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Auszeit statt Dauerstress: Warum viele Arbeitnehmer:innen von einer Mikrorente träumen

Auszeit statt Dauerstress: Warum viele Arbeitnehmer:innen von einer Mikrorente träumen

Marié Detlefsen | 11.03.26

Viele Arbeitnehmer:innen in Deutschland sehnen sich nach einer längeren Pause vom Alltag. Mehr als die Hälfte wünscht sich sogar eine mehrmonatige Auszeit. Eine Mikrorente kann helfen, aber was ist das?

Nicht nur ein paar Tage Urlaub, sondern mehrere Wochen oder sogar Monate Abstand vom Job? Eine aktuelle, repräsentative Befragung von freiheit+ unter 1.000 Menschen in Deutschland zeigt: Der Wunsch nach einer solchen Auszeit ist erstaunlich weit verbreitet. Mehr als jede zweite befragte Person gibt an, sich (sehr) häufig eine mehrmonatige Auszeit zu wünschen. Für viele Arbeitnehmer:innen reicht der klassische Jahresurlaub offenbar nicht mehr aus, um den eigenen Akku wirklich wieder aufzuladen. Stattdessen wächst das Bedürfnis nach längeren Phasen, in denen Arbeit bewusst in den Hintergrund tritt. Viele Menschen wünschen sich daher größere Spielräume – sowohl zeitlich als auch finanziell.

Besonders junge Menschen träumen von einer längeren Auszeit

Der Wunsch nach einer längeren Unterbrechung des Arbeitsalltags ist allerdings nicht in allen Altersgruppen gleich stark ausgeprägt. Vor allem jüngere Arbeitnehmer:innen sehnen sich häufiger nach einer Pause. In der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen wünschen sich 55 Prozent oft oder sehr oft eine mehrmonatige Auszeit. Bei den älteren Befragten zwischen 36 und 69 Jahren liegt dieser Anteil mit 49 Prozent etwas niedriger.

Auch beim Blick auf die Geschlechter zeigt sich ein Unterschied. So geben 56 Prozent der Frauen an, sich regelmäßig eine längere Pause vom Alltag zu wünschen. Unter den Männern äußern 46 Prozent diesen Wunsch. Die Zahlen lassen vermuten, dass viele Arbeitnehmer:innen ihren Alltag als stark verdichtet erleben. Zwischen Job, Familie und anderen Verpflichtungen bleibt offenbar wenig Raum für längere persönliche Pausen.

Jede:r Vierte denkt über eine Mikrorente nach

Im Zusammenhang mit diesem Wunsch taucht immer häufiger ein Begriff auf: die sogenannte Mikrorente. Dahinter steckt die Idee, nicht erst im Ruhestand längere freie Zeit zu haben, sondern bereits während des Berufslebens bewusst eine Pause einzulegen. Statt Jahrzehnte durchgehend zu arbeiten und erst am Ende des Erwerbslebens auszusteigen, sehen manche Menschen ihr Leben eher in mehreren Abschnitten: Phasen intensiver Arbeit wechseln sich mit Zeiten der Erholung, Neuorientierung oder persönlichen Entwicklung ab. Die Umfrage zeigt, dass dieses Konzept durchaus auf Interesse stößt. 22,3 Prozent der Befragten können sich vorstellen, in den kommenden Jahren eine solche Mikrorente einzulegen. Natürlich muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass das Umfragedesign dementsprechend gestellt ist und zum Leitprinzip von freiheit+ gehört.

Immer mehr Arbeitnehmer:innen denken über eine Mikrorente nach (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © freiheit+
Immer mehr Arbeitnehmer:innen denken über eine Mikrorente nach (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © freiheit+

Besonders offen dafür sind wiederum jüngere Menschen. 32 Prozent der 18- bis 35-Jährigen halten eine solche Auszeit für denkbar. In der älteren Vergleichsgruppe liegt dieser Anteil mit 18,2 Prozent deutlich niedriger. Das deutet darauf hin, dass sich die Vorstellungen vom eigenen Lebens- und Arbeitsrhythmus zunehmend verändern.

32 Prozent der 18- bis 35-Jährigen halten eine Auszeit für denkbar (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © freiheit+
32 Prozent der 18- bis 35-Jährigen halten eine Auszeit für denkbar (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © freiheit+

Mikrorente: Eine (finanzielle) Auszeit mitten im Erwerbsleben

So attraktiv eine längere Pause auch klingt, für viele Arbeitnehmer:innen scheitert sie an der finanziellen Realität. Die Umfrage zeigt deutlich, dass finanzielle Sorgen im Alltag eine große Rolle spielen: 66 Prozent der Befragten geben an, sich finanziell belastet zu fühlen. Gerade junge Erwachsene sind davon besonders betroffen. 73 Prozent der 18- bis 35-Jährigen berichten von starken finanziellen Belastungen im Alltag, während es bei den älteren Befragten 63 Prozent sind.

Allerdings ist die Mikrorente keine staatliche Leistung, wie die klassische Altersrente, sondern vielmehr ein individuell organisiertes Modell. Arbeitnehmer:innen planen dabei bewusst eine mehrwöchige oder mehrmonatige Pause während ihres Berufslebens und finanzieren diese Zeit in der Regel selbst. Das macht deutlich, warum die Idee einer Mikrorente für viele zwar interessant, aber gleichzeitig schwer umzusetzen ist. Wer ohnehin das Gefühl hat, finanziell unter Druck zu stehen, kann sich eine längere Phase ohne Einkommen oft nur schwer vorstellen.


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Lebenszufriedenheit beeinflusst den Wunsch nach Mikrorente

Ein weiterer interessanter Zusammenhang zeigt sich beim Blick auf die allgemeine Lebenszufriedenheit. Menschen, die ihr Leben insgesamt positiv bewerten, verspüren zwar ebenfalls den Wunsch nach finanzieller Entlastung, allerdings weniger stark. Unter den zufriedenen oder sehr zufriedenen Befragten wünschen sich 45 Prozent mehr finanzielle Entlastung.

Ganz anders sieht es bei Menschen aus, die mit ihrem Leben eher unzufrieden sind. In dieser Gruppe liegt der Anteil deutlich höher: 58 Prozent wünschen sich hier eine stärkere finanzielle Entlastung. Die Ergebnisse legen nahe, dass finanzielle Sorgen und allgemeines Wohlbefinden eng miteinander verbunden sind. Wer sich bereits unter Druck fühlt, nimmt wirtschaftliche Belastungen häufig besonders stark wahr.

Fast die Hälfte aller Arbeitnehmer:innen wünscht sich mehr finanzielle Entlastung (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © freiheit+
Fast die Hälfte aller Arbeitnehmer:innen wünscht sich mehr finanzielle Entlastung (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © freiheit+

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen deutlich: Viele Arbeitnehmer:innen wünschen sich mehr Freiraum im eigenen Leben. Eine längere Pause vom Job wird dabei von vielen nicht als Luxus gesehen, sondern als Möglichkeit, Kraft zu schöpfen oder neue Perspektiven zu entwickeln.

Gleichzeitig macht die Umfrage auch klar, dass dieser Wunsch häufig mit finanziellen Hürden kollidiert. Für viele Menschen bleibt eine mehrmonatige Auszeit daher vorerst eher eine Idee als ein konkreter Plan. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass sich die Diskussion über neue Arbeits- und Lebensmodelle in Zukunft weiter verstärken könnte.


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© Daria Pimkina – Unsplash

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