Human Resources
Wunsch oder finanzielle Notwendigkeit? Jeder vierte Babyboomer will auch nach dem Renteneintritt weiter arbeiten

Wunsch oder finanzielle Notwendigkeit? Jeder vierte Babyboomer will auch nach dem Renteneintritt weiter arbeiten

Marié Detlefsen | 03.04.25

Immer mehr Menschen stehen vor der Frage, ob sie auch nach dem Renteneintritt weiterarbeiten möchten – oder müssen. Eine aktuelle Studie zeigt, welche Generationen besonders betroffen sind und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

Die Diskussion um die Zukunft der Rente in Deutschland bleibt weiterhin omnipräsent. Während politische Entscheidungsträger:innen über Modelle wie die Aktivrente oder eine schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre debattieren, stellt sich die Frage: Wie stehen Arbeitnehmer:innen selbst zu einem längeren Verbleib im Berufsleben? Eine aktuelle forsa-Studie im Auftrag von XING zeigt: Jede:r achte Beschäftigte kann sich schon heute vorstellen, über das bisherige Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten – ob allerdings freiwillig oder aus finanziellen Gründen ist nicht bei allen gleich.

Arbeiten nach dem Renteneintritt: Motivation oder Zwang?

Die Online-Umfrage befragte im Januar 2025 3.413 volljährige sozialversicherungspflichtige Erwerbstätige. Dabei stellte sich heraus, dass es zwei zentrale Beweggründe gibt, warum Menschen über das Renteneintrittsalter hinaus weiterarbeiten möchten oder müssen. Während gut zwei Drittel (70 Prozent) angeben, geistig fit bleiben zu wollen, nennen 56 Prozent den Erhalt sozialer Kontakte als Grund. Zudem sieht jede:r Zweite (50 Prozent) die Weiterarbeit als persönliche Sinnerfüllung. Auffällig ist, dass Männer häufiger die geistige Herausforderung als Motivation nennen, während für Frauen soziale Interaktionen eine größere Rolle spielen.

Auf der anderen Seite bleibt die finanzielle Lage ein entscheidender Faktor: 48 Prozent der Befragten geben an, aus wirtschaftlichen Gründen nach dem Renteneintrittsalter weiterarbeiten zu müssen. Besonders betroffen sind Frauen: 63 Prozent von ihnen befürchten, dass ihre Rente nicht ausreichen wird, während dieser Wert bei Männern bei 40 Prozent liegt. Frauen sind auch weiterhin stärker von Altersarmut betroffen als ihre männlichen Kollegen.

Frauen müssen häufig aus finanzieller Notwendigkeit länger arbeiten, © XING

Laut dergleichen XING Studie ist etwa ein Fünftel der Frauen ab 65 Jahren in Deutschland von Altersarmut bedroht, unter anderem aufgrund der weiterhin bestehenden Einkommensunterschiede. Daher planen mehr Frauen als Männer, bis zum regulären Renteneintrittsalter zu arbeiten. Thomas Kindler, Managing Director bei XING, warnt in diesem Rahmen:

Frauen sind viel häufiger von Altersarmut betroffen als Männer. Sobald Kinder da sind, treten beruflich kürzer, übernehmen große Teile der Care-Arbeit und kehren später in Teilzeit in ihren Job zurück. Wenn wir das ändern wollen, müssen wir die Rahmendbedingungen für Frauen, aber auch für berufstätige Männer ändern.

Was denken Arbeitnehmer:innen über den Renteneintritt?

Generell gesehen gehen die Ansichten und Vorstellungen über den Renteneintritt auseinander:

  • So haben sich sieben Prozent darüber noch keine Gedanken gemacht,
  • 48 Prozent möchten bis zum regulären Renteneintrittsalter mit 65 beziehungsweise 67 Jahren arbeiten,
  • 33 Prozent würden gerne früher in Rente gehen
  • und 13 Prozent können sich vorstellen, über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus weiterzuarbeiten.

Das Thema spielt für unterschiedliche Generationen aber auch verschiedene Rollen. Während 17 Prozent der unter 28-Jährigen nicht wissen, wann sie in ferner Zukunft in Rente gehen wollen, hat bereits jeder vierte Babyboomer längst beschlossen, auch im hohen Alter noch weiter zu arbeiten. Dies macht allerdings deutlich, dass das Thema für einige aufgrund ihres Alters einen höheren Stellenwert einnimmt, als bei jüngeren Arbeitnehmer:innen. Noch dazu ist weiterhin fraglich, wie sich die Rente in Zukunft weiterentwickeln wird.

Wie Arbeitgeber:innen ältere Arbeitnehmer:innen motivieren können

Außerdem ist es in Zeiten des Fachkräftemangels auch aus Sicht der Unternehmen wichtig, Mitarbeitende so lange wie möglich zu halten. Doch wie können Arbeitgeber:innen ihre Angestellten dazu motivieren, auch nach dem Renteneintritt noch weiter zu arbeiten? In diesem Fall können Unternehmen verschiedene Anreize bieten, um Arbeitnehmer:innen zu ermutigen. Darunter unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle, beispielsweise eine Reduzierung der Wochenstunden. Solch ein Modell wäre für etwa 34 Prozent der Befragten ein Anreiz, länger im Unternehmen zu verweilen. Auch eine überdurchschnittliche Bezahlung könnte 18 Prozent der Arbeitnehmer:innen überzeugen, während steuerliche Vorteile für 16 Prozent eine attraktive Option darstellen würden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass der Wunsch oder die Notwendigkeit, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten, stark von individuellen Umständen abhängen. Während viele aus eigenem Antrieb beruflich aktiv bleiben möchten, sieht sich ein erheblicher Teil aus finanziellen Gründen dazu gezwungen. Unternehmen könnten mit gezielten Maßnahmen dazu beitragen, die Arbeitswelt für ältere Beschäftigte attraktiver zu gestalten. Letztlich bleibt es allerdings vor allem eine gesellschaftliche Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, die sowohl den Wunsch nach beruflicher Erfüllung als auch die Notwendigkeit eines sicheren Ruhestands berücksichtigen.


Über das Rentenalter hinaus arbeiten:

Mehr als die Hälfte bereit dazu

Über das Rentenalter hinaus arbeiten: Mehr als die Hälfte bereit dazu.
© Andrea Piacquadio – Pexels, via Canva

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.