Marketingstrategie

Online Marketing Fails: 7 Schritte, die dich in den digitalen Selbstmord treiben

Ein Live Chat, der nicht besetzt ist, oder verlassene Unternehmensaccounts im Social Web – es gibt Sünden im Online Marketing, die du nicht begehen solltest.

© gustavofrazao | fotolia.de

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Digitale Werbung ist einfach: Die Homepage ist schnell gemacht, der Werbebanner kurzerhand kreiert sowie platziert und die Social Media-Accounts leicht erstellt. Doch dann tut sich einfach nichts. So einfach ist es dann doch gar nicht, du kannst mit solch leichtfertigen Maßnahmen nämlich auch dein Unternehmen in den Ruin treiben. Nick Annetts hat auf ClickZ.com eine Liste mit Sünden zusammengestellt, die oft begangen werden und leicht vermeidbar gewesen wären.

7 Todsünden

1. “Kann man mal machen!” – Online Marketing als Zusatz

Digitales Marketing ist heute kein Zusatz mehr, die Verhältnisse haben sich verschoben: klassisches Marketing sollte daher weitestgehend als Erweiterung zur digitalen Strategie angesehen werden. Zielgruppen bildest und erreichst du heute zu großen Teilen auf digitalen Kanälen. Die Konsumenten surfen dieser Tage mit ihren mobilen Geräten im Internet, während sie fernsehen, von unterwegs, während sie beim Arzt oder auf den Bus warten – im Grunde genommen lassen sie sich keine Gelegenheit entgehen, zu ihren Smartphones zu greifen und ins Internet zu gehen. Sie sind also über digitale Kanäle am ehesten zu erreichen, während sie gleichzeitig vor lauter Reizüberflutung ihre Wahrnehmung für Außenreize einschränken.

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 © Flickr / Willem van Bergen, CC BY-SA 2.0

© Flickr / Willem van Bergen , CC BY-SA 2.0

Weil der Glanz klassischer Werbung also abgeblättert ist, oftmals Ziele verfehlt und digitales Marketing die allermeisten Bestrebungen auch noch messbar macht, sollte eine überstehende Strategie entwickelt werden, bei der die Onlineaktivitäten von Anfang an in die Kampagne integriert werden. Online Marketing ist umfangreich und komplex, also solltest du keine Zeit verlieren und Instrumente nicht erst kurz vor Schluss implementieren, weil du glaubst, dass klassisches Marketing noch immer King ist. Ist es nicht.

2. Apropos messbar machen

Nun hast du also keine Kosten und Mühen gescheut und ordentlich Ressourcen in Social Media und Webseiten investiert, um Nutzer zu gewinnen. Bei dieser Gelegenheit solltest du messen, was möglich und nötig ist! Die richtigen Metriken orientieren sich an deinen Unternehmenszielen, also nicht einfach wild drauf los messen. Wähle passende Kennzahlen aus. Ist es also dein Ziel, etwa den Traffic auf deiner Seite zu erhöhen, solltest du die Click-Trough-Rate messen. Die Anzahl deiner Follower kann dir bei der Social Media-Erfolgsmessung im Gegensatz zur Engagement Rate relativ egal sein, denn wichtig beim Monitoring ist hier unter anderem die Qualität der Follower, nicht die Quantität. Aber auch ganz normale Banner Ads jenseits sozialer Medien bieten großartige Messmöglichkeiten.

3. Live Chat – entweder besetzen oder abschaffen

Die meisten Nutzer werden den Live Chat auf einer Unternehmensseite noch nie in Anspruch genommen haben, weil sowieso von vornherein klar ist, dass die Wahrscheinlichkeit eine Antwort zu bekommen relativ gering ist und der Chat eher einer Werbemaßnahme gleich kommt. Wenn du also nicht vorhast, den Chat ständig besetzt zu halten, solltest du ihn dir lieber ganz sparen. Denn nichts ist für einen potentiellen Kunden, der Fragen hat, frustrierender als fehlender Support.

HTC hat auf seiner Website einen Chat mit Öffnungszeiten - sinnvoll!

HTC hat auf seiner Website einen Chat mit Öffnungszeiten – sinnvoll!

Eine Möglichkeit für den Chat wäre, ihn nur zu bestimmten Zeiten zur Verfügung zu haben. Der sollte dann aber auch funktionieren.

4. Verlassene Accounts

Es macht überhaupt keinen Sinn, jede existierende Plattform für seine Online Marketing Aktivitäten nutzbar machen zu wollen. Die Auswahl ist groß, während die Mission der Netzwerke jeweils eine andere ist. Informiere dich im Vorwege über die einzusetzenden digitalen Marketingkanäle und diejenigen, die für dein Unternehmen eher nicht infrage kommen. Denn die Plattformen sind auch Aushängeschild der Unternehmen. Sind sie verlassen und ungepflegt, wirft das ein schlechtes Licht auf deine Marke.

