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SEO - Suchmaschinenoptimierung
Google-Konkurrenz: Microsoft möchte Bing mit ChatGPT kombinieren

Google-Konkurrenz: Microsoft möchte Bing mit ChatGPT kombinieren

Niklas Lewanczik | 04.01.23

Die Suchmaschine Bing soll eine neue Version erhalten, die Suchanfragen direkt beantwortet, statt nur informative Links dazu auszuspielen. Dafür möchte Microsoft die Sprach-KI ChatGPT nutzen, in deren Mutterunternehmen der Konzern bereits investiert hat.

Knapp eine Milliarde US-Dollar hat Microsoft in das Unternehmen OpenAI investiert, welches hinter KI-Entwicklungen wie ChatGPT, GPT-3 und DALL-E 2 steckt. Dieses Investment könnte sich bald in großem Maße auszahlen. Denn mithilfe der Sprach-KI ChatGPT, die seit Wochen für Schlagzeilen sorgt und diverse Anwendungszenarien im Digitalraum findet, möchte Microsoft die eigene Suchmaschine Bing revolutionieren. Eine neue Version der Suchmaschine soll unmittelbar auf Fragen reagieren – ganz so, wie es ChatGPT im aktuellen Research Preview Mode tut. Schon in den kommenden Monaten könnte die Alternativsuche, die Links, Graphs und Snippets als Ergebnisse für Suchanfragen hintanstellt, gestartet werden.

Microsoft möchte Google mehr Konkurrenz machen: Bing auf KI-Basis zur weiteren Go-to-Option werden

Im vergangenen Jahr legte Google-Mutter Alphabet mithilfe eines Dokuments vor Gericht offen, wie groß die Marktmacht Googles gegenüber anderen Suchmaschinen, insbesondere Bing, ist. Dem Dokument zufolge war das meistgesuchte Wort auf Bing „Google“. Daraus entwickelte sich rasch ein Meme. Tatsächlich ist der Marktanteil Googles weltweit und in Deutschland überwältigen und liegt jeweils bei über 90 Prozent. Allerdings ist Bing laut Statcounter mit Abstand die zweitpopulärste Suchmaschine. In Deutschland liegt ihr Marktanteil bei 4,5 Prozent. Keine andere Suchmaschine kommt auch nur auf ein Prozent Marktanteil.

Marktanteile der relevantesten Suchmaschinen in Deutschland im Dezember 2022 (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statcounter
Marktanteile der relevantesten Suchmaschinen in Deutschland im Dezember 2022 (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statcounter

Doch Microsoft möchte Bing noch weitaus relevanter für Suchende machen. Die Suchmaschine soll als Alternative zu Google künftig mit einem neuartigen Such-Interface nutzbar sein. Nach Angaben von The Information, die sich auf unternehmensinterne Quellen beziehen, möchte Bing eine durch ChatGPT unterstützte Version der Suche starten. Diese soll sogar noch vor Ende März 2023 ausgerollt werden. Microsoft hat sich dazu allerdings noch nicht offiziell geäußert.

ChatGPT steht für Generative Pre-Trained Transformer und basiert auf dem Sprachmodell GPT-3 von OpenAI. Die KI soll menschliche Konversation nachahmen und erstaunt seit dem Launch als kostenlose Version Ende November SEOs, Akademiker:innen, Journalist:innen und Co. Millionen Menschen nutzen ChatGPT bereits für verschiedene Szenarien. Das Tool kann ausführliche Antworten liefern, Texte schreiben, informative Auskünfte in Schriftform geben und sogar Essays verfassen. Viele User nutzen es für Hausarbeiten, LinkedIn Posts, zur Recherche oder für SEO-Aufgaben. Wir haben kürzlich zehn Anwendungsmöglichkeiten für die Suchmaschinenoptimierung getestet, die du im Beitrag dazu nachvollziehen kannst.

Fragen zu einem relevanten Thema, die die Keyword-Recherche optimieren, Screenshot ChatGPT von OpenAI
Fragen zu einem relevanten Thema, die die Keyword-Recherche optimieren, Screenshot ChatGPT von OpenAI

Google muss sich einer neuen Ära der Suchmöglichkeiten stellen

Die Relevanz, die ChatGPT für die Internetsuche haben kann, hat auch bei Google schon für Aufruhr gesorgt. Sogar der sogenannte Code Red sei bei der Alphabet-Tochter ausgelöst worden, schreibt die New York Times. Immerhin können Sprach-KI-Systeme wie ChatGPT Fragen in einem Kontext beantworten, der menschlicher Kommunikation viel eher entspricht als die Eingabe einer Suchphrase mit der folgenden Analyse der ausgespielten Ergebnisse in den Links, Featured Snippets etc. Noch kann ChatGPT bei Weitem nicht alle Anfragen richtig beantworten. Zudem fehlen viele aktuelle Informationen. Das bestätigt auch Michael Witzenleiter, CEO und Gründer von Conversion Maker, im Interview mit OnlineMarketing.de:

Der nächste große Schritt wäre die Echtzeitdatenanalyse, sprich, man bekommt inhaltlich korrekte Antworten zu tagesaktuellen Fragen. Das kann so banal sein wie, ,Wie wird das Wetter heute?’, aber auch gehaltvollere Fragen zu News, Marktentwicklungen und Kampagnen sind denkbar. Im Moment scheitert es noch an den Server- und Rechenkapazitäten. Denn Echtzeitdaten setzen voraus, dass viele Daten in kürzester Zeit verarbeitet werden. Diese Fähigkeit gibt es in der Größenordnung, die ChatGPT bräuchte, aktuell nicht am Markt.  Auch Nischenwissen ist aktuell kaum miteinbezogen. Das wirkt sich sowohl auf bestimmte Branchen als auch Interessensgruppen aus. Historiker:innen kommen beispielsweise bei ChatGPT schnell an ihre Grenzen, besonders wenn es um Themengebiete außerhalb der ,westlichen’ Geschichte geht. Fairerweise muss man sagen, dass es sicher niemals eine Lösung gibt, die allwissend ist, daher ist es ganz normal, dass OpenAI sich auf die gängigsten Themen fokussiert. 

