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Human Resources
Schwerer Einstieg nach Elternzeit: Nur 48 Prozent der Frauen kehren in alten Job zurück

Schwerer Einstieg nach Elternzeit: Nur 48 Prozent der Frauen kehren in alten Job zurück

Marié Detlefsen | 30.11.23

Wie beeinflusst die Elternzeit die beruflichen Wege von Frauen und Männern? Die aktuellen Ergebnisse einer Studie zeigen auf, warum die Arbeitsrealität nach der Elternzeit oft weit von den beruflichen Wünschen abweicht und warum die Rückkehr in Vollzeit für viele Mütter ein unerreichbares Ziel bleibt.

Ein Einstieg in die Berufswelt geht oft Hand in Hand mit der Familienplanung. Die Entscheidung für Kinder beeinflusst maßgeblich die beruflichen Wege von Frauen und Männern. Dabei legen Frauen in der Regel eine längere Elternzeit als Männer ein. Die kürzlich veröffentlichte Studie „Working Parents & Beyond“ der Stepstone Group beleuchtet genau diese Dynamik. Von mehr als 2.000 befragten berufstätigen Eltern mit Kindern unter 10 Jahren zeigt sich ein deutlicher Trend: nur knapp die Hälfte der Mütter kehrt in ihren früheren Job zurück.

Neuer Job und weniger Stunden nach Elternzeit

Die Studie zeigt, dass die Elternzeit für viele Frauen einen Wendepunkt in der Karriere markiert. Überraschenderweise kehrt nur knapp die Hälfte der Mütter in ihre frühere Rolle zurück, während über ein Drittel das Unternehmen nach der Elternzeit verlässt. Unter denjenigen, die bleiben, wechseln 17 Prozent in eine neue Position. Im Gegensatz dazu setzen rund 85 Prozent der Väter ihre Arbeit in ihrer vorherigen Position fort.

Die Unterschiede setzen sich auch bei der Arbeitszeit fort: Etwa drei von vier Müttern reduzieren ihre Arbeitsstunden nach der Elternzeit, im Vergleich zu lediglich 17 Prozent der Väter, die diese Wahl treffen. Diese Entscheidung wird oft durch begrenzte Betreuungsmöglichkeiten für Kinder beeinflusst. Etwa 66 Prozent der Eltern wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, während 65 Prozent versuchen, die Herausforderungen der Kinderbetreuung und Arbeit besser auszubalancieren.

65 Prozent der Mütter würden gerne wieder Vollzeit arbeiten

Ein weiterer Aspekt der Studie betrifft die Berufswünsche nach der Elternzeit. Zwei von drei Müttern möchten entweder in Vollzeit oder in einer Stelle arbeiten, die zeitlich nahe an Vollzeit liegt, sofern die Kinderbetreuung gewährleistet ist. Doch dieser Wunsch gestaltet sich oft schwierig, da die Realität den Vorstellungen nicht entspricht. Haben sich Mütter nach der Elternzeit erst fürs berufliche Kürzertreten entschieden, ist der Weg zurück oft nicht leicht. Von den Müttern, die ihre Arbeitszeit reduzieren, würden 65 Prozent gerne in Vollzeit (35-40 Stunden) oder in einer nahezu vollen Position (30-35 Stunden) arbeiten, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Bei den Vätern liegt dieser Prozentsatz niedriger. Hier möchte jeder zweite Vater unter gleichen Bedingungen regulär arbeiten und nur 23 Prozent vollzeitnah.

Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei der Stepstone Group, unterstreicht die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität im Bereich Familie und Karriere. Er betont, dass eine bessere Unterstützung durch Arbeitgeber:innen notwendig ist, um Eltern in der Arbeitswelt zu halten:

Anspruch und Wirklichkeit liegen beim Thema Familie und Karriere in Deutschland zu weit auseinander – zu Lasten dringend benötigter Arbeitsleistung. In Zeiten der Arbeiterlosigkeit ist es essenziell, dass wir Eltern dem Arbeitsmarkt in größtmöglichem Umfang erhalten. Es ist höchste Zeit, es ihnen zu ermöglichen, denn sie brauchen mehr Leistungen ihrer Arbeitgeber und eine Infrastruktur, die sie wirklich unterstützt. Nur so können wir Geschlechterungleichheit und Arbeitskräftemangel entscheidend entgegenwirken. Nach wie vor gilt: Vor allem Mütter sind eine unserer wichtigsten Reserven für den Arbeitsmarkt.

Elternzeit zur Neuorientierung nutzen

Die Zahlen der Studie zeigen allerdings auch, dass Mütter, die gerne wieder arbeiten würden, offener für neue Positionen sind. Mit dem Aufbau einer Familie ändern sich somit auch häufig die beruflichen Einstellungen und nicht selten merken Eltern, dass ihnen nun andere Werte wichtiger sind als früher. Insbesondere für Mütter bietet die Elternzeit die Möglichkeit, die eigene berufliche Laufbahn neu zu überdenken. Kann oder möchte man anschließend nicht mehr zu ursprünglichen Arbeitgeber:innen zurückkehren, ist eine berufliche Neuorientierung die beste Option.

Natürlich kann nicht jede:r von heute auf morgen kündigen und gleich den nächsten Traumjob finden. Wegen der neuen Verantwortung und steigender Fixkosten sollte der Schritt der beruflichen Neuorientierung nach der Elternzeit wohlüberlegt sein. Ein erstes Gespräch mit der:dem Partner:in kann für Klarheit sorgen. Außerdem hilft es, selbst eine Liste aufzustellen und alle wichtigen Punkte Schritt für Schritt durchzugehen.

Folgende Leitfragen helfen, sich einen ersten Überblick zu verschaffen:

  • Wie würde sich der Wiedereinstieg in der Firma gestalten?
  • Werden bestimmte Konditionen gewünscht oder gibt es Raum für weitere Optionen wie zum Beispiel zwei Tage Home Office?
  • Welche Gründe sprechen für die berufliche Neuorientierung nach der Elternzeit?
  • Gibt es schon potentielle neue Stellen in Aussicht?
  • Ist die Organisation mit Kind auch im neuen Job machbar?
  • Sind alle nötigen Qualifikationen vorhanden oder ist eine Weiterbildung nötig?
  • Können alle Fixkosten auch während des beruflichen Wechsels gedeckt werden?

Diese Fragen können bei der Entscheidungsfindung helfen. Letztlich ist es wichtig, dass jede:r das Arbeitsmodell findet, das zu der neuen Lebenssituation passt. Eventuell muss bei der Planung nur etwas Zeit berücksichtigt werden, da laut Studie die Realität oft von den Wünschen abweicht.


Zurück ins Berufsleben:

So klappt für Mütter der Einstieg nach der Elternzeit

© Dakota Corbin – Unsplash

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