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Digitalisierung
Junge Menschen bis zu 70 Stunden pro Woche online – Fluch oder Segen für die Arbeitswelt?
© Paul Hanaoka - Unsplash

Junge Menschen bis zu 70 Stunden pro Woche online – Fluch oder Segen für die Arbeitswelt?

Michelle Winner | 12.08.21

Junge Talente beweisen eine starke Online-Affinität und sind gerüstet für die moderne, digitale Arbeitswelt. Dabei sollten die Schattenseiten von ständiger Erreichbarkeit und Co. jedoch nicht vergessen werden.

Jugendliche verbringen pro Woche knapp 70 Stunden online. Das zeigt zumindest die Postbank Jugend-Digitalstudie. Der digitale Raum ist nicht länger nur ein Rückzugsort für junge Menschen, sondern inzwischen auch ein wichtiger Arbeitsplatz für Schule, Ausbildung und Beruf. Während Unternehmen das Verhalten und die Fähigkeiten der Digital Natives für sich nutzen können, gehen damit aber auch Probleme einher.

70 Stunden online

Zunächst klingt diese große Zahl schockierend. Doch eigentlich ist es kein Wunder, dass junge Menschen, vor allem im Alter von 16 bis 18 Jahren, so viel Zeit online verbringen. Die Coronakrise hat sie im vergangenen Jahr zum Home Schooling oder Home Office gezwungen. Täglich gehen dafür im Schnitt 3,6 Online-Stunden drauf. Die restlichen Stunden kommen durch Freizeitaktivitäten zustande. Denn diese mussten die Jugendlichen auch fast gänzlich in den digitalen Raum verschieben. So waren es 2019 nur 58 Stunden pro Woche. Am meisten wird dabei natürlich zum Smartphone gegriffen, denn Apps wie TikTok, Snapchat und Instagram erfreuen sich großer Beliebtheit. Teilweise werden aber auch Streamingdienste genutzt. Die Nutzung der verschiedenen Endprodukte teilt sich wie folgt auf:

  • Smartphone 41 Stunden pro Woche
  • Laptop oder Desktop PC 21 Stunden pro Woche
  • Smart TV 5,1 Stunden pro Woche
  • Tablet 4,9 Stunden pro Woche
  • Spielekonsolen 4,4 Stunden pro Woche

Es ist anzunehmen, dass sich auch nach der Pandemie wenig am Online-Verhalten von jungen Menschen ändern wird. Zwar wird sich ein Teil des Privatlebens wieder in Persona abspielen können, aber besonders das Smartphone wird weiterhin viel genutzt werden. Doch was bedeuten es, wenn so viel Zeit online verbracht wird? Muss diese Entwicklung tadelnd beobachtet werden? Oder gibt es vielleicht Vorteile für Arbeitswelt und Unternehmen, die daraus resultieren?

Digital Natives sind gewappnet für die Arbeitswelt von morgen

Junge Menschen sind bestens vorbereitet auf eine moderne, digitale Arbeitswelt. Sie sind offen für den technischen Fortschritt und brauchen in der Regel keine großen Erklärungen darüber, wie Clouds, Video Chat und Co. funktionieren. Hinsichtlich der wachsenden Beliebtheit hybrider Arbeitsmodelle ist das ein großer Vorteil der jungen Menschen. Hinzu kommt, dass sie das Internet und Social Media kennen. Sie verstehen Memes, TikTok-Tänze und virale Trends, was ihnen vor allem in Marketing-Berufen helfen kann. Übrigens findest du in unserem Quiz heraus, welcher Smartphone-User-Typ zu bist.

Unternehmen können die Online-Affinität von jungen Menschen gezielt nutzen – und zwar nicht nur fürs Marketing. Um junge Talente für sich zu gewinnen, liegt der Fokus immer mehr auf Digital Recruiting. Die Jugendlichen müssen dort angesprochen werden, wo sie sich aufhalten: Online. Social Media Recruiting spielt hierbei eine tragende Rolle, was bedeutet, dass Unternehmen ihre Social-Kanäle fürs Employer Branding nutzen sollten. Wichtig ist hier ein authentischer Auftritt, bei dem das Unternehmen sich als moderner Arbeitsplatz darstellt, virale Trends aufgreift und Blicke hinter die Kulissen gewährt. Das geht besonders gut über folgende Wege:

  • Livestreams inklusive Fragerunden
  • TikToks und Reels mit spannenden Einblicken
  • Stories
  • Erstellung eigener Memes
  • Unterstützung gesellschaftlicher Bewegungen (zum Beispiel Pride Month, Fridays for Future, Black Lives Matter)
  • Regelmäßige Updates zu offenen Stellen inklusive Jobbeschreibung

Am besten gibt man den jungen Talenten hier auch direkt die Möglichkeit, sich über Social Media zu bewerben, denn es ist keine Seltenheit mehr, dass Bewerbungsdokumente auf dem Smartphone gespeichert und verschickt werden. Eine detaillierte Anleitung zum Social Media Recruiting findest du in unserem Digital Recruiting 101.

