Human Resources
Erstaunlich viele Angestellte bekommen Aufgaben, für die ihnen die Skills fehlen

Erstaunlich viele Angestellte bekommen Aufgaben, für die ihnen die Skills fehlen

Marié Detlefsen | 26.10.26

Kompetenzlücken sind in vielen Unternehmen bekannt, werden aber oft zu spät angegangen. Eine internationale Studie zeigt, wie stark fehlende Fähigkeiten den Arbeitsalltag belasten – und warum auch die Einführung von KI darunter leidet.

Wer im Job Aufgaben übernehmen soll, für die das nötige Wissen oder die Erfahrung fehlt, steht schnell unter Druck. Laut dem „Workforce Readiness Report“ von Skillsoft ist das für viele Beschäftigte keine Ausnahme: Weltweit berichten 37 Prozent der befragten Arbeitnehmer:innen, dass ihnen häufig oder immer Aufgaben übertragen werden, für die sie nicht ausreichend qualifiziert sind. Unter Führungskräften liegt der Anteil sogar bei 54 Prozent.

Auch in Deutschland zeigt sich das Problem deutlich. Hier geben 41 Prozent der Mitarbeitenden und 59 Prozent der Führungskräfte an, dass Beschäftigte regelmäßig Aufgaben erledigen müssen, für die ihnen die erforderlichen Kompetenzen fehlen.

Zwei Tortendiagramme. Das linke zeigt 59 Prozent an und das rechte zeigt 41 Prozent an: 59 Prozent der Führungskräfte in Deutschland geben an, dass Beschäftigte regelmäßig Aufgaben erledigen müssen, für die ihnen die erforderlichen Kompetenzen fehlen, © Skillsoft
59 Prozent der Führungskräfte in Deutschland geben an, dass Beschäftigte regelmäßig Aufgaben erledigen müssen, für die ihnen die erforderlichen Kompetenzen fehlen, © Skillsoft

Wenn fehlende Skills zum Stressfaktor werden

Die Folgen reichen weit über einzelne schwierige Arbeitstage hinaus. 31 Prozent der befragten Mitarbeitenden nennen eine erhöhte Arbeitsbelastung und Burn-out als zentrale Konsequenzen von Kompetenzlücken. Fast ein Viertel (24 Prozent) berichtet von geringerem Engagement oder einer schwächeren Bindung ans Unternehmen. Auch die Kund:innenzufriedenheit leidet, worin 21 Prozent der Befragten eine Folge fehlender Kompetenzen sehen.

Führungskräfte nehmen die Auswirkungen teilweise anders wahr. Für 31 Prozent entstehen die größten Probleme bei der Qualitätssicherung. 26 Prozent sehen eine höhere Arbeitsbelastung und Burn-out als Konsequenz. Zudem nennen 23 Prozent Verzögerungen oder Fehlschläge bei der Einführung von KI, während 20 Prozent von Umsatzeinbußen oder verfehlten Geschäftszielen berichten.

Fehlende Skills werden oft zu spät erkannt

Obwohl Kompetenzlücken vielerorts bekannt sind, fehlt häufig der rechtzeitige Überblick darüber, welche Fähigkeiten tatsächlich vorhanden sind. Weltweit sagen 77 Prozent der Führungskräfte, dass es in ihrem Unternehmen derzeit solche Lücken gibt. Bei den Mitarbeitenden sind es 60 Prozent. In Deutschland liegen die Werte mit 79 beziehungsweise 61 Prozent sogar etwas höher.

Doch zwischen Problembewusstsein und konkretem Handeln klafft eine Lücke. Beschäftigte bemerken fehlende Fähigkeiten häufig erst, wenn sie bei einer Aufgabe nicht weiterkommen. Weltweit nennen 25 Prozent Schwierigkeiten bei der Arbeit als Auslöser. Ebenso viele entdecken die Lücken erst im Rahmen eines Entwicklungsgesprächs. In Deutschland liegen die Anteile bei 23 beziehungsweise 24 Prozent.

