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Human Resources
Flex Washing als Falle: Wie falsche Flexibilität junge Eltern benachteiligt

Flex Washing als Falle: Wie falsche Flexibilität junge Eltern benachteiligt

Marié Detlefsen | 10.06.24

Flex Washing entpuppt sich laut einer aktuellen Studie als leere Versprechung vieler Unternehmen und bringt dabei besonders junge Eltern in Bedrängnis. Wir zeigen dir, wie Arbeitnehmer:innen mit falscher Flexibilität umgehen und welche Konsequenzen das Phänomen mit sich bringt.

In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels und der Diskussion um flexible Arbeitsmodelle zeigt eine aktuelle Studie, dass viele der Home-Office- oder Remote-Modelle nur auf dem Papier existieren. Das Phänomen des sogenannten „Flex Washing“ oder der „Fake Flexibility“ sorgt dafür, dass gerade junge Eltern massiv benachteiligt werden. Die Studie befragte 1.507 Eltern in Deutschland, welche sich mindestens um ein Kind kümmern, und wurde von Remote durchgeführt. Wir stellen dir die Ergebnisse vor und zeigen, welche Lücken es zwischen Versprechen und Realität in der Arbeitswelt der flexiblen Arbeitsmodelle gibt.

Was ist Flex Washing?

Flex Washing bezeichnet die Praxis von Unternehmen, flexible Arbeitsmodelle wie Home Office oder flexible Arbeitszeiten anzubieten, diese aber in der Realität nicht oder nur unzureichend umzusetzen. Es handelt sich um falsche Versprechungen, die den Anschein von Flexibilität erwecken sollen, ohne dass echte Veränderungen stattfinden.

Laut der Studie berichten 71 Prozent der befragten Eltern mit Vorschulkindern von Flex Washing. Obwohl flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Regelungen angepriesen werden, erleben viele Eltern, dass diese Zusagen nicht eingehalten werden. Das wirkt sich besonders auf Eltern aus, für die flexible Arbeitsmodelle das wichtigste Kriterium bei der Jobsuche sind. Trotz der Präsenz flexibler Modelle in 84 Prozent der Unternehmen, fühlen sich viele Eltern im Stich gelassen.

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Trend: 69 Prozent der Eltern wurden bereits gerügt, wenn sie sich ungeplant freinehmen mussten, sei es wegen eines kranken Kindes oder einer geschlossenen Kindertagesstätte. Dieses Klima führt dazu, dass 76 Prozent der Eltern Schuld- oder Angstgefühle haben, wenn sie eine Auszeit für die Kinderbetreuung beantragen. Weitere zwölf Prozent haben sich nicht einmal getraut, nach flexibleren Arbeitsmodellen in diesem Rahmen zu fragen.

76 Prozent kämpfen mit Flex Washing und Return-to-Office-Regeln

Die Wiedereinführung von Return-to-Office-Regeln hat laut der Studie bei 76 Prozent der berufstätigen Eltern negative Auswirkungen gehabt. Ein verstärkter Druck, ins Büro zurückzukehren, würde bei 92 Prozent der Eltern zu Wechselgedanken führen und 24 Prozent wären sogar bereit, ohne einen neuen Job in Aussicht zu kündigen. Diese Zahlen verdeutlichen, wie sehr starre Arbeitsmodelle junge Eltern belasten und dem Arbeitsmarkt wertvolle Fachkräfte entziehen. Alexis Seyfried, Head of Marketing DACH bei Remote, sagt über diese Entwicklung:

Viele Eltern arbeiten weniger und suchen flexible Modelle. Unsere Studie legt allerdings nahe, dass viele ihre Arbeitszeiten eher aus der Not heraus verkürzen. Modelle, die Eltern gleiche Chancen geben und tief in der Kultur der Unternehmen verankert sind, kombiniert mit noch besseren Betreuungsangeboten, könnten dem Arbeitsmarkt viele Elternstunden zurückgewinnen.

Flexible Arbeitszeiten sorgen für bessere Work-Life-Balance

Trotz des 2023 eingeführten staatlich garantierten Kinderbetreuungsplatzes ab dem ersten Lebensjahr haben viele Eltern immer noch Schwierigkeiten, passende Betreuungsmöglichkeiten zu finden. 70 Prozent der Eltern haben ihre:n Partner:in schon einmal dazu ermutigt, den Job zu kündigen und 71 Prozent mussten die Arbeitszeit reduzieren, um die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen.

Dabei stehen flexible Arbeitszeiten für Eltern an erster Stelle der Wunschliste (35 Prozent), gefolgt von Jobsicherheit und guter Bezahlung (28 Prozent). Rund 27 Prozent fordern außerdem mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung und 26 Prozent die Möglichkeit, ortsunabhängig zu arbeiten. Eltern, die von zu Hause aus arbeiten können, berichten von mehr Qualitätszeit mit ihren Kindern, Partner:innen und für sich selbst.


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© Alexander Dummer – Unsplash


Die Studie zeigt auch, dass 79 Prozent der Eltern das Gefühl haben, bei Beförderungen übergangen zu werden, weil sie berufstätige Eltern sind. Deshalb müssen Arbeitgeber:innen umdenken und erkennen, dass auch Eltern Karriere machen wollen und können. Die Studie „Working Parents & Beyond“ fand außerdem heraus, dass sich die Hälfte der Eltern (49 Prozent) nach der Geburt des Kindes vom Unternehmen alleine gelassen fühlten und keinerlei Unterstützung von ihren Arbeitgeber:innen erhalten haben.

Die Unterschiede setzen sich auch bei der Arbeitszeit fort: Etwa drei von vier Müttern reduzieren ihre Arbeitsstunden nach der Elternzeit, im Vergleich zu lediglich 17 Prozent der Väter, die diese Wahl treffen. Diese Entscheidung wird oft durch begrenzte Betreuungsmöglichkeiten für Kinder beeinflusst. Etwa 66 Prozent der Eltern wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, während 65 Prozent versuchen, die Herausforderungen der Kinderbetreuung und Arbeit besser auszubalancieren. Hinzu kommt, dass sich 65 Prozent der Mütter trotzdem wünschen, gerne wieder in Vollzeit zu arbeiten, dies aber seitens der Unternehmen oder durch fehlende Unterstützung nicht möglich ist.

Unternehmen müssen Verantwortung bei Flex Washing übernehmen

Die Studie von Remote zeigt deutlich, dass viele flexible Arbeitsmodelle in der Realität nicht halten, was sie versprechen. Für junge Eltern ist dies besonders frustrierend und führt zu einem erheblichen Verlust an Arbeitskraft und Motivation. Arbeitgeber:innen und Politiker:innen sind gleichermaßen gefordert, echte Lösungen zu bieten und flexible Modelle zu schaffen, die in dieser Konstellation gut umsetzbar sind. Eine Möglichkeit wäre das Recht auf Home Office für Zweitverdienende, welches bereits von Christian Lindner (FDP) vorgeschlagen wurde. Nur auf diese Weise kann der Fachkräftemangel langfristig behoben und eine attraktive Arbeitsumgebung für junge Eltern geschaffen werden. Mehr zum Thema Chancengleichheit in der Elternzeit findest du im folgenden Interview mit Tabea Fesser, Chief People Officer bei Ketchum:


„Equal Care für alle“ –

Interview über Chancengleichheit bei der Elternzeit

Statt Flex Washing - Equal Care für alle.
© Picsea – Unsplash

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