Social Media Marketing

Social Media wird trotz Vertrauensverlust Top Nachrichtenquelle – Was heißt das für Publisher?

Jüngere US-User sehen Social Media als zentrale Nachrichtenquelle; obwohl zwei Drittel kein Vertrauen in die Plattformen haben. Für Publisher ein schmaler Grat.

Facebooks Instant Articles, © Facebook

Noch ist das Fernsehen in den USA der wichtigste Kanal, um Nachrichten zu rezipieren. Allerdings nicht, wenn man über 49-Jährige aus der Betrachtung ausschließt. Gerade die jüngeren Zielgruppen nennen Social Media als ihre Nachrichtenquelle Nummer eins. Dabei zeigen Studien, dass das Vertrauen in diese Kanäle immer geringer wird. Gerade Publisher, aber auch Advertiser sehen sich somit Chancen und großen Risiken gegenüber.

Social Media als Nachrichtenportal

Eine aktuelle Studie des Pew Research Centers aus den USA zeigt für eben jenen Markt an, dass die Menschen vermehrt auf Social Media als Nachrichtenquelle setzen. Zwar liegt dieser Kanal im Schnitt mit 20 Prozent noch hinter dem Fernsehen (49 Prozent), den News Websites (33 Prozent) und sogar dem Radio (26 Prozent), was die genannten Medien für häufige News-Rezeption angeht. Die Print-Zeitungen (16 Prozent) wurden jedoch schon überholt.

Mehr US-Amerikaner setzen auf Social Media für die Nachrichtenerfahrung, © Pew Research Center

Nimmt man die Studie jedoch unter Berücksichtigung differenter Altersgruppen in Augenschein, wird deutlich, dass sich das Rezeptionsverhalten noch deutlicher im Wandel befindet. Während bei den 50- bis 64-Jährigen sowie den Personen mit 65 und mehr Lebensjahren TV als der zentrale Nachrichtenkanal gilt, ändert sich das Bild bei den Altersgruppen von 30 bis 49 und 18 bis 29 Jahren drastisch. Bei ersteren sind News Websites mit 42 Prozent die meistgenannte Quelle für Nachrichten. Die 18-bis 29-Jährigen sehen allerdings Social Media mit 36 Prozent als das Medium an, das am meisten für häufige Nachrichtenrezeption genutzt wird.

Jüngere US-Generationen nehmen Nachrichten deutlich mehr in den sozialen Netzwerken wahr, © Pew Research Center

Dieser Trend zur vermehrten News-Rezeption im digitalen Raum spiegelt sich auch in Deutschland wider. Laut Studie des BVDW zur digitalen Nutzung in Deutschland nutzen 84 Prozent der Befragten das Netz zum Lesen von Onlinenews.

Onlinenews zu rezipieren gehört zu den Top Aktivitäten der Internetnutzung in Deutschland, © BVDW

Durch Googles optimierten und personalisierten Feed sowie durch Content-Vorschläge in Social Media, die immer mehr an die einzelnen User angepasst werden, verstärkt sich die tägliche Rezeption von Nachrichten im digitalen Raum ohnehin. Die in Social Media verbrachte Zeit und die Möglichkeit relevante Nachrichten dort direkt zu teilen sind wichtige Faktoren für die Entwicklung. Trotzdem ist sie nicht unproblematisch.

Das Vertrauen in Social Media nimmt ab, während die Plattformen für News relevant bleiben

Je personalisierter Nachrichten werden, desto weniger Multiperspektivität könnte im schlimmsten Fall die Folge sein. Auch ein Mangel an Objektivität kann hier zu einer gefährlichen Art der Nachrichtenvermittlung führen. Egal ob über TV, Social Media oder das Radio: eine diverse Rezeption von Neuigkeiten hat stets ihre Vorteile. Ein vollkommenes Abbilden sämtlicher Facetten einer Nachricht ist nicht möglich. Allerdings ist die Beeinflussung von Nachrichten, etwa durch die Politik, wie bei FOX News in den USA, einer objektiven Darstellung von Fakten nicht zuträglich. In Social Media ist die Gefahr tatsächlich falscher Meldungen noch deutlich höher, wie das Beispiel vom Wunderbaby vom Grenfell Tower beweist.

Bei Facebook und Co. gibt es die Möglichkeit Fake News direkt zu melden. Dennoch finden sich oft genug Falschmeldungen oder politisch gefärbte Meinungsmache auf den Plattformen. Auch Twitter als quasi Echtzeit-Newsportal ist dafür äußerst anfällig.

