahre, was Frauen sich auf dem Arbeitsmarkt wünschen und wie Arbeitgeber:innen darauf reagieren sollten.

Im Arbeitsleben werden die Stimmen von Frauen lauter, ihre Bedürfnisse klarer und ihre Erwartungen an Arbeitgeber:innen vielfältiger. Dies besagt eine kürzlich durchgeführte forsa Studie im Auftrag von XING, welche einen Blick auf die Ansichten und Wünsche von Frauen in der Arbeitswelt wirft. Die Studie wurde anlässlich des Weltfrauentags ausgewertet und zeigt, dass flexible Arbeitszeiten, Home-Office-Möglichkeiten, angemessene Bezahlung und das eigene Wohlbefinden der Beschäftigten zu den Kernanliegen von weiblichen Angestellten gehören.

Flexible Arbeitszeiten und mentale Gesundheit sind Frauen am wichtigsten

Die Ergebnisse der Studie basieren auf einer repräsentativen Online-Umfrage, welche im Januar 2024 etwa 3.200 volljährige Erwerbstätige in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz befragte. Dabei wurde deutlich, dass sowohl Frauen als auch Männer offen sind für berufliche Veränderungen. Etwa jede dritte Arbeitnehmerin in Deutschland (37 Prozent) erwägt derzeit einen Jobwechsel. Unter den männlichen Angestellten denken etwa 36 Prozent darüber nach.

Wenn es allerdings darum geht, welche Kriterien neue Arbeitgeber:innen erfüllen sollen, gehen die Meinungen auseinander: Flexible Arbeitszeitmodelle (66 Prozent der Frauen; 56 Prozent der Männer) und ein verstärktes Engagement für die Gesundheit der Beschäftigten stehen dabei im Vordergrund für Frauen (28 Prozent der Männer). Einen wichtigen Schwerpunkt setzen weibliche Angestellte bei dem Thema Home Office. So sagt jede zweite Beschäftigte (47 Prozent), dass ihr diese Arbeitsform wichtig ist. Auch für Männer spielt die Arbeit von zu Hause eine wichtige Rolle (39 Prozent), denn die Vorteile liegen klar auf der Hand: Höhere Produktivität, Wegfall der Anreisezeit sowie eine bessere Vereinbarung von Privat- und Berufsleben. Gleichzeitig hat jede fünfte Befragte (19 Prozent), die derzeit im Home Office arbeiten kann, Bedenken, dass ihr:e Arbeitgeber:in diese Möglichkeit wieder reduziert. Petra von Strombeck, CEO der New Work SE, hat hierzu einen klaren Appell:

Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und ein Engagement für die mentale Gesundheit sind für Frauen unverhandelbar. Wer das nicht bietet, ist für viele Frauen dauerhaft kein attraktiver Arbeitgeber.

Viele Arbeitnehnmer:innen fühlen sich unangemessen entlohnt

In Bezug auf die Entlohnung zeigen sich viele Frauen weiterhin zurückhaltend. Obwohl fast die Hälfte der Befragten angibt, dass ihre Arbeit nicht angemessen vergütet wird (48 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent der Männer), suchen nur sechs Prozent der Frauen jährlich nach einer Gehaltserhöhung (im Vergleich zu 11 Prozent der Männer). Dies deutet laut Studie darauf hin, dass Frauen möglicherweise weniger selbstbewusst sind, wenn es darum geht, den Wert ihrer eigenen Arbeit anzuerkennen. Es ist jedoch wichtig für Arbeitgeber:innen zu erkennen, dass die Zurückhaltung bei Gehaltsgesprächen nicht automatisch bedeutet, dass Mitarbeiter:innen zufrieden sind. Daher ist es für Arbeitgeber:innen ratsam, proaktiv das Thema Gehalt anzusprechen, um eine unerwünschte Fluktuation zu verhindern.

Appell an Arbeitgeber:innen: Viele Frauen fühlen sich unangemessen bezahlt.
Appell an Arbeitgeber:innen: Viele Frauen fühlen sich unangemessen bezahlt, © XING

Gender Pay Gap weiterhin hoch

Auch weiterhin darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es enorme Gehaltsunterschiede zwischen verschiedenen Geschlechtern gibt. Somit lag laut Auswertungen des Statistischen Bundesamtes die unbereinigte Gender Pay Gap 2023 bei 18 Prozent – und damit lag auf einem ähnlichen Niveau wie 2022. Ein Grund für die Lücke ist die hohe Teilzeitquote bei Frauen sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf das Gehalt. Eine Tätigkeit in Teilzeit ist dabei von den Betroffenen keineswegs immer gewünscht.

