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Content gegen Kohle fürs KI-Training: Amazon könnte AI Marketplace für Publisher starten
© Yender Gonzalez - Unsplash (Änderungen wurden vorgenommen via Canva)

Content gegen Kohle fürs KI-Training: Amazon könnte AI Marketplace für Publisher starten

Niklas Lewanczik | 11.02.26

Bei Amazon können Publisher möglicherweise bald nach Microsofts Vorbild für Content entlohnt werden, der für das KI-Training genutzt wird. Doch die Entwicklung kommt reichlich spät.

Wer Inhalte und geistiges Eigentum für die eigenen Lösungen verwendet, sollte dafür auch einen Gegenwert erbringen. Diese einfache Grundregel wurde beim Aufbau riesiger KI-Modelle und damit verbundener KI-Angebote, ja ganzer Ökosysteme, allerdings vielfach missachtet. Deshalb fühlen sich viele Publisher von KI-Unternehmen wie Anthropic, OpenAI, Perplexity und Google ungebührend behandelt. In der jüngeren Vergangenheit kam es vielfach zu Klagen aufgrund möglicher Copyright-Verstöße, während die Publisher zugleich ob der Zusammenfassungen und konversationellen Antworten von KI in der Suche um organischen Traffic fürchten.

Etwas Hoffnung gibt den Publishern unterdessen der Aufbau von Marktplätzen, auf denen sie ihre Inhalte gegen Gebühr für das KI-Training verkaufen können. Nach Microsoft soll jetzt auch Amazon ein entsprechendes Modell planen. Google dagegen hat eine andere, zweischneidige Lösung für Publisher im Sinn.


Entlohnung für AI-Nutzung:

Microsoft plant wohl Publisher Marketplace

Microsoft Copilot Titelbild, Logo und Text
© Microsoft


Pläne für einen AI Content Marketplace: Amazon spricht mit Publishern

Wie The Information unter Berufung auf unternehmensnahe Quellen berichtet, ist Amazon derzeit im Austausch mit Publishern, um einen neuen Content Marketplace bereitstellen zu können. Dort sollen diese ihre Inhalte an KI-Unternehmen verkaufen können, damit diese sie legal und lizenziert für das KI-Training einsetzen können.

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Unternehmen wie OpenAI, Google und Co. haben bereits eine Reihe von isolierten Deals mit Publishern oder Content-Plattformen wie Reddit abgeschlossen, um journalistische Inhalte oder User-Generated Content im großen Stil für das Training von Modellen wie GPT-5.2 oder Gemini 3.0 nutzen zu dürfen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Klagen gegen diese KI-Unternehmen, die ihnen unlautere Content-Übernahmen vorwerfen. Das betrifft Publisher, Video-Creator, Autor:innen und sogar riesige Plattformen wie Reddit. Ihr Bestreben ist deutlich: Wer ihre Inhalte für das KI-Training nutzen möchte, soll dafür auch zahlen.

Genau das möchte Amazon mit dem möglichen Start eines Publisher Content Marketplace ermöglichen. Offiziell hat Amazon diesen noch nicht angekündigt. Gegenüber TechCrunch hat der Konzern diese Lösung aber auf Anfrage auch nicht dementiert und vage auf die Beziehungen zu Publishern verwiesen:

Amazon has built long-lasting, innovative relationships with publishers across many areas of our business, including AWS, Retail, Advertising, AGI, and Alexa. We are always innovating together to best serve our customers, but we have nothing specific to share on this subject at this time.

Amazons Marketplace könnte bei einem etwaigen Launch dem Vorbild von Microsofts Publisher Content Marketplace folgen. Dieser Content Marketplace soll Publisher bezahlen, wenn ihre Inhalte von AI-Diensten wie dem Microsoft Copilot oder anderen Diensten genutzt werden. So unterstützt zum Beispiel Yahoos neue KI-Search-Lösung Yahoo Scout diesen Marktplatz bereits. Bei Microsofts Marktplatz stellte sich für Publisher zunächst die Frage, ob er eine Insellösung bleiben würde. Startet aber Amazon einen ähnlichen Marketplace für den Austausch von Inhalten gegen Gebühren, könnte das auf eine größere Entwicklung hin zu lizenzierten KI-Trainingsdaten hindeuten, die Publishern entgegenkommt – und womöglich noch weitere Marktplätze hervorbringt. Die Marktplatzbetreiber:innen könnten schließlich gar von einer Deal-Beteiligung profitieren.

Traffic-Sorgen und Googles Antwort

Unterdessen machen sich Publisher große Sorgen um ihren organischen Traffic, der aus Suchmaschinen gespeist wird. Denn ein verändertes Suchverhalten, bei dem häufig KI-Tools wie ChatGPT, Perplexity und Claude zum Einsatz kommen, bei dem aber ebenso auf Googles Lösungen wie den AI Mode und die AI Overviews zurückgegriffen wird, schwächt die Click-Through-Rate. Eine Analyse von Ahrefs offenbarte jüngst sogar die Minimierung der Klickrate um 58 Prozent für auf Position eins gerankte Seiten bei Google, wie mit dem Aufkommen von AI Overviews korreliert.

Problematisch sind nicht nur die KI-Zusammenfassungen Googles, sondern auch der AI Mode. Im konversationellen Suchmodus werden zwar ebenfalls Quellen angezeigt, doch die User müssen nicht unbedingt auf Seiten klicken, um Informationen zu erhalten, sondern können einfach mit Follow-up-Fragen zu ihren Antworten gelangen. Da hilft es zwar den Usern, nicht aber den Publishern, dass Google den unmittelbaren Übergang von AI Overviews in den AI Mode inzwischen auf die mobile Nutzung ausgeweitet hat.

Google selbst ist wohl kaum daran gelegen, für die in der Suche präsentierten Inhalte eine andere Gegenleistung als die Sichtbarkeit in Form von Impressions und den Traffic, wenngleich teilweise schwindend, zu bieten. Zudem möchte das Unternehmen Publishern künftig noch mehr Kontrolle über die eigene Darstellung geben. Einen Opt-out aus AI Overviews und dem AI Mode zieht Google in Erwägung. Das würde Publishern tatsächlich mehr Freiheit bei der Content-Abbildung in der Suche geben, doch solch ein Opt-out würde auch die Sichtbarkeit enorm einschränken.

KI-Suchkontexte machen Publishern weiter das Leben schwer

Mit dem Problem der KI-Zusammenfassungen müssen sich die Publisher indes langfristig auseinandersetzen. Sie sind gekommen, um zu bleiben. Und sogar im Bereich Google Discover, der für viele Medien seit langer Zeit ein wichtiger Traffic-Treiber ist, hat Google KI-Zusammenfassungen eingeführt. Aktuell beschäftigt die Seitenbetreiber:innen in diesem Kontext zudem ein Discover Core Update, das Clickbait-Inhalte weniger und authentischem Content mehr Sichtbarkeit verschaffen soll. Hoffnung gibt es für die Publisher also im Digitalraum auch in Zeiten der KI-Ära. Doch sie kommt in Teilen sehr spät, denn wenn aufwendig aufbereitete Inhalte bereits millionenfach und ohne Gegenleistung für das KI-Training genutzt worden sind, wirken Programme wie Content Publisher Marketplaces und Lizenzierungs-Deals im Nachhinein wie Reparaturbemühungen.


Google erwägt Opt-out für AI Overviews und AI Mode

Schwarzer Hintergrund mit dem Schriftzug „Hello, AI Mode“ – offizielles Ankündigungsbild von Google zum globalen Start des Search AI Mode.
© Google via Canva

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