Wegen solcher Bedenken und der unsicheren Datenlage verlieren die Social Media zusehends Vertrauen bei den Nutzern. Aus einer Studie von Tapatalk geht hervor, dass 74 Prozent der Befragten aus der US-Bevölkerung Facebook und Twitter die Integrität absprechen.

Etwa zwei Drittel der Befragten einer Studie sehen die Integrität von Twitter und Facebook als vergangen an, © Tapatalk

Dieses Unbehagen wird auch in Deutschland geteilt. 83 Prozent der vom BVDW Befragten sind der Meinung, dass das Internet voll mit unseriösen Inhalten ist.

Viele User glauben, dass das Internet voller unseriöser Inhalte ist, © BVDW

Trotzdem werden gerade dort immer mehr Nachrichten rezipiert, denn es ist nicht nur einfacher, sondern auch aktueller, sich über diese Kanäle zu informieren. Hier ist jedoch der Unterschied von News Websites zu Social Media zentral. Bei letzteren kann die Rechtmäßigkeit von News deutlich weniger gewährleistet werden, weil Fakes hier wahrscheinlicher sind als bei renommierten Leitmedien. Nichtsdestoweniger gilt hier wie dort für den Nachrichtenrezipienten eine Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit der Quelle, will man integre News wahrnehmen.

Chancen für den Journalismus in Social Media

Da Nutzer im Netz News lesen und gleichzeitig Qualitätsjournalismus haben möchten, sind sie laut BVDW in Deutschland sogar zu 30 Prozent bereit Geld dafür zu zahlen.

Die Zahlungsbereitschaft für Qualitätsjournalismus ist in Deutschland beachtlich, © BVDW

Deshalb haben Publisher einige gute Optionen, um über Social Media Leser zu gewinnen. Das weiß auch Facebook. So läuft beim Sozialen Netzwerk ein Subscriptions-Programm, das derzeit in der Betaphase ist, aber ausgeweitet werden soll. Hierbei werden Abomodelle der Publisher in den Instant Articles getestet.

Die Paywall für Publisher bei Facebooks Test, © Facebook

Und es gibt verschiedene Features: zum Beispiel können Leser auch gegen das Teilen ihrer E-Mail-Adresse Zugang zu weiteren Artikeln erhalten. Und mit dem Welcome Screen lässt sich dem Publisher insofern folgen, als der User weitere Inhalte desselben im Feed ausgespielt bekommt.

Derlei Optionen bieten sich Publishern, um den Kanal Social Media, der definitiv als Nachrichtenquelle fungiert, für sich fruchtbar zu machen. Somit wird gleichzeitig an der Qualität der journalistischen Inhalte auf den Plattformen gearbeitet. Erwehren müssen sich Online Newsportale allerdings der Fake Meldungen, die mitunter gar in ihrem Namen veröffentlicht werden. Denn Social Media bieten Raum für beinah alle Facetten der großen Meinungsvielfalt im Netz. Dieser Nährboden eignet sich für Nachrichten, birgt jedoch die Gefahr einer Verwässerung der Begriffe von Fakten und objektiven Wahrheiten. Wer also in Social Media Nachrichten rezipiert, sollte immer die Quelle prüfen; auch dafür gibt es Tools bei Facebook und Co.

Eine Präsenz in den sozialen Medien, in Deutschland vor allem auf Twitter, Facebook, Instagram, LinkedIn und Xing ist für Nachrichtenportale jetzt und künftig unabdingbar. Bieten diese Medien noch mehr Kontrollen an und außerdem Features für Publisher, um einfach gute Inhalte darstellen zu können, sind die Möglichkeiten über diesen Kanal nur wenig begrenzt. Die Gefahr der Fehlinterpretation und Verdrehung bleibt; doch die Verantwortung einer vernünftigen Rezeption liegt auch beim Leser.

Einzig das Inkrafttreten eines Leistungsschutzrechts für Verlage, wie es nach der EU-Urheberrechtsreform in Artikel 11 vorgesehen ist, könnte im digitalen EU-Raum zur Einschränkung der Diversität im Nachrichtenumfeld führen und kleineren Publishern arg zu schaffen machen.

Solche Leistungsschutzrechte sind ein Risiko für Innovation, Grundfreiheiten, freie Kommunikation und den Wirtschafts- und Investitionsstandort Europa,

heißt es im freien Brief gegen die Durchsetzung. Selbst Google hat sich schon dagegen ausgesprochen. Ein Grund mehr die Social Media-Präsenz schon jetzt zu stärken. Leser tun aber nach wie vor gut daran, diverse Kanäle und diverse Meinungen wahrzunehmen, gleichzeitig aber auf Fakten zu setzen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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