Die Schattenseiten des Online-Verhaltens

Doch auch wenn die Online-Affinität junger Menschen viele Vorteile und neuen Wind in die Arbeitswelt bringt, gilt es Vorsicht walten zu lassen. Dabei geht es nicht darum, mit dem Zeigefinger auf Gen Z und die Millennials zu zeigen, sondern die Risiken eines exzessiven Online-Verhaltens aufzuzeigen – die übrigens auch Boomer und Co. betreffen.

Ständige Erreichbarkeit

Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt können die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben immer mehr verschwimmen. Einige Menschen tendieren dazu, auch nach Feierabend noch Mails zu checken und sind quasi rund um die Uhr erreichbar. Abschalten wir so schwer und nach und nach kann sich daraus ein exzessives Verhalten entwickeln. Die Work-Life-Balance wird durcheinander gebracht und die Betroffenen schaffen es nicht, zur Ruhe zu kommen. Das erhöht den Stresslevel, führt zu innerer Unruhe und kann im schlimmsten Fall mit Burnout enden. Hinzu kommt, dass die Beziehung zu Familie und Freund:innen darunter leiden kann und so die Effekte noch verstärkt werden.

Schlechter Schlaf

Noch schnell Social Media vor dem Schlafengehen checken oder noch eine Folge auf Netflix streamen? Alltag für viele, aber gleichzeitig auch ein Verhalten, das sich negativ auf den Schlaf auswirken kann. Besonders Blaulicht, das von Smartphone und Co. ausgestrahlt wird, gilt als Verursacher schlechten Schlafs. Wenn du also unbedingt vor dem Schlafengehen noch online sein möchtest, aktiviere den meist integrierten Blaulichtfilter. Generell kann eine feste Abendroutine dabei helfen, das abendliche Online-Verhalten sowie den Schlaf zu verbessern.

Körperliche Beschwerden

Zu viel am Handy oder Laptop zu sein, kann sich auch auf den Körper auswirken. Eine schlechte Haltung am Computer oder beim Scrollen durch den Feed belastet Rücken und Nacken, wodurch Verspannungen entstehen können. Und auch die Augen werden durch zu viel Screen Time strapaziert, wodurch einige Menschen eine Brille benötigen. Das Tippen und Halten des Smartphones birgt ebenfalls Risiken: Auch hier kann es zu Verspannungen in Hand und Arm kommen sowie zur Sehnenscheidenentzündung und zum Handydaumen, durch die Überlastung der Sehnen.

Suchtverhalten

Die exzessive Nutzung von Smartphone und Co. kann sich zu einem regelrechten Suchtverhalten entwickeln. Die Betroffenen leiden meist an den folgenden „Symptomen“:

  • Ständiges Checken des Smartphones
  • Angst, etwas zu verpassen, wenn man offline ist
  • Panik bei einem niedrigen Akkustand
  • Unwohlsein, wenn das Handy zu Hause vergessen wird
  • Unfähigkeit, das Handy für einen gewissen Zeitraum wegzulegen

Eine Smartphone- oder Online-Sucht kann sich negativ auf die Offline-Beziehungen zu Freunden und Familie auswirken. Zudem sind die Betroffenen oft abgelenkt bei der Arbeit, was meist einen Leistungsabfall bedeutet und Konsequenzen nach sich ziehen kann. Teilweise wird es sogar lebensgefährlich, wenn beispielsweise auch am Autosteuer zum Smartphone gegriffen wird.

Online-Affinität als Fluch und Segen

Es zeigt sich also, dass die Online-Affinität junger Menschen Vorteile, aber auch Risiken mit sich bringt. Unternehmen sollten die guten Seiten nutzen, um ihre Rekrutierungsprozesse zu optimieren und so im War for Talents zu bestehen. Gleichzeitig sollte stets über die Risiken von zu exzessivem Online-Verhalten aufgeklärt werden, um zu verhindern, dass sich Suchtverhaltensweisen entwickeln und die „Generation Smartphone“ stark stigmatisiert wird.

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