Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Unternehmenskultur
Frauenquote spielt in Familienunternehmen kaum eine Rolle

Frauenquote spielt in Familienunternehmen kaum eine Rolle

Hauke Eilers-Buchta | 01.06.22

Die Frauenquote wird in immer mehr Unternehmen berücksichtigt. Allerdings gibt es eine große Ausnahme: Familienunternehmen. Dort scheint vielfach noch das Patriarchat zu herrschen.

Die Führungsetage vieler Familienunternehmen in Deutschland ist nach wie vor vor allem eines: sehr männlich. In Firmen, die in Familienbesitz sind, herrscht noch immer ein starker Mangel an Frauen in Führungspositionen vor und Frauenquoten scheinen kaum eine Rolle zu spielen. Top-Managerinnen gibt es in den Führungsriegen zahlreicher Unternehmen somit kaum. Dieser Thematik hat sich jüngst eine Studie angenommen und kommt dabei zu dem Schluss, dass Vielfalt und Gleichberechtigung für die großen deutschen Familienunternehmen keine übergeordnete Rolle spielen. Die Allbright Stiftung schlussfolgert dies in ihrem aktuellen Frühjahrsbericht.

Lediglich 8,3 Prozent Frauen im Bereich der Geschäftsführung

Wirft man einen Blick in die Geschäftsführungen der 100 umsatzstärksten Familienunternehmen Deutschlands, fällt eines direkt auf: die meisten Personen dort gehören dem männlichen Geschlecht an. Lediglich 8,3 Prozent Frauen sind in den höheren Positionen beschäftigt. Ein Vergleich dazu: Bei den großen Konzernen, die an der Börse notiert sind, liegt die Frauenquote bei 14,3 Prozent.

Im internationalen Vergleich liegt die Frauenquoten aus Deutschland dabei immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Vor allem aber der öffentliche Druck und eine neue Gesetzgebung führten dazu, dass sich in diesem Bereich etwas tut. In den vergangenen zwei Jahren wurden von den börsennotierten Unternehmen mehr Frauen eingestellt, als es zuvor der Fall war. Ausgenommen scheinen hier nach wie vor die Familienunternehmen zu sein – seit 2020 hat sich der Frauenanteil in der Führungsspitze hier um gerade einmal 1,3 Prozent gesteigert.

©, Allbright Stiftung

Robert Habeck: „Veränderungsperspektiven von Frauen in Führungspositionen“ sind wichtig

Um einen umfangreichen Transformationsprozess innerhalb der deutschen Wirtschaft und auch Gesellschaft zu ermöglichen, seien spezifische „Veränderungsperspektiven für Frauen innerhalb von Führungspositionen“ wichtig, äußerte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck im Schlusswort der Allbright-Studie.

Weiterhin heißt es dort, dass das Bundeswirtschaftsministerium die derzeit noch bestehende Ungleichheit auch in anderen Wirtschaftsbereichen anpacken werde. So soll es auch bei Startups, im Mittelstand, bei kleinen Unternehmen sowie im Handwerk Änderungen geben.

Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung, die vom schwedischen Fondsmanager Sven Hagström gegründet wurde, formuliert indes ganz klare Ziele: Man wolle für Männer und Frauen gleiche Karrierechancen, die zu besseren Unternehmensresultaten führen. Moderne und gemischte Führungsteams seien dafür unabdingbar.

Kritik durch öffentliche Bekanntmachung

Seitens der Stiftung agiert man dabei nach einem simplen Prinzip: Die Führungsriegen von großen Unternehmen werden analysiert und es wird im Anschluss öffentlich bekanntgemacht, welche Konzerne bislang auf Frauen in der Chefetage verzichten und welche Unternehmen bereits reagiert haben.

Dieses Vorgehen scheint vor allem bei den börsennotierten Unternehmen zu wirken. Gleichberechtigte Führungsstrukturen sind hier bei Investor:innen, Mitarbeiter:innen, Kund:innen oder auch Bewerber:innen bereits ein gängiges Thema. Davon ausgenommen sind bisher allerdings die Familienkonzerne, die weitgehend noch auf altbekannte Strukturen setzen und vornehmlich Männer in die Vorstände holen. Und das bezieht sich sogar auf milliardenschwere Konzerne wie Bosch, Aldi, Miele oder auch Rossmann und Deichmann. Trotz mehrerer zehntausend Mitarbeiter:innen und etablierter Marken, sitzen hier nach wie vor vornehmlich Männer in den Chefsesseln und treffen die wichtigen Entscheidungen.

Familienunternehmen haben oft eine eigene Stärke

Bei vielen Familienunternehmen ist es so, dass nicht unbedingt in Quartalen gedacht wird und dass stattdessen Generationen im Vordergrund stehen. Für die Geschäftsführung der Allbright Stiftung bringt dies aber auch eine Art Verpflichtung mit sich. So sollten Unternehmen dieser Art die Chancengleichheit und Diversität als Thema nicht unterschätzen, sondern sich diesem aktiv widmen.

Diversität zieht Top-Talente an, ein veraltetes Führungsverständnis tut es nicht,

so die Geschäftsführer:innen der Allbright Stiftung Wiebke Ankersen und Christian Berg. Für Familienunternehmen besteht in diesem Zusammenhang das Risiko, zu Arbeitgeber:innen zweiter Klasse zu werden, weil die modernder agierende Konkurrenz bevorzugt wird.

Auf einen Blick: Frauenquoten und mehr in Familienunternehmen

Erstmals hat die Allbright Stiftung ihre Führungsriegen-Analyse vor zwei Jahren veröffentlicht. Dabei fällt im Vergleich zu heute auf, dass es kaum Modernisierung gibt und dass stattdessen auch Rückschritte zu erkennen sind.

Der Gleichstellungsindex der einhundert umsatzstärksten Familienunternehmen in Deutschland macht Folgendes deutlich:

  • 408 Männer sind in den Geschäftsführungen beschäftigt, demgegenüber stehen nur 37 Frauen
  • 2020 lag der Frauenanteil bei sieben Prozent, aktuell sind es 8,3 Prozent
  • In 68 Firmen ist keine Frau in der Geschäftsführung aktiv
  • Fünf Unternehmen haben Frauen in der Geschäftsführung durch Männer ersetzt und agieren wieder rein mit männlichen Führungsetagen
  • Bei 32 Unternehmen ist mindestens eine Frau in der Geschäftsführung aktiv

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.