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Digitalisierung
Karrieretrends 2020: Wird das neue Jahrzehnt zu den Golden Twenties?
© Stephan Henning - Unsplash

Karrieretrends 2020: Wird das neue Jahrzehnt zu den Golden Twenties?

Michelle Winner | 15.01.20

Stellenabbau, interaktive Bewerbungen und steuerliche Vorteile: Diese Trends begleiten uns im neuen Arbeitsjahr - und sorgen hoffentlich für Vorteile, anstatt alles zu verschlimmbessern.

Neues Jahr, neues Glück. Nach diesem Motto starten viele Menschen in die neue Dekade, die (hoffentlich) Golden Twenties des 21. Jahrhundert. Und auch in der Arbeitswelt ändert sich mit dem neuen Jahr einiges. Neben den gesetzlichen Veränderungen wollen wir dir die heißesten Trends auf dem Arbeitsmarkt zeigen sowie neue Möglichkeiten und Chancen für Bewerbungen und Karriere. Bist du bereit für den Neustart?

Arbeitsmarkttrends für 2020

Wird sich alles verändern? Vermutlich nicht. Wir müssen uns nicht komplett neu orientieren und alles Bekannte vergessen. Viel mehr wird auf das Vorhandene aufgebaut oder dieses verbessert und umstrukturiert. Wichtig im Hinterkopf zu behalten, ist, dass einige der aufgeführten Trends umstritten sind – deine eigene Meinung musst du dir selbst bilden.

1. Stellenabbau während des Fachkräftemangels

Mit fünf Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Deutschland so niedrig wie schon lange nicht mehr – es sei an dieser Stelle dahingestellt, wie bereinigt diese Zahl ist. Gleichzeitig wurden 2019 immer mehr Stellen abgebaut – ein Trend, der sich auch durchs neue Jahr ziehen wird. Besonders betroffen sind hierbei die Automobil- und Finanzbranche, ebenso wie Schwerindustrie und Touristik. Durch die Digitalisierung unterstützt, fallen immer mehr Positionen und Berufszweige weg, wohingegen gleichzeitig auch wieder neue geschaffen werden. Für die Menschen, die ihre Arbeit verlieren, ist das jedoch nur ein Vorteil, wenn auf Umschulungen gesetzt wird. Hier stehen Staat und Arbeitgeber in der Verantwortung. In jedem Fall müssen Berufstätige weiterhin flexibel sein und mit stetigen Veränderungen rechnen.

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2. Arbeitgeber vermitteln „Purpose“

Wieso mache ich diese Arbeit eigentlich? Diese Frage beschäftigt Berufstätige seit Ewigkeiten und besonders im letzten Jahr hörte man überall Begriffe wie „Purpose“, „sinnstiftend“ und „Zweck“. 2020 werden es die Chefetagen sein, die ihren Mitarbeitern dabei helfen, den Sinn in ihrer Arbeit zu erkennen. Und dabei geht es nicht um ein schönes Schaubild, das auch nach außen vermittelt wird. Es geht um die internen Werte. Die Arbeitgeber sind dafür verantwortlich, dass jeder Angestellte erkennt, was er zum großen Ganzen beitragen kann. Hierbei geht es vor allem um Transparenz und positives Feedback – Dinge, vor denen viele Chefs sich bisher gesträubt haben. Doch wer es schafft den Mitarbeitern den Sinn ihrer Arbeit deutlich zu machen und welche positiven Auswirkungen diese auf Kollegen, Unternehmen und gegebenenfalls die Öffentlichkeit hat, wird sich über ein motivierteres, produktives Arbeitsklima freuen können.

3. Spezialisten gefragter als Generalisten

Sieht man sich die heutigen Studiengänge und Stellenausschreibungen an, wird eines schnell klar: Es wird immer spezieller. Unternehmen suchen Arbeitnehmer, die Experten sind und über das gesamte Know-how ihres Bereichs verfügen. Für die Generalisten wird es hingegen schwieriger. Sie haben ein breites Erfahrungsspektrum, sind aber oft nicht spezialisiert. Personalabteilungen finden ihre Lebensläufe oft nicht „griffig“ genug und so kann die Jobsuche ein echtes Debakel werden. Gleichzeitig werden Gegenstimmen zu diesem Trend laut: Generalisten seien auf dem sich stetig wandelnden Arbeitsmarkt Gold wert. Denn sie sind fähig, sich schnell an neue Situationen anzupassen und schöpfen aus einem größeren Erfahrungspool. Der Verlauf des Jahres wird zeigen, welche der beiden Seiten eher im Recht liegt.

