Human Resources
Job Hugging, Dienst nach Vorschrift und Quiet Quitting: So sieht es zurzeit in der Arbeitswelt aus

Job Hugging, Dienst nach Vorschrift und Quiet Quitting: So sieht es zurzeit in der Arbeitswelt aus

Selina Beck | 21.10.26

Technische Probleme und KI in täglichen Workflows bestimmen das Arbeitsleben vieler ebenso wie Trends zur Arbeitsreduzierung. Das zeigen die Ergebnisse der „State of Hybrid Work 2026“-Studie. Doch was wünschen sich die Beschäftigten zurzeit am meisten?

Arbeit wird flexibler, digitaler und vernetzter – das zeigt die neue „State of Hybrid Work 2026“-Studie von Owl Labs. KI ist längst Bestandteil alltäglicher Workflows. Zudem gilt nicht mehr die Wahl zwischen Büro oder Home Office, sondern die Beschäftigten wünschen sich Flexibilität und die technische Unterstützung und Ausstattung, um remote arbeiten zu können. 66 Prozent der Belegschaft wünschen sich hybride Arbeitsmodelle. Dabei sehen allerdings 63 Prozent Generationenunterschiede, da jüngere Führungskräfte flexiblem Arbeiten ihrer Ansicht nach aufgeschlossener gegenüberstehen als ältere.

39 Prozent der Befragten sind drei Tage in der Woche im Büro, © Owl Labs, Screenshot, Grafik,
39 Prozent der Befragten sind drei Tage in der Woche im Büro, © Owl Labs

Die Vier-Tage-Woche bleibt ebenfalls im Trend: 36 Prozent der Befragten würden für eine Vier-Tage-Woche auf zehn Prozent oder mehr ihres Gehalts verzichten. In der Studie wird außerdem deutlich, dass jede:r fünfte Arbeitnehmer:in zusätzliche Nebeneinkünfte aufbaut. Generell werden Privat- und Berufsleben stärker miteinander verbunden.

Technische Probleme immer noch vorherrschend

Trotz der Entwicklungen – vor allem im Bereich KI – berichten viele Beschäftigte immer noch von technischen Hindernissen bei ihrer Arbeit. Vor allem in Meetings, die immer öfter digital stattfinden, fallen technische Schwierigkeiten auf. So verlieren 66,7 Prozent beim Start hybrider Meetings Zeit durch technische Probleme. Im Schnitt gehen fünf Minuten beim Start eines Hybrid-Meetings verloren, elf Prozent der Befragten verlieren sogar mehr als zehn Minuten. 63,4 Prozent geben sogar an, nicht alle Teilnehmer:innen hören zu können, während 60,7 Prozent von visuellen Problemen berichten.

Doch auch im Meeting-Raum vor Ort kommt es zu technischen Hindernissen. Wohl auch deshalb setzen immer noch 25,2 Prozent auf das Mitbringen eigener Laptops in das Meeting, um Inhalte kabellos zu teilen. 18,5 Prozent bringen sogar den eigenen Laptop mit, ohne ihn mit anderer Technik zu verbinden.

KI-Einsatz vor allem in großen Unternehmen – doch Sicherheitslücken drohen

Die KI-Nutzung ist in der Arbeitswelt angekommen, doch oft wird mit nicht zugelassenen KI-Tools gearbeitet, zeigt die Studie. 82,2 Prozent der Befragten nutzen KI bei der Arbeit. Aber: 28,9 Prozent verwenden KI-Tools, welche die Arbeitgeber:innen nicht offiziell freigegeben haben. Bei den Führungskräften sind es sogar 55,5 Prozent, die nicht genehmigte KI-Tools verwenden. Zu welchen Risiken das führen kann, haben wir in diesem Artikel geschildert.


Security-Alarm:

56 Prozent der Beschäftigten nutzen nicht freigegebene KI-Tools ohne schlechtes Gewissen

Ein Computerbildschirm welches das Wort Security anzeigt
© Pixabay – Pexels


In der Hälfte der Unternehmen (50,1 Prozent) wird die KI-Nutzung aktiv unterstützt oder gefördert. Dabei zeigen sich aber Unterschiede in der Unternehmensgröße, denn in Enterprise-Unternehmen geben 71,7 Prozent der Befragten an, dass KI gefördert oder vorausgesetzt wird. In kleinen und mittelständischen Unternehmen sagen dies nur 44,9 Prozent.

