Human Resources
Arbeiten wir wirklich zu wenig? Nein! Fast die Hälfte aller Beschäftigten schleppt sich sogar krank zur Arbeit

Arbeiten wir wirklich zu wenig? Nein! Fast die Hälfte aller Beschäftigten schleppt sich sogar krank zur Arbeit

Marié Detlefsen | 12.02.26

Während die Politik mehr Einsatz fordert, zeigt eine aktuelle Umfrage: Rund die Hälfte der Beschäftigten arbeitet trotz Krankheit. Besonders junge Arbeitnehmer:innen setzen ihre Gesundheit aufs Spiel.

Wir arbeiten zu wenig? Zumindest behauptet das Bundeskanzler und CDU Politiker Friedrich Merz – und sorgt damit für hitzige Debatten. Doch die Realität sieht anders aus: Laut einer aktuellen Studie von Indeed und Appinio gehen viele Beschäftigte in Deutschland selbst zur Arbeit, wenn sie es eigentlich nicht sollten, denn etwa 50 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten auch, wenn sie krank sind.

Weniger Krankmeldungen, mehr krank zur Arbeit

Fast die Hälfte der Berufstätigen (49,6 Prozent) gibt laut der Studie an, inzwischen öfter krank zu arbeiten als früher. Besonders auffällig: Bei der Generation Z, den 18- bis 27-Jährigen, liegt der Anteil bei 63 Prozent. Gleichzeitig meldet sich knapp ein Drittel der Befragten seltener krank, nicht, weil sie gesünder sind, sondern oft aus Angst vor Jobverlust oder Karriereeinbußen.

So arbeiten rund 35 Prozent krank, um das Team nicht zu belasten, 31 Prozent nennen hohe Arbeitslast oder fehlende Vertretung als Grund. Über die Hälfte der Befragten (57,3 Prozent) empfindet, dass im Unternehmen erwartet wird, auch im Krankheitsfall zu arbeiten, allerdings sehen nur 20 Prozent dies als ausschlaggebenden Grund, sich nicht krankzumelden.

Gerade die junge Generation fühlt sich zunehmend unter Druck gesetzt. Etwa ein Viertel der Gen Z gibt an, durch eine Krankmeldung Karrierechancen zu gefährden, während ein ähnlicher Anteil Angst hat, als nicht belastbar zu gelten. Auch die Sorge vor Entlassung spielt mit 23,5 Prozent eine größere Rolle als im Durchschnitt.

Krank arbeiten schadet – langfristig

Krank zu arbeiten, ist nicht nur in dem Moment anstrengend, sondern kann langfristige Schäden mit sich ziehen. Zwar zeigt Präsentismus, dass man für den Job brennt, doch gefährdet dies auch die eigene Gesundheit sowie die der Kolleg:innen. Dr. Stefanie Bickert, Job-Expertin bei Indeed, warnt:

Generell sollte es über alle Altersgruppen hinweg ein Warnsignal sein, dass derzeit mehr Menschen trotz Krankheit weiterarbeiten. Das mag wie ein besonderer Einsatz wirken, führt aber nur selten zu besseren Leistungen. Im Gegenteil: Wer regelmäßig krank arbeitet, riskiert Fehler und verlängerte Krankheitsverläufe.

Weniger Krankmeldungen bedeuten also nicht automatisch, dass Arbeitnehmer:innen gesünder sind. Vor allem junge Berufseinsteiger:innen passen ihr Verhalten aus Unsicherheit an: Befristete Verträge, instabile Joblagen und das Gefühl, leicht ersetzbar zu sein, führen dazu, dass Krankmeldungen vermieden werden.

Für Unternehmen ist das ein wichtiges Signal: Team-Geist und Loyalität sind wertvoll, dürfen aber nicht dazu dienen, strukturelle Probleme zu kompensieren. Rahmenbedingungen, die Gesundheit und langfristige Leistungsfähigkeit fördern, sind entscheidend. Denn eins ist klar: Wer krank arbeitet, arbeitet weder besser noch sicherer, sondern riskiert vor allem seine eigene Gesundheit. Statt über „zu wenig Arbeit“ zu diskutieren, sollte der Fokus auf den richtigen Arbeitsbedingungen liegen. Denn eine Gesellschaft, in der Menschen krank zur Arbeit gehen, ist langfristig weder leistungsfähig noch gesund, und das betrifft alle Generationen, nicht nur die Gen Z.


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© Karola G – Pexels

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