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Rente im Europa-Vergleich: Wie viel ist die gesetzliche Rente wirklich wert und wo steht Deutschland?

Rente im Europa-Vergleich: Wie viel ist die gesetzliche Rente wirklich wert und wo steht Deutschland?

Marié Detlefsen | 18.02.26

Reicht die Rente in Deutschland wirklich aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten? Eine aktuelle Europa-Analyse zeigt, wie groß die Lücke zwischen staatlicher Rente und realen Lebenshaltungskosten tatsächlich ist – und wo Deutschland im Vergleich steht.

Europa wird grau. Schon heute ist in der Europäischen Union jede fünfte Person mindestens 65 Jahre alt – und der Anteil wächst weiter. Für Arbeitnehmer:innen in Deutschland stellt sich damit eine sehr konkrete Frage: Wird die Rente später reichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten? Oder klafft zwischen Einnahmen und Ausgaben eine gefährliche Lücke?

Eine aktuelle europaweite Untersuchung von Datapulse hat genau das unter die Lupe genommen. Sie verknüpft zwei Datensätze, die sonst getrennt betrachtet werden: staatliche Rentenzahlungen und die tatsächlichen Lebenshaltungskosten älterer Menschen – inflationsbereinigt auf das Preisniveau von 2023. Heraus kommt ein ziemlich nüchternes Bild der „Renten-Wirklichkeit“.

Wie viel Rente zahlt der Staat und wo steht Deutschland?

Die staatlichen Altersrenten unterscheiden sich in Europa massiv. 2023 lag die durchschnittliche jährliche Bruttorente (ohne Betriebs- oder Privatrenten) zwischen rund 34.000 Euro und 4.000 Euro. Der Durchschnitt der EU-27 beträgt 17.321 Euro pro Jahr. An der Spitze steht Luxemburg mit 34.413 Euro jährlich. Dahinter folgen Dänemark (30.543 Euro) und Norwegen (29.176 Euro). Am unteren Ende rangieren Serbien mit 4.239 Euro und Bulgarien mit 4.479 Euro pro Jahr.


So hoch fallen die Renten im europaweiten vergleich aus (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Datapulse
So hoch fallen die Renten im europaweiten vergleich aus (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Datapulse

Und Deutschland? Mit durchschnittlich 19.138 Euro jährlich liegt die Bundesrepublik leicht über dem EU-Schnitt und bewegt sich in einer Liga mit Frankreich (19.756 Euro) und Spanien (19.844 Euro). Nominal betrachtet wirkt das solide, zumindest auf den ersten Blick, denn absolute Euro-Beträge sagen wenig darüber aus, wie weit man mit diesem Geld tatsächlich kommt.

Kaufkraft statt Euro-Betrag: Was ist die Rente wirklich wert?

34.000 Euro in Luxemburg klingen nach Wohlstand. Aber: Die Lebenshaltungskosten dort sind extrem hoch. Rechnet man die Rente in Kaufkraft um, entspricht sie eher rund 23.000 Euro. Umgekehrt wirken 4.479 Euro in Bulgarien erschreckend niedrig, durch das geringere Preisniveau ergibt sich jedoch eine Kaufkraft von etwa 8.000 Euro.

Die Unterschiede schrumpfen also, sobald man berücksichtigt, was Rentner:innen vor Ort tatsächlich für Wohnen, Lebensmittel oder Dienstleistungen bezahlen. Länder mit niedrigen nominalen Renten rücken näher an das europäische Mittelfeld heran, während Hochlohnländer etwas an Vorsprung verlieren. Auch zwischen Frankreich und Spanien zeigt sich dieser Effekt. Beide Länder zahlen um die 20.000 Euro durchschnittliche Jahresrente. Dennoch lässt sich der Betrag in Spanien weiter strecken, weil das Leben dort günstiger ist.

Die durchschnittlichen Jahresrenten in Bezug zur Kaufkraft (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Datapulse

Die durchschnittlichen Jahresrenten in Bezug zur Kaufkraft (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), ©
Datapulse

Entscheidend ist nicht allein, wie viel Geld hereinkommt, sondern wie viel hinausgeht. Die Studie hat die realen Ausgaben von Menschen über 60 Jahren ausgewertet und auf 2023 hochgerechnet. Das Ergebnis zeigt eine enorme Spannbreite:

  • In Luxemburg geben Senior:innen durchschnittlich 52.168 Euro pro Jahr aus.
  • In Bulgarien und Rumänien liegen die jährlichen Ausgaben dagegen nur bei 4.558 beziehungsweise 4.772 Euro.
  • In Deutschland, Frankreich und Italien bewegen sich die durchschnittlichen Kosten zwischen 24.000 und 29.000 Euro jährlich.

Während die deutsche Durchschnittsrente bei 19.138 Euro liegt, bewegen sich die typischen Ausgaben klar darüber. Schon rein rechnerisch entsteht also eine Lücke von mehreren Tausend Euro pro Jahr.

Versorgungslücke bei der Rente sorgt für Unsicherheit

Die Studie zeigt: In allen bis auf vier untersuchten Ländern deckt die durchschnittliche staatliche Altersrente nicht einmal vor Steuern die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten vollständig ab. Mit anderen Worten: Für die Mehrheit der Europäer:innen ist die staatliche Rente keine Komplettversorgung, sondern lediglich eine Basis. Wer den bisherigen Lebensstandard halten möchte, braucht zusätzliche Einkommensquellen, sei es durch private Vorsorge, Betriebsrenten oder Ersparnisse.

Besonders kritisch wird es, wenn die Differenz zwischen Rente und Ausgaben 30 Prozent oder mehr beträgt. Eine solche Versorgungslücke lässt sich kaum allein durch Sparsamkeit kompensieren. Dann geht es nicht mehr um kleinere Einschränkungen, sondern um strukturelle Fragen:

  • Reicht das angesparte Kapital?
  • Ist Wohneigentum vorhanden?
  • Wäre ein Umzug in eine günstigere Region denkbar?

Je früher daher zusätzliche Vorsorge betrieben wird, desto größer ist der Handlungsspielraum im Alter. Alternativ besteht die Möglichkeit, auch nach der Rente noch weiterzuarbeiten. Laut einer forsa-Studie im Auftrag von XING könnte jede:r achte Beschäftigte sich schon heute vorstellen, über das bisherige Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. Mehr dazu erfährst du im folgenden Artikel:


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