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Human Resources
Bewerbungsangst: Warum sich jede:r Dritte vor dem Jobwechsel scheut

Bewerbungsangst: Warum sich jede:r Dritte vor dem Jobwechsel scheut

Marié Detlefsen | 11.07.24

Trotz guter Jobchancen scheut sich jede:r Dritte vor dem Bewerbungsprozess – Stress, Unsicherheit und Angst vor Ablehnung stehen dabei an erster Stelle. Erfahre, wo die Herausforderungen für Bewerbende liegen und wie Unternehmen die Motivation der Bewerber:innen steigern können.

Derzeit gibt es hierzulande zahlreiche offene Stellen und gute Jobchancen; und doch zeigt eine aktuelle Umfrage von Indeed: Viele Menschen in Deutschland haben Angst vor Bewerbungen. Laut der Studie scheut sich jede:r dritte Arbeitnehmer:in in Deutschland vor dem Bewerbungsprozess. Dies ist besonders alarmierend, da es den Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels noch schwerer macht, geeignete Kandidat:innen zu finden. Laut der Bundesagentur für Arbeit sind derzeit mehr als 700.000 Stellen unbesetzt. Doch warum scheuen sich Arbeitnehmer:innen so vor dem Bewerbungsprozess? Wir haben Antworten.

Angst vor Ablehnung, schlechtem Feedback und Ghosting

Mehr als die Hälfte der von Appinio für Indeed 1.000 Befragten (52 Prozent) schreibt ungern Bewerbungen und gab dafür Stress und Druck als Hauptgründe an. Dabei haben 46 Prozent Angst vor Ablehnung und schlechtem Feedback. Insbesondere das Vorstellungsgespräch bereitet vielen Kopfzerbrechen. Für 56 Prozent der Befragten ist dieser Teil des Prozesses am unangenehmsten. Besonders junge Menschen zwischen 16 und 20 Jahren (75 Prozent) empfinden diesen Teil des Prozesses als besonders belastend. Die Unsicherheit über die Erfolgschancen trägt ebenfalls zur Angst bei (38 Prozent).

Allerdings können negative Erlebnisse im Bewerbungsprozess die Motivation erheblich beeinträchtigen. Fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent) gaben an, dass solche Erfahrungen ihre Bereitschaft, sich erneut zu bewerben, negativ beeinflussen. Besonders junge Menschen sind davon betroffen (82 Prozent). Zusätzlich haben zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) bereits Ghosting durch Unternehmen erlebt, was ebenfalls demotivierend wirkt. 30 Prozent der Befragten gaben außerdem an, dass langsame Prozesse und mangelnde Rückmeldungen weiter zum Frust beitragen.

Mit offener Kommunikation gegen die Bewerbungsangst

Unternehmen müssen den Bewerbungsprozess daher attraktiver und weniger stressig gestalten. Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed DACH, betont, dass ein transparenter, effizienter und empathischer Bewerbungsprozess entscheidend ist:

Wenn der Bewerbungsprozess so unattraktiv ist, dass er Talente abschreckt, haben wir ein Problem. Unternehmen sind jetzt umso mehr gefordert, sich auf Jobsuchende einzulassen und sie wieder stärker zu motivieren, sich zu bewerben. Er muss nicht nur einfach und effizient sein, sondern die Umfrage zeigt auch: Arbeitgeber:innen müssen Bewerbenden ihre Angst und die Unsicherheit nehmen. Das gelingt, indem sie transparent und auf Augenhöhe mit Kandidat:innen kommunizieren und eine Feedbackkultur etablieren, die nicht abschreckt.

Eine direkte Ansprache durch Unternehmen kann zum Beispiel die Bereitschaft zur Bewerbung deutlich erhöhen. Zwei von drei Befragten (67 Prozent) würden sich eher bewerben, wenn sie direkt von Arbeitgeber:innen angesprochen würden. Allerdings nutzen viele Unternehmen diese Möglichkeit nicht ausreichend. So gaben nur vier von zehn Befragten an, selten oder nie direkt von Recruitern oder Headhuntern auf einen Job angesprochen worden zu sein. Zudem sollten die Stellenangebote besser auf die Qualifikationen und Karriereziele der Kandidat:innen abgestimmt sein. Nur jede:r Zehnte gab an, dass die Stellenangebote tatsächlich zu den eigenen Qualifikationen und Zielen passten. Dies Kluft liegt allerdings nicht allein in der Hand der HR Teams, wenngleich diese Stellenangebote mitunter variabler gestalten könnten. In diesem Kontext ist aber auch die Flexibilität der Bewerbenden gefragt.

KI kann im Bewerbungsprozess unterstützen

Mittlerweile gibt es zahlreiche Technologien, welche dabei helfen können, den Bewerbungsprozess effizienter zu gestalten. KI-Tools wie zum Beispiel ChatGPT können Lebensläufe erstellen sowie passende Jobs im Internet suchen und Text-Tools können personalisierte Anschreiben für Personen verfassen. Auch Indeed nutzt unter anderem Künstliche Intelligenz, um die Anforderungen von Stellenanzeigen mit den Lebensläufen der Kandidat:innen abzugleichen. So werden nur diejenigen kontaktiert, die wirklich zur Stelle passen. Dies minimiert unpassende Ansprachen und erhöht die Chance, dass sich die Bewerber:innen mit dem Jobangebot identifizieren können. Andere Jobnetzwerke, wie zum Beispiel LinkedIn, sind ebenfalls auf den Zug aufgesprungen und bieten bereits eine Vielzahl an KI-Tools, um bei der Bewerbung effektiv zu unterstützen.

Dennoch ist die Angst vor Bewerbungen weit verbreitet und wird durch stressige Prozesse, Unsicherheit und negative Erfahrungen verstärkt. Unternehmen sind gefordert, ihre Bewerbungsprozesse zu überdenken und zu verbessern. Direkte Ansprache und der Einsatz von Technologie können dabei helfen, den Frust zu minimieren und die Motivation der Kandidat:innen zu erhöhen. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dies entscheidend, um die passenden Talente zu finden und zu binden. Dennoch sollten Bewerbende auch versuchen, über ihren eigenen Schatten zu springen und sich den Herausforderungen im Bewerbungsprozess zu stellen.


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© Ron Lach – Pexels

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