Human Resources
Beschäftigt aussehen statt arbeiten? Jede:r Vierte nutzt Mouse Jiggler am Arbeitsplatz

Beschäftigt aussehen statt arbeiten? Jede:r Vierte nutzt Mouse Jiggler am Arbeitsplatz

Marié Detlefsen | 23.10.26

Ein grüner Status in Teams, eine künstlich bewegte Maus oder eine spät versendete E-Mail: Manche Arbeitnehmer:innen lassen sich einiges einfallen, um bei der Arbeit beschäftigt zu wirken. Erfahre, welche Tricks beim Flunkern besonders beliebt sind.

Ob im Home Office oder im Büro: Nicht immer entspricht der Eindruck von Geschäftigkeit der tatsächlichen Arbeit. Das zeigt der Workplace Visibility Report von LiveCareer. Für die Studie wurden im Juni 2026 insgesamt 1.000 erwerbstätige Fachkräfte in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien befragt. Das Ergebnis: Besonders beliebt sind Tricks, mit denen Beschäftigte ihre digitale Aktivität künstlich aufrechterhalten. 25 Prozent der Befragten, für die Home Office infrage kommt, haben ihre Maus bewusst bewegt oder eine Software dafür genutzt, damit sie in Programmen wie Microsoft Teams oder Slack weiterhin als aktiv angezeigt werden.

Weitere 22 Prozent nahmen an Online Meetings teil, während sie stummgeschaltet nebenbei andere Dinge erledigten. 19 Prozent planten E-Mails so, dass diese früh morgens oder spät abends verschickt wurden. Jeweils 15 Prozent ließen gemeinsam genutzte Dokumente geöffnet oder blockierten Zeit für konzentriertes Arbeiten im Kalender. Der Hintergrund: Ein aktiver Status oder eine spät verschickte Nachricht kann Engagement vermitteln, sagt aber wenig darüber aus, wie produktiv jemand tatsächlich ist.

Auch im Büro wird Geschäftigkeit vorgetäuscht

Im Büro greifen Beschäftigte hingegen zu anderen Methoden. Am häufigsten wurden verlängerte Kaffeepausen genannt: 31 Prozent der Befragten, für die Büroarbeit infrage kommt, gaben an, ihre Pausen ausgedehnt zu haben. 16 Prozent nutzten Telefonkabinen oder Besprechungsräume für private Telefonate. 15 Prozent lasen längere Zeit Nachrichten oder Artikel und jeweils 14 Prozent ließen Dokumente geöffnet, um beschäftigt zu wirken, oder reservierten Fokuszeiten im Kalender. Weitere zwölf Prozent nahmen bewusst längere Wege zur Toilette oder Küche in Kauf.

Der klassische Trick mit der zurückgelassenen Jacke oder Kaffeetasse kommt ebenfalls vor. So nutzen laut der Studie sechs Prozent diese Methode, um den Eindruck zu erwecken, noch am Arbeitsplatz zu sein. Dabei gilt: Nicht jede längere Pause oder private Erledigung bedeutet automatisch, dass jemand absichtlich Arbeit vortäuscht. Entscheidend ist, ob Beschäftigte damit gezielt einen falschen Eindruck vermitteln wollen.

Die Studie verweist dabei auf die Unterschiede beim persönlichen Unbehagen. So fühlen sich 32 Prozent vor allem dann schuldig oder unwohl, wenn sie während der Arbeitszeit im Büro private Aufgaben erledigen. Im Home Office trifft das lediglich auf neun Prozent zu. Weitere 20 Prozent empfinden in beiden Situationen ein ähnlich starkes Unbehagen. 25 Prozent geben dagegen an, sich weder im Büro noch zu Hause deswegen schlecht zu fühlen.

Die Zahlen zeigen, dass private Erledigungen im Büro offenbar häufiger mit einem schlechten Gewissen verbunden sind. Ob dafür die Anwesenheit von Kolleg:innen, die Unternehmenskultur oder andere Faktoren verantwortlich sind, lässt sich aus der Studie nicht eindeutig ableiten.


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© Chris Yang – Unsplash


Mehr Kontrolle durch Überwachung?

Wie sollten Unternehmen reagieren, wenn Beschäftigte ihre digitale Präsenz künstlich aufrechterhalten? Eine strengere Kontrolle scheint zunächst naheliegend. Doch die Befragten stehen einer minutengenauen Überwachung kritisch gegenüber. 37 Prozent erwarten dadurch deutlich mehr Stress, weitere 25 Prozent zumindest eine leichte Zunahme. Insgesamt rechnen somit 62 Prozent mit einer höheren Belastung.

29 Prozent hätten das Gefühl, dass ihr:e Arbeitgeber:in ihnen weniger vertraut. 16 Prozent würden sogar darüber nachdenken, sich einen anderen Job zu suchen. Lediglich 15 Prozent erwarten keine wesentlichen Auswirkungen. Eine strengere Überwachung könnte dadurch eher dazu führen, dass Beschäftigte noch mehr das Gefühl haben, ihre Produktivität beweisen zu müssen.

Für Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, ob sie tatsächlich die geleistete Arbeit bewerten oder vor allem sichtbare Beschäftigung erwarten. Ein grüner Status, ein voller Kalender oder eine spät versendete E-Mail sind schließlich kein verlässlicher Beweis für gute Ergebnisse. Die Studie legt dennoch nahe, dass eine stärkere Überwachung nicht automatisch die Produktivität verbessert. Statt jede Minute zu kontrollieren, könnten klare Arbeitsziele und eine stärkere Orientierung an tatsächlichen Ergebnissen sinnvoller sein.

Doch wie häufig erledigen Arbeitnehmer:innen private Dinge während der Arbeit, wie viel Zeit wird dafür verwendet und steigert das eventuell sogar die Produktivität? Mehr dazu erfährst du im folgenden Artikel:


Fast 6 von 10 Beschäftigten erledigen Privates im Job

– und fühlen sich produktiver

Eine Frau sitzt an ihrem Bürotisch und telefoniert mit einem Handy in der Hand. Neuer Artikel: Fast 6 von 10 Beschäftigten erledigen Privates im Job – und fühlen sich produktiver
© www.kaboompics.com – Pexels


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