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Home Office: Große Chance oder Karrierekiller?

Home Office: Große Chance oder Karrierekiller?

Hauke Eilers-Buchta | 06.10.22

Die Arbeit im Home Office bietet viel Flexibilität, nicht nur in Pandemiezeiten. Doch wie steht es um die Karrierechancen? Ist das Home Office am Ende sogar ein Karrierekiller?

Spätestens seit Beginn der Coronapandemie ist die Arbeit im Home Office in der Gesellschaft angekommen. Weltweit arbeiten immer mehr Menschen aus den eigenen vier Wänden heraus – zumindest teilweise. Manchmal ist dort mehr Ruhe für kompliziertere Aufgaben, in anderen Fällen kann die Arbeit dann besser mit der Kinderbetreuung vereinbart werden. Dabei ist es durchaus auch üblich, dass Mitarbeiter:innen nur einzelne Tage in der Woche im Home Office arbeiten und die restlichen Tage im Büro vor Ort sind. Für Arbeitgeber:innen allerdings gehört zum Home Office nach wie vor auch noch ein gewisser Vertrauensvorschuss. Immerhin kann man nicht sicher sagen, ob tatsächlich alle Arbeitnehmer:innen im Home Office ebenso intensiv und effizient arbeiten wie vor Ort im Büro.

Besteht nicht sogar das Risiko, dass sich manche Arbeitnehmer:innen zuhause einen faulen Lenz machen und nur das Nötigste erledigen? Zumindest in der Theorie besteht dieses Risiko. Doch wie sieht es andersherum aus? Besteht für Mitarbeiter:innen möglicherweise das Risiko, bei Beförderungen weniger berücksichtigt zu werden? Oder dass die eigene Karriere insgesamt auf dem Abstellgleis landet?

Fünf Mal so viel Home Office in den USA

Alleine in den USA hat sich die Zahl der Arbeitnehmer:innen, die zumindest zum Teil im Home Office arbeiten in den letzten 30 bis vierzig Jahren verfünffacht. Und in Deutschland arbeiteten schon vor Corona rund 50 Prozent der Arbeitnehmenden im Home Office – vollständig oder auch nur einzelne Tage. Die Digitalisierung schafft diesbezüglich immer weitere Möglichkeiten und sorgt somit für gesteigerte Flexibilität. In den kommenden Jahren – so die Annahme – dürfte das Home Office weiter an Relevanz hinzugewinnen. Ein Umstand, der auch die Umwelt schützen kann. Immerhin reduziert sich dadurch der Pendelverkehr zum Arbeitsplatz und wieder nach Hause.

Und für Mitarbeiter:innen ergeben sich zudem weitere Vorteile, beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Dadurch kann sich die Work-Life-Balance verbessern.

Weniger Arbeitsleistung von zuhause aus?

Trotz allem wird bei Arbeit im Home Office oft noch immer davon ausgegangen, dass die Menschen hier weniger Arbeitsleistung erbringen. Hinzu kommt, dass Interessenverbände für Arbeitnehmer:innen auch davor warnen, dass Menschen vereinsamen könnten, wenn sie zu oft und zu viel von zuhause aus arbeiten und keine Interaktion mehr mit Kolleg:innen haben.

Somit hält sich die Beurteilung vom Home Office vielfach die Waage – mal wird es als positiv betrachtet, oftmals von Arbeitnehmer:innen, mal als negativ eingeschätzt, tendenziell eher von Arbeitgeber:innen.

Eine Studie der Stanford University (von 2013) allerdings machte deutlich, dass die Produktivität der Mitarbeiter:innen eines chinesischen Reisebüros um 13 Prozent zunahm. Die Gründe dafür: die Mitarbeiter:innen machten im Home Office weniger Pausen und erhielten während der Arbeitszeit zudem weniger Anrufe. Ebenso fiel im Rahmen der Studie auf, dass die Mitarbeiter:innen insgesamt zufriedener waren und zudem länger im Unternehmen verblieben.

Home Office als Karrierekiller?

In einer genaueren Analyse der Studienergebnisse kam allerdings auch ein großer Nachteil hervor. Mitarbeiter:innen im Home Office wurden deutlich weniger für Beförderungen berücksichtigt als ihre Kolleg:innen, die vor Ort im Büro arbeiteten. Die Aufstiegschancen für die Mitarbeitenden im Home Office sind somit – zumindest in dieser Studie – geringer einzustufen. Allerdings sollten die Führungsebenen inzwischen auch auf die veränderten Anforderungen von und für Mitarbeiter:innen reagieren – und nicht abhängig vom Standortüber Fortbildungen, Beförderungen etc. entscheiden.

Die Benachteiligung mancher Mitarbeiter:innen aus der Studie mag auch daran liegen, dass vor Ort im Büro einfacher Kontakt zu anderen Menschen aufgebaut werden und das eigene Netzwerk verstärkt werden kann. Viele Mitarbeiter:innen aus der Studie wollten somit auch wieder verstärkt im Büro arbeiten und weniger im Home Office. Einer enreach-Studie zufolge sehen deutsche Arbeitnehmer:innen die Sachlage allerdings anders. Sie gehen davon aus, dass die Arbeit im Home Office ihre Karriere nicht einschränken würde.

Letzten Endes kommt es dabei vermutlich auf eine gesunde Balance an. Neben der Arbeit zuhause im Home Office, die die Produktivität auch steigern kann, sollte auch ein gewisser Teil der Arbeitszeit vor Ort im Büro in Betracht gezogen werden – je nach Job und Aufgabenbereich. Um sich mit Kolleg:innen intensiver austauschen zu können oder auch Kontakte zu knüpfen.

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