4. Das Unternehmen findet das Talent – nicht umgekehrt

Ein weiterer Trend, der sich in diesem Jahr ausweiten wird, ist die gezielte Suche nach Talenten und das Abwerben dieser. Viele spezielle Stellen werden nicht mehr öffentlich ausgeschrieben. Stattdessen setzen die Unternehmen Headhunter ein, die sich auf die Suche nach dem heiligen Gral, aka einem Supertalent, machen. Es wird nicht mehr auf Jobwechsler gewartet, sondern Active Sourcing betrieben. Im Umkehrschluss ist für die Arbeitnehmer Personal Branding immer wichtiger. Viele besitzen einen Account bei Xing oder LinkedIn, pflegen diesen aber nicht. 2020 ist das Jahr, um damit anzufangen. Wer sich online richtig präsentiert, erhält vielleicht das eine Jobangebot, auf das man Jahre gewartet hat. Und welches eben nicht in einer Stellenbörse ausgeschrieben ist. Gerade in Bereichen, in denen Fachkräftemangel herrscht, öffnen sich hier Türen. Nur sollte man nie vergessen, die vorhandenen Talente auch wertzuschätzen:

Karrieretrends für 2020

Auch für den Karriereaufstieg sowie Bewerbungen gilt – das Rad wird nicht neu erfunden, doch es entwickelt sich weiter. Was uns aus dem letzten Jahrzehnt bereits bekannt ist, wird sich fortsetzen, ausweiten und an Bedeutung gewinnen.

1. Qualifikation bringt Arbeitnehmer weiter

Wie bereits in den Arbeitsmarkttrends erwähnt, suchen Unternehmen spezialisierte Kräfte, die sie oft auch selbstständig anwerben. Ohne Weiterbildungen und Umschulungen wird es für Berufstätige immer schwerer werden. Heißt, flexibles reagieren auf die äußeren Umstände wird von dir verlangt. Um Up-to-Date zu bleiben, solltest du dich regelmäßig darüber informieren, was sich in deiner Branche tut. Wenn dein Arbeitgeber nicht von sich aus eine Weiterbildung organisiert, sprich ihn darauf an. Sollte immer noch nichts passieren, lohnt es sich definitiv, selbst etwas Geld in die Hand zu nehmen und die Initiative zu ergreifen – beispielsweise durch Abendkurse oder ein berufsbegleitendes Studium. Manchmal kann aber auch schon das Lesen von Fachliteratur ein ausreichender Schritt sein. Wichtig ist, dass du dich weiterbildest und vielleicht sogar spezialisierst, denn schon bald wird wohl eher von einem „qualitativen“ statt „quantitativen“ Fachkräftemangel die Rede sein.

2. Die Jobsuche wird aktiver

Stellenausschreibung sehen, bewerben, eingestellt – dieser Ablauf klappt inzwischen immer seltener. Klar, manche landen einen echten Glückstreffer, doch meist ist die Jobsuche langwierig und frustrierend. Um dem vorzubeugen, musst du aktiver werden. Trends, die sich im letzten Jahrzehnt etabliert haben, werden immer wichtiger. Einiges davon, wie Personal Branding, habe ich bereits erwähnt. Um deine Jobsuche effektiver zu gestalten, darfst du aber nicht bloß rumsitzen und drauf warten, dass ein Headhunter dich findet. Nutze verschiedene Jobbörsen, schau dich auch auf Netzwerken wie Xing und LinkedIn um und nutze deine Kontakte. Kommunikationsberater Christian Müller erklärt:

Die eigene Online-Präsenz, die Personal Brand, gewinnt an Bedeutung. Nicht weil PersonalerInnen unbedingt nach BewerberInnen googlen, sondern weil eine gute Reputation und eine sichtbare Personal Brand eine Strahlwirkung entfalten, die auch bei Unternehmen ankommt.

3. Mobile Bewerbungen und Entertainment

Was bereits im letzten Jahr für Aufsehen sorgte, wird sich in diesem Jahr ausweiten. Immer mehr Unternehmen passen sich dem Wunsch nach schnellen Bewerbungen an, die man auch von unterwegs tätigen kann. Heißt, Mobile Recruiting ist ein großer Trend fürs neue Jahr. Wer beispielsweise Lebenslauf und Co. auf dem Tablet oder Smartphone gespeichert hat, kann sich während einer Bahnfahrt Stellenanzeigen ansehen und direkt seine Dokumente an das Unternehmen übermitteln. Mit einem Klick zum neuen Job. Das bedeutet natürlich, dass du auf diese moderne Form der Bewerbung vorbereitet sein solltest und deine Unterlagen gegebenenfalls in einer Cloud hinterlegst. Doch es wird nicht nur mobil, sondern auch unterhaltsam. Immer mehr Unternehmen verzichten auf langweilige Einstellungstest und schicken ihren Bewerbern stattdessen einen Link zu. Klickst du darauf, wirst zu zu einer Art Videospiel weitergeleitet, in welchem du kleine Aufgaben erledigen musst – die wiederum zeigen sollen, wie du in bestimmten Situationen reagierst. Natürlich bestätigt dieser Trend noch nicht die Regel, aber spannender als ein 60-minütiger Schultest ist er allemal.

„Gesetzestrends“ für 2020

Streng genommen handelt es sich hier nicht um Trends, sondern Änderungen, die ab diesem Jahr in Kraft treten. Einige davon sind von höchster Relevanz für unser Arbeitsleben und deshalb wollen wir sie dir nicht vorenthalten.