Insbesondere bei unbezahlter Arbeit wie der Care-Arbeit tut sich eine klaffende Lücke zwischen den Geschlechtern auf. Konkret haben Frauen in Deutschland im Jahr 2022 wöchentlich rund neun Stunden mehr unbezahlte Care-Arbeit geleistet als Männer. Daraus ergibt sich eine Gender Care Gap von 43,8 Prozent. Auch in der Pflege werden Frauen deutlich stärker eingespannt als Männer, wie die AOK auf X mitteilte:

Die mit Care-Arbeit und speziell Kinderbetreuung verbrachte Zeit wirkt sich stark auf die Erwerbsarbeit und damit auch die Gender Pay Gap aus. So schätzt jede vierte erwerbstätige Mutter (24,1 Prozent) ihre für bezahlte Arbeit verfügbare Zeit als zu niedrig an. Derweil gibt ein ähnlicher Prozentsatz (25,5 Prozent) der Väter an, wiederum zu viel Zeit mit Erwerbsarbeit zu verbringen. Dies verdeutlicht einmal mehr, dass die Geschlechterunterschiede bei der Erwerbs- und Care-Arbeit nicht unbedingt den Bedürfnissen der Männer und Frauen entsprechen.

Führungsebene in der Verantwortung: Eine Einschätzung von Lauren Wetzel

Zum Weltfrauentag hat uns Lauren Wetzel, Chief Operating Officer bei InfoSum, eine Einordnung zur Gender Gap im Technologiebereich dargelegt. Sie ist für die Teams der Bereiche Marketing, Strategie, Operations und People Management verantwortlich. Darüber hinaus verantwortet sie den Aufbau und das Management des Business Developments und der Channel-Kooperationen – und weiß daher um die Relevanz diverser und engagierter Teams. Sie sagt:

Lauren Wetzel

Eines der größten Hindernisse bei der Überwindung des Gender Gap im Technologiesektor ist der Mangel an Frauen in Führungspositionen. Wenn Frauen keine anderen Frauen auf Führungsebene sehen, erscheint ihnen der Aufstieg viel schwieriger. Wenn sie jedoch andere Frauen sehen, die erfolgreich Karriere machen und Führungspositionen besetzen, haben sie ein Vorbild, dem sie folgen können.

Damit die Zahl der von Frauen geführten Unternehmen steigt, muss die Bereitschaft wachsen, in von Frauen gegründete Unternehmen zu investieren. Bisher erhalten Unternehmen, die ausschließlich von Frauen gegründet wurden, weniger als drei Prozent aller Risikokapitalinvestitionen.

Es liegt in der Verantwortung der Führungsebene, aktiv Lösungen zu finden, um den Gender Gap zu schließen. Dazu zählen Ressourcengruppen und der Zugang zu Lern- und Entwicklungsprogrammen für weibliche Führungskräfte. Die Führungsebene sollte sich auch für politische Reformen einsetzen, um Ungleichheiten bei der Einstellung und Entlohnung von Mitarbeiter:innen zu beseitigen.

Mein Rat an Frauen in der Technologiebranche ist: Seid ein Vorbild für andere Frauen und jüngere Generationen. Unterstützt und ermutigt euch gegenseitig, anstatt euch als Konkurrentinnen zu sehen. Feiert Frauen, die Großartiges leisten. Je mehr wir die gute Arbeit von Frauen hervorheben, desto mehr korrigieren wir das bestehende Narrativ und formen das Bild der entscheidenden und einflussreichen Rolle von Frauen in der Branche und in der Gesellschaft.

Arbeitgeber:innen müssen mehr auf Wünsche der Frauen eingehen

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass Frauen in der Arbeitswelt spezifische Bedürfnisse und Wünsche haben, die von potenziellen Arbeitgeber:innen berücksichtigt werden sollten. Flexible Arbeitszeitmodelle, Home-Office-Möglichkeiten, angemessene Bezahlung und ein Fokus auf das Wohlbefinden der Beschäftigten sind entscheidende Faktoren, um Arbeitnehmerinnen langfristig an ein Unternehmen zu binden. Auch die faire Entlohnung im Sinne von Equal Pay sollte weiterhin angestrebt werden.

Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Aussagen der Studie nicht pauschal auf alle Frauen übertragbar sind, da individuelle Präferenzen und Umstände variieren können. Dennoch bieten die Ergebnisse einen Einblick in die aktuellen Trends und Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt. Auch viele andere Branchen beschäftigen sich mit diesem Thema und haben passend zum Weltfrauentag einige Veranstaltungen geplant. So befasst sich zum Beispiel das Bundesministerium für Forschung und Bildung mit der Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft und lädt zu einem Vortrag, welcher auch im Live Stream verfolgt werden kann.

Was wünschst du dir von deinem Unternehmen als Unterstützung? Lass es uns in den Kommentaren wissen.


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Höchste Zeit für Gerechtigkeit

Mehrere Geldscheine liegen auf einem Haufen.
© Ibrahim Boran – Unsplash

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