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US-Tok, TikTok by Amazon oder OnlyFans-Koop? Kaufinteresse für TikTok in Overdrive

US-Tok, TikTok by Amazon oder OnlyFans-Koop? Kaufinteresse für TikTok in Overdrive

Niklas Lewanczik | 03.04.25

Das Fristende für den Verkauf von TikTok in den USA naht, ein Plattformaus droht. Amazon möchte das mit einem Kauf verhindern. Auch Perplexity, der OnlyFans-Gründer und die USA selbst haben Interesse.

Am 5. April endet die Frist, die die USA dem chinesischen Tech-Konzern ByteDance mit dem globalen Tochterunternehmen TikTok gewährt haben, um einen Verkauf des US-Geschäfts an ein US-Unternehmen abzuschließen. Diese Frist folgte auf einen kurzzeitigen Shutdown im Januar, der denm Unternehmen aufgrund eines US-Gesetzes, das noch immer Bestand hat, das legitime Operieren untersagte. Nach nur einem Tag war TikTok wieder online. Zusicherungen vonseiten der neuen US-Regierung schützten das Unternehmen. Einige Zeit später waren die App dann auch wieder in den App Stores zum Download verfügbar. Aber die Unsicherheit bezüglich er Zukunft bleibt bis heute. Denn ByteDance möchte TikTok eigentlich nicht abstoßen, schon gar nicht den populären Algorithmus veräußern. Die USA drängen aber auf den Verkauf, US-Präsident Donald Trump liebäugelte sogar mit einem Kauf durch einen Investment-Fonds der Vereinigten Staaten.

Doch allen Äußerungen Trumps vom Jahresbeginn mit Hinblick auf eine rasche Lösung zum Trotz ist TikToks Zukunft noch ungeklärt. Und kurz vor dem Fristende gehen wieder Angebote ein, nicht zuletzt von Tech-Größe Amazon. Vielleicht bekommt TikToks Business bald ein neues Gesicht – oder doch mehr Zeit.


Kaufen die USA selbst bald TikTok?

Donald Trump vor TikTok-Logo auf Screen, schwarzer Hintergrund
© Solen FeyissaLibrary of Congress – Unsplash (bearbeitet via Canva)


Amazon gibt Last-Minute-Angebot für TikTok ab

Die Zahl der potentiellen Käufer:innen oder zumindest Interessent:innen für TikToks US-Geschäft ist groß. Kein Wunder, immerhin hat die Entertainment-Plattform einen festen Platz im Alltag vieler User. Im Durchschnitt verbrachten die User in Deutschland zu Anfang des Jahres 2024 rund 38 Stunden pro Monat auf TikTok. Das ging aus dem Digital Report 2024 von We Are Social und Meltwater hervor. Allein hierzulande nutzen 24,2 Millionen Menschen regelmäßig TikTok. In den USA liegt die Zahl bei über 150 Millionen. Zudem ist TikTok Trendsetter, ein wichtiger Player für das Digital Marketing, inzwischen eine relevante Suchalternative gerade für junge User und ein ambitionierter Online Shopping Player. Der jetzt auch in Deutschland angekommene TikTok Shop ist in den USA schon seit Jahren verfügbar.


TikTok Shop-Start in Deutschland:

Shopping-Revolution mit Haken?

Drei Smartphone Mockups mit TikTok LIVE, Shopping Content, Person im Video, die sich schminkt, weißer Hintergrund
© TikTok via Canva


In den vergangenen Monaten gab MrBeast, der YouTuber mit den meisten Followern (über 300 Millionen) öffentlich sein Interesse an TikTok bekannt, auch Microsoft, Oracle, die Initiative The People’s Bid for TikTok und diverse US-Milliardär:innen gelten als Kaufinteressent:innen. Dazu gehört unter anderem Tim Stokely, der Gründer der Entertainment-Plattform OnlyFans. Dieser möchte nach Informationen von ZEIT ONLINE mithilfe eines Kryptowährungsnetzwerks des US-Geschäfts von TikTok habhaft werden. Neben weiteren US-Milliardär:innen hat auch das Unternehmen Perplexity nach CNBC-Informationen schon vor Monaten einen Vorschlag zur Fusion mit TikTok in den USA eingereicht. Kürzlich gab das Unternehmen sogar auf dem eigenen Blog einen Plan für die Kombination aus der ByteDance-Tochter und der AI Answering Machine bekannt. Dabei schlägt man ByteDance vor, den Algorithmus nicht zu kaufen und warnt vor dem Kauf durch einen Megakonzern wegen der Monopolisierungsgefahr. Perplexity schreibt:

[…] Perplexity is singularly positioned to rebuild the TikTok algorithm without creating a monopoly, combining world-class technical capabilities with Little Tech independence. Any acquisition by a consortium of investors could in effect keep ByteDance in control of the algorithm, while any acquisition by a competitor would likely create a monopoly in the short form video and information space. All of society benefits when content feeds are liberated from the manipulations of foreign governments and globalist monopolists […] .

Solch ein Kauf ist aber nicht unwahrscheinlich, allein wegen der Geldmittel, die viele Milliardär:innen oder Perplexity nur mit einem Konsortium beschaffen könnten. Amazon hingegen hat genug Kapital zur Verfügung. Und der Konzern hat laut New York Times ein Angebot für TikTok vorbereitet. Die Regierung ist nach Informationen des Publishers aber von diesem noch nicht überzeugt. Und so geht das Wettbieten weiter. Dabei könnte Oracle einen Vorteil haben, weil das Tech-Unternehmen bereits die Datenverwaltung von TikTok-User-Daten in den USA betreut.

US-Beteiligung noch möglich?

Eine Variante, bei der TikToks US-Geschäft komplett durch die USA übernommen wird, wie es sich Donald Trump vor einiger Zeit öffentlich ausmalte, scheint kaum realistisch. Doch nach Angaben von The Information soll er ByteDance ein Angebot machen wollen, bei dem der Konzern einen Anteil des US-Geschäfts behält – wohl weniger als 20 Prozent –, während die USA an einem neu gegründeten Unternehmen namens TikTok America mitverdienen.

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Dabei würde ein Konsortium von US-Investor:innen das Geschäft TikToks in den USA kaufen und in das neue Unternehmen eingliedern. Ob es aber tatsächlich zu dieser Kompromisslösung kommt, ist im turbulenten Hin und Her um TikTok in den USA kaum abzusehen – zumal die Regierung zuletzt durch unvorhersehbare Entscheidungen für Furore sorgte. Eine weitere Fristverlängerung für TikTok ist nicht ausgeschlossen, immerhin ist die Plattform für die Wirtschaft, aber auch Politiker:innen relevant. Doch sie würde das Kernproblem nicht lösen.

Daher dürfen wir mit Spannung verfolgen, welche Pläne bis zum 5. April als finale Lösung präsentiert werden; und ob ByteDance diesen zustimmt oder die Drohung aus dem Jahr 2024 wahr macht: lieber Shutdown als Verkauf in den USA. Ein Zeichen zur Verkaufsbereitschaft bleibt bisher aus.


Über das die unsichere Zukunft von TikTok habe ich schon im Januar mit Stella-Sophie Wojtczak von t3n diskutiert.

Disclaimer: t3n und OnlineMarketing.de gehören zu Yeebase und sind jeweils Teil der heise-Familie.


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