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New Work
Slow Work: Langsam arbeiten als neuer Trend

Slow Work: Langsam arbeiten als neuer Trend

Selina Beck | 10.11.22

Das neue Phänomen Slow Work vertritt eine völlig neue Arbeitseinstellung. Warum diese entgegen der Erwartungen sogar die Produktivität steigern kann.

Im Berufsleben gibt es häufig neue Trends, wobei diese oft in Richtung produktivere und schnellere Arbeitsabläufe gehen. Die Bewegung Slow Work setzt dazu einen Gegenpol: Die Arbeit soll wieder langsam und mit weniger Tempo erledigt werden. Über dieses Phänomen berichtet das Online-Magazin Arbeits-ABC. Der Trend stammt aus den USA und kommt langsam auch bei einigen Berufstätigen in Deutschland an.

78 Prozent der Young Talents hatten bereits ein Burn-out-Erlebnis

Die Digitalisierung und Umstrukturierung der Arbeitsabläufe führen zu immer mehr Schnelligkeit und Komplexität in der Berufswelt. Dies führt bei diversen Arbeitnehmer:innen und Führungskräften zu erhöhtem Stress und damit einem Burn-out-Risiko. Im Sommer zeigte der Young Professional Attraction Index, dass viele Young Talents unter Burn-out leiden. So hatten 78 Prozent dieser Berufstätigen bereits ein Burn-out-Erlebnis.

Auch Führungskräfte haben zum Teil Probleme, sich in der neuen Arbeitswelt zurechtzufinden. Das beeinträchtigt auch die Arbeitszufriedenheit und Gesundheit. Die internationale Pulse Studie des Future Forum von Slack zeigte schockierende Ergebnisse: Die Zufriedenheit von Führungskräften am Arbeitsplatz ist letztes Jahr global um 15 Prozent gesunken. Damit steigt auch das Risiko für eine Burn-out-Erkrankung, denn 40 Prozent der Befragten fühlen sich ausgebrannt.

Slow Work kann Produktivität steigern

Jede Bewegung ruft eine Gegenbewegung hervor und so entstand der Trend Slow Work. Dennoch lehnen viele Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen das langsame Arbeiten ab, da sie sinkende Produktivität und die Betitelung als faule Angestellte fürchten.

Expert:innen sehen jedoch Vorteile in dem neuen Arbeitsmodell, denn Slow Work kann sogar die Produktivität steigern, prognostizieren sie. Außerdem hat diese Arbeitsweise positive Effekte auf das psychische und physische Wohlbefinden der Arbeitnehmer:innen. Dies trägt wiederum auch zum Erfolg des Unternehmens bei.

Gesundheit und Glück stehen im Fokus der Bewegung

Die Vertreter:innen der Bewegung stellen Gesundheit und Glück in den Fokus statt mehr Geld, mehr Erfolg und mehr Leistung. Wie beim New-Work-Konzept findet bei ihnen ein Umdenken der Arbeitswelt statt. Die Work-Life-Balance rückt in den Vordergrund und so sprechen sich die Anhänger:innen für Teilzeitmodelle und Flexibilität aus. Dadurch werden auch die gesundheitlichen Risiken, die stressbedingt entstehen, deutlich vermindert.

Gail Kinman, Professor of Occupational Health Psychology an der University of Bedfordshire, sagt, dass Slow Work auf lange Sicht produktiver macht. Denn durch die Verlangsamung der Arbeit habe der Körper die Möglichkeit zur Regeneration, dadurch sinke das allgemeine Stresslevel, während Konzentration und Kreativität wieder steigen würden. Langfristig gebe es so mehr Leistungsfähigkeit.

Es ist schon lange bekannt, dass viele Jüngere nicht mehr Vollzeit arbeiten wollen, sondern mehr Zeit für ihre Familie, Ehrenamt und die Pflege von Angehörigen haben möchten. Ein höheres Gehalt reicht für ihre Arbeitsmotivation nicht mehr zwingend aus. Das hat auch die Diskussion um die Rente mit 70 und die 42-Stunden-Woche gezeigt.

So funktioniert Slow Work

Falls du das neue Arbeitsmodell mal bei deiner Arbeit testen willst, kannst du damit anfangen, zu Beginn deines Arbeitstages einen kurzen Tagesplan zu erstellen. Für jeden Punkt auf der To-do-Liste planst du dann die doppelte Zeit ein, die du normalerweise kalkulieren würdest. Regelmäßige Pausen sind wichtig, die du zum Beispiel mit Smalltalk mit Kolleg:innen füllen kannst. Das hilft dir auch dabei, Connections im Job aufzubauen.

Multitasking wird von den Vertreter:innen der Slow-Work-Bewegung vermieden, stattdessen sollen aktive Entspannungszeiten in den Arbeitsalltag eingebaut werden. So wird beispielsweise Yoga am Morgen oder ein Power Nap in der Mittagspause empfohlen. Am Ende des Arbeitstages kannst du dann nochmal deine To-do-Liste kontrollieren, wie lange du wirklich für die Aufgaben gebraucht hast. Das Modell führt allerdings nicht zu kurzfristigen Erfolgen, sondern ist auf längere Zeit ausgelegt.

Slow Work kann aber auch durch flexiblere Arbeitsmodelle wie Home Office und Teilzeit gelebt werden. Auch ein Sabbatical oder mehr Urlaubstage können zur Entspannung beitragen. Natürlich kann diese Arbeitsform nicht von allen Arbeitnehmer:innen gleichermaßen umgesetzt werden, da sie sich vor allem auf Bürojobs bezieht. Zudem muss auch die Kultur im Unternehmen stimmen, damit dieses Modell so realisiert werden kann.

Kannst du dir vorstellen, das neue Modell Slow Work in deinem Arbeitsalltag auszuprobieren oder arbeitest du schon länger etwas langsamer? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen!


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Kommentare aus der Community

Armin am 13.11.2022 um 09:56 Uhr

immer höher, schneller, weiter, Reicher hat mich krank gemacht. Ich wünschte den Artikel schon vor 20 Jahren gelesen zu haben. Dann hätte ich mich nicht in eine Depression gearbeitet.

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