1. Die Arbeitszeiterfassung

Schon im letzten Jahr sorgte der Beschluss des Europäischen Gerichtshofs für Trubel, denn die Vertrauensarbeitszeit wird dadurch abgeschafft. Anstatt dass Arbeitgeber ihren Angestellten also Freiheit und Vertrauen schenken, wird auf die Big Brother-Variante gesetzt. Bisher wurden die Vorgaben noch nicht in nationales Recht umgesetzt, doch das Gesetz wird kommen. Um dich darauf vorzubereiten, solltest du als Arbeitnehmer damit beginnen, deine Arbeitszeiten schriftlich festzuhalten – sofern noch keine Erfassung durch deinen Arbeitgeber stattfindet. Außerdem ist es sinnvoll, dich über die arbeitsrechtliche Höchstarbeitszeit pro Woche zu informieren (48 Stunden, mit Ausnahmen) und die vorgeschriebene Ruhezeit (11 Stunden, mit Ausnahmen). Welche Auswirkungen das neue Gesetz haben wird, bleibt zunächst abzuwarten. Die Meinungen gehen jedoch auseinander, wie dieser Tweet zeigt:

2. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Ab dem 1. März tritt dieses Gesetz in Kraft und soll es Fachkräften mit nicht-akademischer Ausbildung erleichtern, zu Arbeitszwecken nach Deutschland zu kommen. Ein Schritt gegen den Fachkräftemangel. Als Fachkraft gelten also nicht mehr nur Hochschulabsolventen, sondern auch Personen, die eine mindestens zweijährige Ausbildung abgeschlossen haben. Die Qualifikation muss durch eine deutsche Stelle anerkannt werden. Zur Einwanderung bedarf es eines konkreten Arbeitsangebots oder eines Arbeitsvertrags – die Vorrangprüfung durch die Bundesagentur für Arbeit entfällt. Heißt, es wird vorher nicht mehr geprüft, ob ein Bewerber aus Deutschland für die Stelle zur Verfügung steht. Unternehmen können bei der Ausländerbehörde zudem ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren einleiten. Besonders in Berufen mit Engpässen, wie der Pflege, kann das neue Gesetz zu Verbesserungen der Arbeitsbedingungen führen.

3. Kleine Änderungen: Von Mindestlohn bis Steuerentlastung

Der gesetzliche Mindestlohn steigt auf 9,35 Euro, ebenso wie viele Branchenmindestlöhne. Letzteres betrifft unter anderem Pflege, Gebäudereinigung und Elektrohandwerk.

Mit dem Dritten „Gesetz zur Entlastung insbesondere der mittelständischen Wirtschaft von Bürokratie“, wird die Kleinunternehmergrenze erhöht. Damit steigt sie von 17.500 Euro Umsatz im Vorjahr auf 20.000 Euro.

Gute News beim Thema Weiterbildung: Bisher waren nur arbeitsplatzbezogene Angebote steuerfrei für Arbeitgeber. Ab sofort ist eine Weiterbildung dann steuerfrei, wenn sie „die Beschäftigungsfähigkeit des Arbeitnehmers“ verbessert. Ein wichtiger Schritt, um Angestellten in Zeiten der Digitalisierung und Automatisierung Sicherheit zu geben.

Für mehr Fairness im Einzelhandel soll ab Mitte Juli die Plattform-to-Business-Verordnung führen. So müssen Onlineplattformen künftig die Ranking-Kriterien von Suchergebnissen offen legen. Es muss zudem darauf hingewiesen werden, dass eine bezahlte Einflussnahme auf das Ranking möglich ist. Zudem müssen verständliche AGBs verfasst werden. In diesen muss unter anderem geklärt werden, wieso der Zugang für bestimmte Händler gesperrt werden kann.

Alles neu im neuen Jahr – so halbwegs

Wie du siehst, treten mit dem neuen Jahrzehnt einige gesetzliche Änderungen in Kraft und es gibt Trends im Arbeitsalltag, die nicht völlig neu sind, aber ausgebaut werden. Das Rad kann man eben nicht neu erfinden. Gerade Schritte in Richtung Weiterbildung und Umschulung sind heute unverzichtbar, und umso schöner ist es, dass hier auch gesetzestechnisch aufgerüstet wird. Die Steuerentlastung kann Arbeitgeber dazu motivieren, ihren Angestellten neue Chancen zu ermöglichen – auch, wenn diese das Unternehmen dann irgendwann verlassen. Und auch das Ernstnehmen des Fachkräftemangels ist löblich. In chronisch unterbesetzten Bereichen wie der Pflege, kann durch Fachkräfte aus dem Ausland aufgerüstet werden, um so die allgemeine Stimmung am Arbeitsplatz und die Arbeitsqualität zu heben. Welche Trends sich nun aber positiv und welche negativ bemerkbar machen, wird das neue Jahr zeigen.