Social Media Marketing

Snapchat in Zahlen: App verzeichnet 39 Prozent Umsatzplus

Die Prognosen für Snapchats 2019 waren gedämpft vielversprechend, die ersten Quartalszahlen sind stark: 320 Millionen US-Dollar Revenue freuen Anleger.

Screenshot YouTube, © Snapchat

Snapchat wurde lange Zeit als innovative und richtungsweisende, aber auch wenig lukrative Social App eingestuft. Doch gerade junge Nutzer tummeln sich zusehends bei Snapchat und Probleme bei Facebook, Twitter oder Instagram, gepaart mit einigen spezifischen Angeboten, die Snapchat attraktiv machen, sorgen für mehr Nutzer und steigende Werbeeinkünfte. Die Zahlen sprechen für die App; doch hält das Wachstum an und können wieder mehr Nutzer gewonnen werden?

Endlich starke Geschäftszahlen für die populäre App

Der Quartalsbericht für Q1 2019 hatte es in sich. Und die Nachrichten waren zum großen Teil positiv. Die Werbeeinnahmen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent auf 320 Millionen US-Dollar im ersten Quartal an. Einige Analysen waren von 306 Millionen ausgegangen. Entsprechend positiv reagierte die Aktie und stieg an der Börse zunächst um sechs Prozent.

Die Zahl der weltweit täglich aktiven Nutzer stieg gegenüber Q4 2018 um vier Millionen auf 190 Millionen an, im Vorjahresvergleich (191 Millionen im ersten Quartal 2018) bleibt die Zahl jedoch enttäuschend. Das geringe Nutzerwachstum könnte sich jedoch noch verstärken. Immerhin erreicht die App nach eigenen Angaben 90 Prozent aller 13- bis 24-Jährigen in den USA und 75 Prozent der 13- bis 34-Jährigen. Trotzdem stiegen die Nutzerzahlen zum ersten Mal seit dem ersten Quartal 2018 und das auch in Nordamerika, wenn auch nur um einen Prozentpunkt gegenüber Q4 2018. Auch in Europa und im Rest der Welt gab es minimale Zugewinne.

Snapchats CEO Evan Spiegel kommentierte die Ergebnisse:

In the first quarter we delivered strong results across our business with growth in daily active users and revenue. Our new Android application is available to everyone, with promising early results. This month we announced several new products that we believe will drive further engagement and monetization. As we look towards the future, we see many opportunities to increase our investments, and will continue to manage our business for long-term growth.

Für das zweite Quartal 2019 erwartet Snapchat Werbeeinkünfte im Bereich von 335 bis 360 Millionen US-Dollar. Mit dieser Erwartung könnte man die Zahlen von eMarketer erreichen. Das Unternehmen hatte zuletzt prognostiziert, dass die Werbeeinkünfte 2019 insgesamt um 30 Prozent auf 1,36 Milliarden US-Dollar steigen würden, während der Marktanteil im digitalen Werbemarkt auf 0,4 Prozent beziffert wurde. Im Mobile Ad-Markt sollte er bei 0,7 Prozentpunkten liegen. In Sachen Nutzerentwicklung hatte die Prognose 297,7 Millionen monatlich aktive Nutzer wurden vorhergesagt, während ein Nutzerschwund um 2,8 Prozent in den USA und um 2,3 Prozent im UK angenommen wurde. eMarketer geht davon aus, dass die Zahl der Nutzer in Großbritannien weiter abnehmen, in den USA dagegen ab 2020 konstant wieder steigen wird. Das Marktforschungsunternehmen hatte jedoch betont, dass die eigene Methodologie von den jeweils unternehmenseigenen abweicht.

Snapchat bleibt innovativ und populär

Ohnehin zählt sie zu den populärsten sozialen Medien, die App Snapchat. Das liegt auch daran, dass sie unique ist, also eine ganz andere Nutzererfahrung liefert als etwa Facebook, Instagram oder sogar TikTok. Die Popularität liegt ebenso in den immer neuen Features begründet, die von Facebook und Co. mitunter erfolgreich kopiert wurden; so sind die Stories ursprünglich bei Snapchat aufgetaucht, ehe sie sich vor allem bei Instagram zu dem Format schlechthin entwickelten.

Die zahlreichen Optionen wie AR Lenses oder Kooperationen mit Amazon tragen dazu bei, dass die App immer mehr Möglichkeiten zur Monetarisierung wahrnimmt. Diese ist jedoch nicht so ausgeprägt wie etwa bei Instagram, weil man sich lange Zeit gegen umfassende Werbemaßnahmen gewehrt hatte und weil Influencer hier weniger vertreten sind, da etwa Follower- oder Like-Zahlen nicht angezeigt werden. Nach dem Börsengang im Jahr 2017 sah es für das Unternehmen Snap Inc. nicht immer rosig aus. Doch einige Veränderungen – darunter das Snapkit als Developer Platform und insbesondere die Möglichkeit, Stories und Ads in externe Apps wie Tinder zu exportieren – haben dem Unternehmen wieder Auftrieb verschafft. Auch die angekündigte Gaming-Plattform könnte zum Erfolg werden.

Besonders die kommenden Quartalsberichte werden richtungsweisend

eMarketers Forecast-Analystin Debra Aho Williamson bemerkte demnach vor kurzem:

Snapchat has shown signs of positive momentum in recent weeks, such as the news that the overdue Android app is finally starting to roll out, as well as the launch of a gaming platform at the Partner Summit earlier this month. But it’s too early to say if those initiatives will help it gain users. And since both were announced in April, after the end of Q1, the impact, if there is one, won’t be felt until at least Q2. However, we do think Snapchat will continue [to] show ad revenue growth this year. It has been able to monetize its audience through a combination of unique ad formats and programmatic (self-serve) buying that is attractive to some advertisers.

Vor allem der Launch der runderneuerten Android App-Version soll Snapchat auf entsprechenden Geräten reibungsloser laufen lassen. Sie ist 25 Prozent „kleiner“ als die vorige und soll um 20 Prozent schneller laden.

Mit den zumeist positiven Ergebnissen des Quartalsberichts wird das Unternehmen sehr zufrieden sein – und viele Anleger ebenso. Die Einkünfte von 320 Millionen US-Dollar und die Aussicht auf eine noch größere Zahl in Q2 lassen hoffen. Vielleicht kann in einem digitalen Raum, in dem neuartige Lösungen und Features weiter stark an Bedeutung gewinnen, sogar noch mehr Boden gut gemacht werden. Das nur geringe Nutzerwachstum bleibt unterdessen alarmierend. Gerade hier gilt es, Engagement und Interesse zurückzugewinnen. Die Zahl der einzigartigen Funktionen und inzwischen auch vielen Ad-Optionen könnte hier eine tragende Rolle spielen. Wenn es Snapchat letztlich gelingt, in den Zukunftsmärkten wie Mobile Gaming aufzutrumpfen, könnten die Werbeeinkünfte und Nutzerzahlen ganzheitlich steigen. Das erfahren wir dann aber erst im Bericht zu Q2, da die Gaming-Plattform und andere starke Features erst im April vorgestellt wurden.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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