Die Hälfte der Firmen ermutigt die KI-Nutzung des Personals, © Owl Labs, Screenshot, 5 Prozent raten von Nutzung ab, 9 Prozent keine Haltung zu KI, 16 Prozent neutral zu KI-Einsatz
Die Hälfte der Firmen ermutigt die KI-Nutzung des Personals, © Owl Labs

Die meisten Beschäftigten geben an, dass sie KI-Tools täglich beziehungsweise mehrmals in der Woche nutzen (je 24 Prozent). 18 Prozent hingegen nutzen KI nie. Dabei sieht die Mehrheit die KI-Nutzung positiv: 56 Prozent der Beschäftigten geben an, dass die Nutzung von KI ihre Arbeit produktiver gemacht hat. 52 Prozent sagen, dass der KI-Einsatz bei der Arbeit das Vertrauen in ihre Fähigkeiten gestärkt hat.

Dennoch haben auch 36 Prozent die Sorge, dass KI die Arbeitsrolle überflüssig macht. Ein Drittel sieht eine Beeinträchtigung der eigenen Arbeitsproduktivität durch die KI-Nutzung.

Von Dienst nach Vorschrift bis Quiet Quitting

Gefragt nach der aktuellen Situation am Arbeitsplatz sagen 31 Prozent, dass sie Dienst nach Vorschrift absolvieren. 27 Prozent hingegen betreiben Job Hugging, halten also an ihrem Job fest, obwohl sie unzufrieden sind. 26 Prozent blocken Zeiten im Kalender, damit Kolleg:innen sie nicht belegen können. 20 Prozent betreiben Quiet Quitting, haben also innerlich schon gekündigt und erledigen nur noch das absolute Minimum.

Fast ein Drittel der Befragten fehlt das Gefühl der Wertschätzung, © Owl Labs, Screenshot, 30 Prozent fühlen sich nicht wertgeschätzt, 28 Prozent wollen fair vergütet werden, 23 Prozent fühlen sich ausgebrannt
Fast ein Drittel der Befragten fehlt das Gefühl der Wertschätzung, © Owl Labs

51 Prozent der Arbeitnehmer:innen interessieren sich für Microshifting (Arbeitstag in kurze Arbeitsblöcke aufteilen und an andere Aufgaben sowie eigenes Energielevel anpassen). Vor allem Millennials interessieren sich zu 53 Prozent für diese Methode.

Wünsche der Beschäftigten

Nach den Prioritäten befragt, nennen 87 Prozent ihr Gehalt. Für 82 Prozent ist die Gehaltsgerechtigkeit entscheidend, während sich ebenfalls 82 Prozent unterstützende Führungskräfte wünschen. Flexible Arbeitszeiten nennen 80 Prozent als Priorität, gute Technik 79 Prozent.

75 Prozent plädieren für eine gute Büroumgebung und 74 Prozent für Zusatzleistungen. Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind für 72 Prozent ausschlaggebend. 71 Prozent geben Entwicklungsmöglichkeit als Wunsch an. 69 Prozent wollen einen eigenen Schreibtisch beziehungsweise ein eigenes Büro haben, ebenso viele wünschen sich Flexibilität beim Arbeitsort.

Flexible Arbeitszeiten sind für die meisten der Befragten das wichtigste Benefit,  © Owl Labs, Screenshot, 39 Prozent flexible Arbeitszeiten, 29 Prozent 4-Tage-Woche, 27 Prozent flexibler Arbeitsort
Flexible Arbeitszeiten sind für die meisten der Befragten das wichtigste Benefit, © Owl Labs

Diese Befürchtungen haben Arbeitnehmer:innen

In der Studie wurden auch die Sorgen in der Arbeitswelt thematisiert. 34 Prozent bemängeln fehlende Aufstiegsmöglichkeiten, 33 Prozent sorgen sich um die Einführung und Verbreitung von KI. 30 Prozent befürchten, nicht die gewünschte Flexibilität zu bekommen, während sich 29 Prozent um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes sorgen. Weitere 28 Prozent fürchten die Pflicht zur Rückkehr ins Office.

Für die Studie hat Owl Labs gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Vitreous World im Juli 2026 eine Online-Befragung unter über 2.000 Beschäftigten in Deutschland durchgeführt. Die Stichprobe ist allerdings nicht repräsentativ.


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