Das letzte Facebook-Post des Teehändlers Mariage Frères ist aus dem Februar dieses Jahres.

Das letzte Facebook-Post des Teehändlers Mariage Frères ist aus dem Februar dieses Jahres.

Der Produzent für edle Teesorten könnte vermutlich in einem weitaus besseren und professionelleren Licht dastehen, wäre der Unternehmensaccount nicht verlassen. Ein, zwei Beiträge die Woche sollten schon veröffentlicht werden, um die Nutzer bei der Stange zu halten. Bei einem derart langen Brachliegen des Accounts, kann man ihn auch gleich abschalten. Zwar ist der Account selbst gratis. Gerade für ein solches Unternehmen mit High End-Produkten aber wirkt sich die Verlassenheit nicht gerade positiv aus.

5. Mobile Friendly – eine Notwendigkeit 

Spätestens seit Mitte April ist die mobile Optimierung von Webseiten zumindest vor dem Hintergrund des drohenden Rankingabfalls Pflicht für Unternehmen. Wie im ersten Punkt schon erwähnt, sind die Nutzer heute mobil unterwegs, eine fehlende mobile Optimierung von Unternehmenswebseiten sind ihnen ein Graus, denn die Usability lässt mehr als zu wünschen übrig. Und ja, es gibt auch heute noch tatsächlich Firmenwebsites, denen es an Fortschritt mangelt.

Mit der mobilen Freundlichkeit sollte es im Hinblick auf Mobile Only aber nicht übertrieben werden. Der überwiegende Anteil der User verzichtet nämlich noch nicht auf stationäre Geräte, weshalb Einschränkungen wie auf Vine oder Instagram, die wirklich nur die grundlegendsten Funktionen in die Browserversion integriert haben, schnell zum Frustauslöser werden können.

Google Analytics zeigt die User in Echtzeit an: Desktop liegt hier trotz Mobile-Hypes latent vorn © Google

Google Analytics zeigt die User in Echtzeit an: Desktop liegt bei uns beispielsweise trotz des Mobile-Hypes latent vorn © Google

Es kommt sehr häufig vor, dass User sich auf dem Weg zur Arbeit mit ihrem Smartphone Produkte in einem Onlineshop ansehen, die sie dann abends vom stationären Rechner aus kaufen. Es ist aus diesem Grund sinnvoll, jeweils eine mobile und eine Browserversion anzubieten und den Nutzer in keinster Weise auf seiner Customer Journey einzuschränken.

6. Messen, aber Schlüsse vermissen lassen

So gut es auch sein mag alles zu messen, solltest du auch Schlüsse aus den vorliegenden Zahlen ziehen. Was nützen dir die ganzen Zahlen, wenn du ohnehin nicht in Erwägung ziehst, Analysen durchzuführen und deine Strategie danach auszurichten?

7. Die Sache mit dem Urheberrecht

Du solltest dich immer eingehend versichern, dass die Bilder, die du für deine Posts nutzt, auch mit den richtigen Lizenzen versehen sind. Fatal ist es, einfach Grafiken aus der Google Bildersuche oder dem Web zu nutzen. Aber auch Stockfotos haben so ihre Tücken: Es ist größtenteils nicht erlaubt, die Fotos für Social Media zu verwenden, da auf diesen Plattformen (aufgrund des Teilens) nicht nachvollzogen werden kann, wer sie wofür nutzt. Das Urheberrecht solltest du daher immer vor Augen haben. Ein recht gutes Netzwerk für Bilder und Grafiken ist Flickr. Du kannst bei der Suche den Lizenzvertrag einstellen, so dass dir nur Bilder angezeigt werden, die du auch weitestgehend bedenkenlos verwenden kannst. Du solltest diesbezüglich auf solchen Plattformen dennoch immer den Verstand einsetzen und keine Fotos auswählen, auf denen beispielsweise Passanten klar und deutlich gezeigt werden.

Fallen euch noch weitere Todsünden im digitalen Marketing ein? Wie sehen eure Erfahrungen aus?

Quelle: ClickZ

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

3 Gedanken zu „Online Marketing Fails: 7 Schritte, die dich in den digitalen Selbstmord treiben

  1. Peter

    Danke für diesen Artikel, der spricht einem echt aus der Seele. Vor allem das fehlende Verständnis dafür, dass man Onlinemarketing nicht mal nebenbei machen kann und dass viele überhaupt keine wirklichen Ziele für Ihre Aktivitäten definieren, ist ein großes Problem. Aber genau dafür braucht man Digital Media Marketing Spezialisten.

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