Human Resources
Immer online, selten erholt: Fast 50 Prozent der Social-Media-Profis leiden unter Burn-out

Immer online, selten erholt: Fast 50 Prozent der Social-Media-Profis leiden unter Burn-out

Marié Detlefsen | 27.03.26

Zwischen Likes, Trends und Dauer-Online-Sein geraten immer mehr Social-Media-Profis an ihre Grenzen. Erfahre, wie hoch der mentale Druck wirklich ist und warum viele bereits ans Aufhören denken.

Scrollen, posten, reagieren, analysieren – und das bitte am besten gleichzeitig. Was nach einem hippen Job klingt, entpuppt sich für viele Social-Media-Profis und Content Creator als echter Drahtseilakt zwischen Kreativität und Dauerstress. Eine aktuelle Well-Being-Studie von Metricool zeigt ziemlich deutlich: Hinter der scheinbar glänzenden Welt der Feeds und Stories steckt eine Branche, die mit massiver Überlastung kämpft.

Burn-out vorprogrammiert: 60 Prozent arbeiten allein im Social-Media-Bereich

Social Media ist längst kein „Nebenbei-Job“ mehr. Wer heute Accounts betreut, jongliert mit einer ganzen Palette an Aufgaben: Kampagnen planen, Inhalte produzieren, Daten auswerten, Communitys moderieren, und im Zweifel auch noch Shitstorms managen. Laut der Studie sind über 90 Prozent der Befragten sowohl für die strategische Planung als auch für die Content-Erstellung verantwortlich. Das Problem: Viele machen das nicht im Team, sondern alleine. Rund 60 Prozent arbeiten ohne zusätzliche Unterstützung. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, oft ohne Rücksprache, und Fehler sind in der Öffentlichkeit sofort sichtbar. Dieser permanente Druck sorgt dafür, dass sich viele Social-Media-Verantwortliche dauerhaft angespannt fühlen.

Rund 60 Prozent arbeiten ohne zusätzliche Unterstützung, © Metricool
Rund 60 Prozent arbeiten ohne zusätzliche Unterstützung, © Metricool

Ein weiterer entscheidender Stressfaktor ist die permanente Verfügbarkeit, die in der Social-Media-Branche fast schon vorausgesetzt wird. Plattformen schlafen nicht, und entsprechend fühlen sich viele Profis (35 Prozent) dazu verpflichtet, jederzeit erreichbar zu sein. Die Studie zeigt, dass 37 Prozent der Befragten sehr häufig Überstunden leisten, während weitere 36 Prozent zumindest gelegentlich länger arbeiten als geplant. Besonders extrem ist die Situation bei Freelancern und Selbstständigen: Hier liegt der Anteil derjenigen, die regelmäßig über ihre Grenzen gehen, bei über 80 Prozent.

37 Prozent leisten sehr häufig Überstunden im Social-Media-Bereich, © Metricool
37 Prozent leisten sehr häufig Überstunden im Social-Media-Bereich, © Metricool

Zwischen Strategie, Content und Burn-out

Die Zahlen der Studie zeichnen ein ziemlich klares Bild davon, wie stark die psychische Belastung inzwischen ist:

  • 46 Prozent haben bereits Burn-out oder einen Zustand kurz davor erlebt
  • 69 Prozent fühlen sich mental erschöpft
  • 73 Prozent berichten von sinkender Motivation oder Kreativität

Das ist besonders brisant, weil gerade Kreativität das Herzstück dieser Branche ist. Wenn genau diese Ressource versiegt, geraten viele in einen Teufelskreis aus Druck, Selbstzweifeln und noch mehr Überarbeitung. Ideen entstehen nicht mehr aus Inspiration, sondern unter Zwang, und genau das zehrt langfristig an der mentalen Gesundheit. So berichten 62 Prozent, dass sie Schwierigkeiten beim Abschalten außerhalb der Arbeit haben, und 50 Prozent spüren Stress im Zusammenhang mit den eigenen Ergebnissen.

Die Mehrheit der Social-Media-Profis klagen über Kreativitätsverlust, Burn-out und Stress, © Metricool
Die Mehrheit der Social-Media-Profis klagen über Kreativitätsverlust, Burn-out und Stress, © Metricool


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© RF._.studio _ – Pexels


Nur vier Prozent fühlen sich absolut fair bezahlt

Erschreckend ist auch, wie viele Social-Media-Profis über einen Ausstieg nachdenken. Mehr als die Hälfte der Agenturmitarbeitenden und fast die Hälfte der Freelancer haben laut Studie schon ernsthaft erwogen, der Branche den Rücken zu kehren. Ein Grund dafür liegt nicht nur in der Arbeitslast, sondern auch in der Bezahlung und Wertschätzung:

  • Nur vier Prozent fühlen sich uneingeschränkt fair bezahlt
  • Rund 60 Prozent empfinden ihre Vergütung als zu niedrig
  • 57 Prozent haben den Eindruck, dass ihre Arbeit weniger anerkannt wird als andere Marketing-Disziplinen

Das sorgt für Frust, vor allem, weil Social Media längst eine zentrale Rolle für Markenkommunikation und Unternehmenserfolg spielt. Viele tragen Verantwortung für Reichweite, Marken-Image und direkte Kund:innenkommunikation, fühlen sich dabei aber oft nicht entsprechend gesehen.

Die Mehrheit empfindet die eigene Vergütung als zu niedrig, © Metricool
Die Mehrheit empfindet die eigene Vergütung als zu niedrig, © Metricool

Mit KI-Tools gegen Stress und Burn-out

Viele setzen daher inzwischen auf KI-Tools und Automatisierung, um den Arbeitsalltag zu bewältigen. Etwa 72 Prozent nutzen solche Technologien. Doch die Hoffnung, dass Technik den Druck reduziert, erfüllt sich nur bedingt. Statt echte Entlastung zu schaffen, sorgen die Tools häufig nur dafür, dass das stetig wachsende Arbeitspensum überhaupt noch zu bewältigen ist. Was sich viele stattdessen wünschen, ist eigentlich ziemlich grundlegend: klarere Prozesse, realistisch gesetzte Ziele und vor allem weniger kurzfristige Änderungen. So gaben unter den 25-Jährigen etwa 55 Prozent und bei den 25- bis 50-Jährigen etwa 33 Prozent an, sich am Tag nur um Last-Minute-Aufgaben und kurzfristige Angelegenheiten kümmern zu müssen. Doch genau diese spontanen Anpassungen sind es, die den Arbeitsalltag zusätzlich unberechenbar und stressig machen.

Viele Social-Media-Profis haben mit Last-Minute-Anfragen zu kämpfen, welche den Stress erhöhen, © Metricool
Viele Social-Media-Profis haben mit Last-Minute-Anfragen zu kämpfen, welche den Stress erhöhen, © Metricool

Die Studie macht deutlich, dass Burn-out in der Social-Media-Welt kein Einzelfall mehr ist, sondern ein strukturelles Problem. Die Mischung aus hoher Verantwortung, permanenter Erreichbarkeit und fehlender Wertschätzung bringt viele an ihre Grenzen.

Wenn Unternehmen langfristig von kreativen und leistungsfähigen Social Media Teams profitieren wollen, braucht es mehr als nur Tools und Trends. Es geht um bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und vor allem um eins: die Erkenntnis, dass hinter jedem Post ein Mensch steht – und kein Algorithmus.


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