Human Resources
Zeitersparnis? Fehlanzeige! 50 Prozent der Beschäftigten brauchen mit KI länger für Aufgaben als ohne

Zeitersparnis? Fehlanzeige! 50 Prozent der Beschäftigten brauchen mit KI länger für Aufgaben als ohne

Marié Detlefsen | 07.09.26

Künstliche Intelligenz soll den Arbeitsalltag schneller und effizienter machen. Doch offenbar klappt das nicht immer: Eine aktuelle US-Studie zeigt, dass Beschäftigte viel Vertrauen in ihre KI-Fähigkeiten haben – obwohl die Technologie häufig mehr Zeit kostet als die manuelle Erledigung.

KI kann Texte formulieren, Tabellen auswerten, E-Mails zusammenfassen, Präsentationen vorbereiten oder den ersten Entwurf für eine Recherche liefern. Kein Wunder also, dass viele Arbeitnehmer:innen die Technologie längst als festen Bestandteil ihres Berufsalltags betrachten. Wer mit ein paar gut gewählten Worten eine Aufgabe erledigen lassen kann, spart schließlich Zeit – zumindest in der Theorie.

In der Praxis sieht es offenbar etwas komplizierter aus. So zeigt eine aktuelle Untersuchung von WalkMe unter 2.037 arbeitenden US-Amerikaner:innen, die KI bei ihrer Arbeit verwenden: 90 Prozent der Befragten fühlen sich sicher im Umgang mit KI. Gleichzeitig sagen aber nur 24,6 Prozent, dass die Technologie bereits beim ersten Versuch das gewünschte Ergebnis liefert.

Eigene Fähigkeiten werden häufig überschätzt

Laut der Studie haben 50,2 Prozent nach eigenen Angaben schon mehr Zeit damit verbracht, eine KI zur Erledigung einer Aufgabe zu bringen, als die Aufgabe manuell gedauert hätte. Ein Prompt muss präzise sein. Dann fehlt ein Detail. Also noch einmal. Das Ergebnis klingt zunächst plausibel, trifft aber die eigentliche Aufgabenstellung nicht. Nächster Versuch. Anschließend müssen Fehler, Ungenauigkeiten oder ein merkwürdiger Schreibstil korrigiert werden. Und plötzlich ist aus der vermeintlichen Abkürzung ein kleiner Umweg geworden.

Die Zahlen zeigen somit eine deutliche Lücke zwischen der gefühlten Sicherheit im Umgang mit KI und ihrer tatsächlichen Zuverlässigkeit. Viele Beschäftigte wissen inzwischen, wie sie mit einem KI-Tool interagieren. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie damit bessere Ergebnisse erzielen oder diese schneller erhalten.

Grafik: Nur 45 Prozent der befragten Unternehmen in Amerika sehen eine Zeitersparnis durch die Nutzung von KI (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © WalkMe
Nur 45 Prozent der befragten Unternehmen in den USA sehen eine Zeitersparnis durch die Nutzung von KI (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © WalkMe

Ein Grund dürfte der fehlende Kontext sein. KI kann Anweisungen verarbeiten, kennt aber nicht zwangsläufig die internen Abläufe, Prioritäten und Besonderheiten eines Arbeitsplatzes. In einer separaten WalkMe-Studie waren deshalb nur zwölf Prozent der Beschäftigten vollständig davon überzeugt, dass KI den konkreten Kontext ihrer Arbeit versteht. Für Entscheidungen mit hoher Bedeutung vertrauten ihr sogar nur neun Prozent.

Mehr KI, mehr Erwartungsdruck

Parallel zur Verbreitung der Technologie steigen offenbar die Erwartungen. 51 Prozent der Befragten sagen, der KI-Einsatz habe dazu geführt, dass Vorgesetzte oder Teams innerhalb derselben Zeit mehr Leistung erwarten. Damit wächst auch der Druck, kompetent zu wirken. 33 Prozent gaben an, schon einmal ihre KI-Kenntnisse besser dargestellt zu haben, als sie tatsächlich waren. 32,5 Prozent haben laut Befragung bereits KI-generierte Arbeit als ihre eigene ausgegeben.

Allerdings sind beide Werte im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Der Anteil derjenigen, die in Meetings vorgaben, sich mit KI auszukennen, fiel von 45,2 Prozent im Jahr 2025 auf 28,3 Prozent im Jahr 2026. Das Übernehmen von KI-Arbeit als eigene sank von 48,7 Prozent auf 32,5 Prozent. Die Beschäftigten werden also offenbar vertrauter mit der Technologie. Das Problem verschwindet dadurch jedoch nicht.


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Jede:r Dritte wünscht sich Unterstützung bei KI

KI-Kompetenz ist dabei keineswegs nur ein Thema für Berufseinsteiger:innen. 53,6 Prozent der Befragten hatten bereits den Eindruck, dass eine Führungskraft die KI-Strategie, die sie öffentlich vertritt, selbst nicht vollständig versteht. Unternehmen führen KI demnach teilweise ein, während Führungskräfte und Beschäftigte gleichzeitig noch lernen, wie sich die Technologie sinnvoll in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lässt.

Deshalb wünschen sich 33,7 Prozent eine bessere Integration von KI in ihre täglichen Anwendungen. Zudem würden sich 30,2 Prozent über Unterstützung freuen, welche direkt in diesen Programmen eingebaut ist. Damit sind also nicht unbedingt mehr KI-Schulungen gefragt, sondern bessere Unterstützung während der eigentlichen Arbeit.

Spart KI wirklich Zeit?

Die Studie zeigt, dass die Nutzung von KI-Tools nicht zwangsläufig Zeit einspart. Wenn die Hälfte der befragten Arbeitnehmer:innen bereits erlebt hat, dass die Interaktion mit der KI länger dauert als die manuelle Erledigung, wird genau diese Annahme fragwürdig. Gleichwohl heißt das im Umkehrschluss, dass viele andere mithilfe von KI einzelne Aufgabenbewältigungen tatsächlich beschleunigen konnten. Für Unternehmen dürfte deshalb künftig nicht nur zählen, wie häufig KI eingesetzt wird. Entscheidend ist vielmehr, ob sie wirklich bessere Ergebnisse liefert, Nacharbeit reduziert und Arbeitszeit einspart. Denn am Ende zählt nicht, wie schnell ein Prompt geschrieben ist. Sondern ob danach wirklich weniger Arbeit übrig bleibt.

Dennoch haben immer mehr KI-Modelle ein besseres Verständnis und bieten mehr agentische Fähigkeiten, wodurch die Arbeitsabläufe vieler Beschäftigter und Unternehmen in unterschiedlichen Umgebungen deutlich optimiert werden können, wenn sie strategisch sinnvoll eingesetzt werden. Dazu zählen: OpenAIs Modell GPT-6 Astra, Gemini 3.8 Flash beziehungsweise 3.8 Flash Cyber, Metas Muse Spark 1.3 und  Claude Fable 5.1 beziehungsweise Mythos 5.1.


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© Igor Omilaev – Unsplash


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