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Scam im Karrierenetzwerk: Warum LinkedIn immer häufiger zur Betrugsfalle wird

Scam im Karrierenetzwerk: Warum LinkedIn immer häufiger zur Betrugsfalle wird

Marié Detlefsen | 09.01.26

Zu gut um wahr zu sein? Diese Aussage trifft leider auf eine Vielzahl von Jobangeboten auf LinkedIn zu, denn die Betrugsmaschen nehmen weltweit rasant zu. Wir zeigen dir, wie ausgefeilt moderner Scam funktioniert und wie du dich effektiv davor schützt.

LinkedIn gilt für viele Arbeitnehmer:innen, Freelancer und Jobsuchende als digitales Sprungbrett für die Karriere. Doch genau dort, wo Hoffnung auf beruflichen Aufstieg herrscht, schlagen Betrüger:innen besonders effektiv zu. Der Social Media Consultant Matt Navarra macht in einem aktuellen Thread Post auf die Gefahr aufmerksam: Scam und Betrug auf LinkedIn haben weltweit ein alarmierendes Ausmaß erreicht – und werden immer raffinierter.

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Was auf den ersten Blick wie vereinzelte Betrugsversuche wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als global organisiertes Phänomen. Laut dem Community Report von LinkedIn und einem Beitrag von rest of the world hat LinkedIn allein im Zeitraum Juli bis Dezember 2024 über 80,6 Millionen gefälschte Accounts bereits bei der Registrierung entfernt. Diese Zahl verdeutlicht, mit welcher Masse an Fake-Profilen die Plattform konfrontiert ist.

Doch die eigentliche Gefahr liegt nicht nur in der schieren Menge, sondern in der Anpassungsfähigkeit der Täter:innen, welche sich an kulturellen, wirtschaftlichen und branchenspezifischen Gegebenheiten orientieren. So werden etwa in Ländern mit starkem Tech-Sektor gezielt gut bezahlte IT-Jobs als Köder eingesetzt. In Regionen mit weniger regulierten Arbeitsmärkten wiederum spielen persönliche Empfehlungen eine zentrale Rolle. Und dort, wo wirtschaftliche Unsicherheit besonders hoch ist, setzen Betrüger:innen auf Versprechen von Stabilität, festen Verträgen und Remote-Arbeit.

Scams durch über 80 Millionen Fake Accounts bedingt

Bei den Scams spielt die emotionale Ausgangslage vieler Betroffener eine entscheidende Rolle. Steigende Lebenshaltungskosten, globale Entlassungswellen und unsichere Arbeitsmärkte sorgen dafür, dass Skepsis häufig von Hoffnung überlagert wird. Wer dringend einen Job sucht, hinterfragt ein verlockendes Angebot oft weniger kritisch.

Genau hier setzen moderne Job-Scams an. Anders als klassisches Phishing wirken sie nicht plump oder offensichtlich. Die Fake-Profile sind detailliert ausgearbeitet, verfügen über Profilbilder, angebliche Karrierestationen, Kontakte und sogar eigene Beiträge. Die erste Kontaktaufnahme ist meist persönlich formuliert und bezieht sich konkret auf den Lebenslauf der angesprochenen Person.

Beispiele von einem Job-Scam auf LinkedIn, © renewable_energy_club auf LinkedIn
Beispiele von einem Job-Scam auf LinkedIn, © renewable_energy_club auf LinkedIn

Dabei ist es meist gar nicht so einfach, einen Scam auf den ersten Blick zu erkennen, denn häufig existieren die genannten Unternehmen tatsächlich. Websites, Karriereseiten und sogar Ansprechpartner:innen lassen sich online finden. Die Betrüger:innen nutzen diese reale Kulisse, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen, auch wenn sie in Wahrheit keinerlei Verbindung zur Firma haben.

Der weitere Verlauf folgt oft einem ähnlichen Muster. Nach der ersten Kontaktaufnahme soll die Kommunikation aus dem LinkedIn Chat heraus verlagert werden, etwa auf E-Mail oder Messenger-Dienste wie WhatsApp. Ein klassisches Bewerbungsgespräch wird umgangen oder durch einen informellen Austausch ersetzt. Spätestens hier beginnt der eigentliche Betrug. Manche Opfer werden dazu gebracht, persönliche Daten wie Ausweiskopien oder Bankinformationen preiszugeben. Andere sollen Geld vorstrecken, unter anderem etwa für angebliches Arbeitsequipment oder Schulungen. In besonders schweren Fällen werden Betroffene sogar aufgefordert, Bankkonten auf ihren eigenen Namen zu eröffnen, die später für Geldwäsche missbraucht werden.


Achtung, Red Flag:

So erkennst du, ob ein Jobangebot echt oder Betrug ist

© Ben Sweet – Unsplash


Woran sich Job-Scams erkennen lassen

LinkedIn selbst betont, dass ein Großteil der betrügerischen Konten inzwischen proaktiv erkannt und entfernt wird, noch bevor Nutzer:innen sie melden. Zusätzlich setzt die Plattform auf Verifizierungsabzeichen für Recruiter und Stellenanzeigen, Warnhinweise in Nachrichten sowie Filter für geprüfte Jobs. Zudem gibt es Warnsignale, auf die Nutzer:innen achten sollten:

1. Profile kritisch prüfen und Profilbilder hinterfragen: Wirken Profile zu perfekt oder unlogisch? Fehlen konkrete Angaben oder gibt es Lücken? Zudem nutzen viele Fake-Accounts KI-generierte Fotos. Diese wirken oft glatt, künstlich oder haben auffällig unscharfe Hintergründe. Ein Blick auf das Profil gibt Aufschluss darüber, ob es sich um ein verifiziertes Profil handelt.

2. Aktivität beobachten: Echte Nutzer:innen interagieren. Profile, die kaum eigene Inhalte posten, nicht kommentieren oder ausschließlich fremde Beiträge teilen, sollten skeptisch machen.

3. Kommunikationswechsel ablehnen: Der schnelle Wunsch, LinkedIn zu verlassen und auf Messenger-Dienste zu wechseln, ist ein häufiges Betrugsmerkmal.

4. Niemals Geld oder sensible Daten weitergeben: Keine seriösen Arbeitgeber:innen verlangen Vorauszahlungen, Bankdaten vor Vertragsabschluss oder die Eröffnung von Konten im eigenen Namen.

5. Immer noch unsicher? Dann schau auf der offiziellen Website des Unternehmens nach. Existiert die ausgeschriebene Stelle wirklich und stimmen die Inhalte überein?

Wer sich der gängigen Maschen bewusst ist, Profile kritisch prüft und auf sein Bauchgefühl hört, kann das Risiko eines Scams deutlich reduzieren. Denn im Kampf gegen digitale Betrüger:innen ist eines entscheidend: informierte Nutzer:innen lassen sich deutlich schwerer täuschen.


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