Während die KI-Modelle von OpenAI also noch Nachholbedarf haben, ist der Start des neuen Modells GPT-4 bereits für das erste Quartal 2023 geplant. Dieses soll die bisher möglichen Kommunikationsmöglichkeiten sogar noch in den Schatten stellen. Das erkennt auch Tech-Experte Sascha Lobo in seiner Kolumne bei Spiegel Online:

Selbst wenn GPT-4 nur ein wenig besser und aktueller wäre als der gegenwärtige Vorgänger, ist Google zu Recht alarmiert. Denn unsere gewohnten Suchmuster im Alltag könnten sich verschieben, und diese sind exakt das, womit Google Geld verdient.

Wenn Bing auf ChatGPT und künftig womöglich auf GPT-4 als Basis setzt, könnte das die Suche, wie wie sie bisher kennen, grundlegend verändern. Dann können User möglichweise bald entscheiden, ob sie einfach auf Ergebnisse in den SERPs klicken oder doch lieber eine komplett formulierte Antwort erhalten möchten. Letzteres wäre aus SEO-Sicht problematisch für Publisher; vor allem, wenn keine Quellen verlinkt werden.

Das Suchverhalten änderte sich aber schon in den vergangenen Monaten, nicht zuletzt aufgrund von TikTok.

Junge Menschen suchen vermehrt über TikTok und Instagram

Bestimmte Suchen starten schon jetzt häufig auf anderen Plattformen als Google. Produktsuchen beginnen häufig auf Amazon, während insbesondere jüngere Menschen mithilfe von Social Apps wie Instagram und TikTok nach Inhalten suchen. Zum Launch der Google Multisearch erklärte Prabhakar Raghavan, Senior Vice President und zuständig für den Bereich Knowledge & Information bei Google, dass das Suchmaschinenunternehmen eigene Studien vorliegen habe, die zeigen, wie viele Personen aus der Gen Z inzwischen nicht klassisch via Google, sondern über Instagram und insbesondere TikTok suchen. Er sagte: 

In unseren Studien zeigt sich, dass etwa 40 Prozent der jungen Menschen nicht zu Google Maps oder zur Google-Suche gehen, wenn sie nach einem Ort zum Mittagessen suchen. Sie gehen zu TikTok oder Instagram.

Dabei suchen viele junge Nutzer:innen dann nicht mithilfe von Keywords, sondern über immersive Inhalte, die lokal- oder produktbezogen sind. Google selbst hat die eigene Suche insbesondere in den vergangenen zwei, drei Jahren deutlich verbessert. Die Sprachsuche funktioniert schon seit einiger Zeit gut, und Features wie Knowledge Panels, „Ähnliche Fragen“, Videokarusselle und dergleichen bieten häufig relevante Orientierungspunkte passend zur Suchanfrage.

Doch Google hat auch verstanden, dass Menschen extrem unterschiedlich suchen, oft ganze Fragesätze eingeben und möglichst schnell und mit wenigen Klicks und Tipps bei einer Information landen möchten. Deshalb gibt es die Technologie MUM. Sie basiert – wie Googles BERT – auf der sogenannten Transformer Architecture. Laut Google ist MUM allerdings „1.000 Mal kraftvoller“. Das Multitask Unified Model ist für 75 Sprachen trainiert und kann verschiedene Aufgaben parallel bewältigen. Dazu kann es Informationen auf verschiedenen Leveln verstehen, sei es auf Text- oder Bildebene oder auf Video- und Audioebene. Demnach sind multimodale Suchen künftig kein Problem bei der Suchmaschine. So führte Google die sogenannte Multisearch auch im Frühjahr 2022 ein und Raghavan erklärte:

Heute definieren wir die Google Suche neu und kombinieren unser Verständnis aller Arten von Informationen – Text, Sprache, Bild und mehr – damit ihr nützliche Informationen zu allem, was ihr seht, hört und erlebt, auf die intuitivste Weise finden könnt. Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der ihr eure ganze Welt auf jede Art und Weise durchsuchen könnt.

Wird Bing in Sachen Marktanteile aufholen?

Trotz all der Vorteile, die Google bisher bei der Suche liefert – und die für den immensen Marktanteil verantwortlich sind –, könnte sich die Suche im Jahr 2023 und in den Folgejahren stark verändern. KI-Systeme übernehmen zusehends den Digitalraum. Google könnte durchaus auf diese Entwicklung reagieren, denn das Unternehmen entwickelt beispielsweise mit LaMDA eine eigene Konversationstechnologie, die komplexe Gespräche führen kann. Möglicherweise wartet die Alphabet-Tochter aber erst einmal ab, ob und wie Microsofts Bing mit ChatGPT die Suche für alle User maßgeblich verändert. Gelingt Bing das, dürfte das auch dazu führen, dass die Suchmaschine hinsichtlich der Marktanteile im Suchmaschinenmarkt an Boden gut macht.


Auch im Bereich der Kurzvideoproduktion sowie der Bildkreation setzten KI-Tools neue Maßstäbe. Mit QuickVid können inzwischen sogar erste User kurze Clips für TikTok und Co. von einer KI generieren lassen. Mehr darüber – und wie das Ganze mit ChatGPT zusammenhängt, erfährst du in unserem Artikel.

Generative KI für Kurzvideos – QuickVid macht es möglich!

© Joey Huang - Unsplash
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