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20 Minuten mit großer Wirkung: Powernap steigert die Produktivität am Arbeitsplatz um 35 Prozent

20 Minuten mit großer Wirkung: Powernap steigert die Produktivität am Arbeitsplatz um 35 Prozent

Marié Detlefsen | 13.03.26

Ein großer Teil aller Beschäftigten startet übermüdet in den Arbeitstag – mit spürbaren Folgen für Konzentration, Leistungsfähigkeit und Fehlzeiten. Kann ein kurzer Powernap am Mittag die Produktivität wirklich steigern und das Energietief am Nachmittag ausgleichen?

Viele Arbeitnehmer:innen kennen das Gefühl: Der Wecker klingelt, man drückt noch einmal auf Snooze – und startet trotzdem wie im Nebel in den Tag. Müdigkeit gehört für viele Menschen mittlerweile zum Alltag. Das Problem dabei: Sie bleibt nicht ohne Folgen. Gerade im Berufsleben kann Schlafmangel die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigen. Der aktuelle Resmed Global Sleep Survey zeigt, wie groß die Auswirkungen tatsächlich sind – und dass eine überraschend einfache Maßnahme helfen könnte: ein kurzer Powernap zur Mittagszeit.

Müdigkeit im Job: Wenn Konzentration und Leistung leiden

Schon beim Blick auf die Bedeutung von Schlaf wird klar, wie zentral er für unser Leben und produktives Arbeiten ist. Dennoch berichten 57 Prozent der befragten Personen, dass sie höchstens an vier Tagen pro Woche wirklich erholt aufwachen. Anders gesagt: Für viele beginnt der Arbeitstag bereits mit einem Energiedefizit.

Diese Müdigkeit zeigt sich schon morgens. 47 Prozent der Befragten greifen mindestens einmal pro Woche zur Snooze-Taste, 19 Prozent sogar täglich. Generell haben viele Menschen Schwierigkeiten damit, ausreichend Schlaf zu bekommen. Gründe dafür gibt es mehrere: 33 Prozent nennen Stress oder Ängste als wichtigste Ursache für schlechten Schlaf, 26 Prozent kämpfen mit Schlafstörungen und 19 Prozent sehen ihre beruflichen Anforderungen als entscheidenden Faktor.

Stress und ein hoher Arbeits-Workload sorge für schlechten Schlaf in der Nacht, © Resmed
Stress und ein hoher Arbeits-Workload sorge für schlechten Schlaf in der Nacht, © Resmed

Was nachts fehlt, macht sich tagsüber bemerkbar – und zwar deutlich. Nach einer schlechten Nacht berichten 38 Prozent der Befragten über starke Tagesmüdigkeit. Ebenso viele geben an, schneller gereizt zu sein. Hinzu kommen 32 Prozent, die sich gestresster fühlen, und 27 Prozent, die Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren. Alles Faktoren, welche die Produktivität im Alltag und bei der Arbeit beeinflussen.

56 Prozent der Beschäftigten haben sich wegen Müdigkeit krank gemeldet

Gerade im Berufsalltag kann das gravierende Folgen haben. Denn Arbeit erfordert häufig genau das Gegenteil von dem, was Schlafmangel verursacht: Aufmerksamkeit, Fokus und schnelle Entscheidungen. Global betrachtet geben zudem 58 Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen an, dass ein hoher Workload ihren Schlaf negativ beeinflusst. Außerdem geben 49 Prozent an, dass gesunder Schlaf in ihren Unternehmen keinen hohen Stellenwert hat, wobei 67 Prozent berichten, dass zu wenig Schlaf die eigene Konzentration und Produktivität beschränkt.

67 Prozent der Befragten nennen Konzentrationsstörungen als Folge von Schlafmangel, © Resmed
67 Prozent der Befragten nennen Konzentrationsstörungen als Folge von Schlafmangel, © Resmed

Laut der Studie haben sich 56 Prozent der Beschäftigten mindestens einmal wegen Müdigkeit krankgemeldet. Des Weiteren berichten 40 Prozent sogar von wiederkehrenden Ausfällen aufgrund von Erschöpfung – mehrmals pro Jahr oder häufiger.

Mit Powernap gegen die Müdigkeit?

Besonders deutlich zeigt sich der Effekt von Müdigkeit am frühen Nachmittag. Nach dem Mittagessen sinkt bei vielen Menschen die Konzentration spürbar. Genau hier könnte eine Maßnahme helfen, die in vielen deutschen Büros noch immer skeptisch gesehen wird: der Mittagsschlaf.

Der Schlafforscher Hans-Günter Weeß beschreibt ihn sogar als eine Art „Doping für das Gehirn“. Studien zeigen, dass ein kurzer Powernap die kognitive Leistungsfähigkeit spürbar verbessern kann. Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration profitieren davon. Laut Forschung kann ein kurzer Mittagsschlaf die Leistungsfähigkeit in der zweiten Tageshälfte um bis zu 35 Prozent steigern.

Der Effekt geht sogar über die Produktivität hinaus. Regelmäßige Powernaps stehen laut Studien auch mit gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung. So kann ein Mittagsschlaf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 37 Prozent senken. Ein kleines Nickerchen wäre also nicht nur ein Produktivitäts-Booster, sondern auch ein Beitrag zur langfristigen Gesundheit von Arbeitnehmer:innen.


Millionen Arbeitnehmer:innen von Schlafstörungen betroffen

– darf man sich dafür krankmelden?

Millionen Arbeitnehmer:innen von Schlafstörungen betroffen – darf man sich dafür krankmelden?
© cottonbro studio – Pexels


Wie lange sollte man am Mittag schlafen?

Die optimale Dauer für einen Powernap liegt laut Schlafforscher Hans-Günter Weeß bei zehn bis 20 Minuten. Dieser kurze Zeitraum sorgt für einen erfrischenden Effekt, ohne dass der Körper in tiefere Schlafphasen übergeht. Schläft man länger, erleben etwa 70 Prozent der Menschen ein Gefühl von Trägheit und Müdigkeit nach dem Aufwachen.

Ein kleiner Trick kann die Wirkung zusätzlich verstärken: eine Tasse Kaffee kurz vor dem Powernap. Das klingt zunächst paradox, funktioniert aber erstaunlich gut. Der Grund liegt im Timing. Koffein braucht etwa 20 bis 30 Minuten, bis es im Körper wirkt. Genau dann endet idealerweise auch der kurze Mittagsschlaf. Das Ergebnis ist ein doppelter Wacheffekt: durch den Powernap und durch das einsetzende Koffein.

Müdigkeit im Alltag ausgleichen

Trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse hat der Mittagsschlaf in vielen Unternehmen noch immer ein Imageproblem. Wer im Büro schläft, gilt schnell als unproduktiv oder unprofessionell. Dabei zeigen die Studien eigentlich das Gegenteil: Ein kurzer Powernap kann Müdigkeit ausgleichen, die Konzentration verbessern und die Leistung deutlich steigern.

Angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer:innen regelmäßig unausgeschlafen in den Arbeitstag startet oder gar nicht erst antritt, könnte ein Umdenken sinnvoll sein. Ruheräume oder flexible Pausenmodelle wären eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, um dem Produktivitätsverlust durch Schlafmangel entgegenzuwirken. Denn anders gesagt, reichen schon 20 Minuten Ruhe, um aus einem müden Nachmittag wieder einen produktiven Arbeitstag zu machen, sowohl für Unternehmer:innen als auch für Arbeitnehmer:innen.


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© www.kaboompics.com – Pexels

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