Hinzu kommt, dass Führungskräfte die Fähigkeiten ihrer Belegschaft deutlich optimistischer einschätzen als die Beschäftigten selbst. Weltweit sind 62 Prozent der Führungskräfte sehr zuversichtlich, dass ihr Unternehmen die für die Geschäftsziele nötigen Kompetenzen identifizieren kann. Unter den Mitarbeitenden teilen diese Einschätzung lediglich 35 Prozent. In Deutschland beträgt die Differenz 34 Prozent.


Zeitersparnis? Fehlanzeige!

50 Prozent der Beschäftigten brauchen mit KI länger für Aufgaben als ohne

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© Czapp Árpád – Pexels


Bei fehlenden Skills müssen Beschäftigte mehrere Monate auf Hilfe warten

Wer eine neue Fähigkeit benötigt, bekommt laut der Studie keine schnelle Unterstützung. Demnach mussten 37 Prozent der befragten Mitarbeitenden weltweit länger als drei Monate auf Hilfe beim Aufbau einer benötigten Kompetenz warten. In Deutschland waren es 36 Prozent. Jeder Zehnte erhielt überhaupt keine Unterstützung.

Säulendiagramm, das zeigt, wie lange Mitarbeitende im Schnitt auf Hilfe warten müssen. Viele Beschäftigte müssen mehrere Monate oder länger auf Hilfe bei Kompetenzlücken warten, © Skillsoft
Viele Beschäftigte müssen mehrere Monate oder länger auf Hilfe bei Kompetenzlücken warten, © Skillsoft

Das kann zum Problem werden, wenn Unternehmen gleichzeitig neue Technologien einführen und höhere Leistungen erwarten. Führungskräfte müssen dann nicht nur Ergebnisse kontrollieren, sondern auch Arbeit überprüfen, die Mitarbeitende mithilfe von KI erstellen. Weltweit wenden 38 Prozent zusätzliche zeitliche Ressourcen zur Prüfung KI-generierter Ergebnisse auf. In Deutschland sind es 30 Prozent.

Unternehmen und Beschäftigte profitieren von Weiterbildungen

Die Zahlen machen deutlich: Es reicht nicht, fehlende Skills grundsätzlich zu kennen. Unternehmen müssen auch wissen, welche Kompetenzen für konkrete Aufgaben gebraucht werden, welche davon bereits vorhanden sind und wo gezielte Weiterbildung nötig ist. Wer erst reagiert, wenn Qualität, Tempo oder Gesundheit der Beschäftigten leiden, riskiert zusätzliche Belastungen und schlechtere Ergebnisse. Ciara Harrington, Chief People Officer bei Skillsoft, sagt hierzu:

Langfristig werden die Unternehmen erfolgreich sein, die erkennen, auf welche Kompetenzen sie angewiesen sind. Sie kennen die Bereitschaft ihrer Belegschaft und schließen die Lücken, bevor die Umsetzung darunter leidet. KI einzuführen, ohne die Kompetenzen für eine effektive Nutzung aufzubauen, birgt ebenso viele Risiken wie ein zu langsames Vorgehen. Der entscheidende Unterschied wird darin liegen, wie gut Unternehmen ihre kombinierte Belegschaft aus Menschen und KI im Hinblick auf die Geschäftsergebnisse entwickeln und einsetzen.

Zudem zahlt sich die Weiterbildung der eigenen Mitarbeitenden langfristig aus. Die Beschäftigten können nach der Erlernung neuer Kompetenzen mehr Verantwortung übernehmen und gegebenenfalls sogar neue Arbeitsfelder übernehmen. Auch die Arbeitnehmer:innen haben Vorteile durch gezielte Weiterbildung. So geben 25 Prozent der Beschäftigten weltweit an, dass ihnen die Erlernung neuer Skills eine größere Jobsicherheit gibt, 20 Prozent berichten von einer Gehaltserhöhung und 13 Prozent übernahmen eine neue Position oder Rolle im Unternehmen.

Abbildung eines Säulendiagramms: Diese Vorteile haben Beschäftigte durch die Erlernung neuer Skills, © Skillsoft
Diese Vorteile haben Beschäftigte durch die Erlernung neuer Skills, © Skillsoft

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