Wegen Hate Speech auf YouTube: Mitarbeiter starten Petition gegen Google als Sponsor der Pride Parade

In der Petition sprachen sich Googler gegen die Teilnahme Googles am Pride aus. Zu wenig kümmere sich das Unternehmen um seine LGBQT+ Mitarbeiter.

© Tristan Billet - Unsplash

In einer offenen Petition forderten rund hundert Google-Mitarbeiter die San Francisco Pride Parade, die am 30. Juni stattfinden wird, auf, Google als Sponsor fallen zu lassen. Die frustrierten Mitarbeiter sähen keinen anderen Weg, schrieben sie in ihrem Brief, der auch online zu finden ist. Die Aufforderung ist eine Reaktion auf Vorkommnisse wie den Fall Maza/Crowder und die schon häufiger in die Kritik geratene Unternehmenskultur Googles.

„Wir haben lange genug gewartet“

Die Unterzeichnenden, die sich selbst der LGBQT+ Community zuordnen oder diese unterstützen, zeigen sich mit dem Umgang von Google mit LGBQT+ Angehörigen nicht zufrieden. Nach mehreren Anfragen, die Politik und Praktiken innerhalb des Unternehmens zu verändern, hätten sie jetzt lange genug gewartet, heißt es in dem Brief.

For a large company, perhaps waiting is prudent, but for those whose very right to exist is threatened, we say there is no time to waste, and we have waited too long, already. We are no longer content to wait.

Doch in einem gestern veröffentlichten Statement der Organisatoren des San Francisco Pride gaben diese bekannt, dass Google weiterhin an der Parade teilnehmen wird. Schließlich sei das Unternehmen schon seit zehn Jahren ein Unterstützer des Events. Derzeit werden im Unternehmen auch Unterschriften für eine Gegenpetition gesammelt.

Woher kommt der Unmut der Mitarbeiter?

Die Petition ist nicht die erste Aktion, die Google-Mitarbeiter hinsichtlich der Unternehmenskultur ihres Arbeitgebers in die Wege leiten. Ende 2018 protestierten 17.000 Mitarbeiter für einen Wandel in der Branche, in der patriarchalische Strukturen aufrecht erhalten und sexuelle Belästigungen kleingeredet werden. Google reagierte damals mit einer Entschuldigung und neuen Richtlinien insbesondere hinsichtlich sexueller Belästigungen. Doch es dauerte nicht lange und das nächste Problem lag auf dem Tisch: Im Internet – besonders auf Twitter – entbrannte eine Debatte um den homosexuellen Journalisten Carlos Maza, der von dem erzkonservativen YouTuber Steven Crowder auf der Plattform extrem rassistisch und homophob beleidigt worden war. YouTube entschied sich, die Hate Speech online zu lassen, da sie nicht gegen ihre Richtlinien verstoße. YouTubes CEO Susan Wojcicki gab kurz darauf in einem Interview zu, dass die Entscheidung „very hurtful to the LGBQT community“ gewesen ist, doch stand weiterhin dazu, dass es die richtige war.

Ein Unternehmen, das nicht gegen die Hassrede gegen eine Person aufgrund ihrer Sexualität vorgehe, habe auf der Pride Parade nichts zu suchen, so die Meinung der Mitarbeiter. Sie hatten überlegt, während der Parade sichtbar gegen YouTube zu protestieren, was von Google sofort untersagt wurde. Nur bei einem Auftritt als Privatperson und nicht in der Gruppe von Google wäre dies zulässig.

Googles Zwickmühle

Google hat sich selbst in eine Zwickmühle manövriert. Langsam hat sich ein Teil der LGBQT+ Community gegen den Internetriesen gewandt und wird sich so leicht nicht besänftigen lassen. Jetzt anzufangen, Videos mit kritischen Inhalten von der Plattform zu nehmen, würde noch stärker verdeutlichen, wie unschlüssig und uneins YouTube scheinbar mit den eigenen Richtlinien ist. Klar ist, dass Google intern und nach außen hin einiges ändern muss, um wieder offen und positiv wahrgenommen zu werden. Auch wenn die Petition ins Leere läuft und Google weiterhin Sponsor der Parade bleibt, haben die Mitarbeiter mit ihrer Aktion Aufmerksamkeit erregen und den Blick auf ein wichtiges Thema lenken können, das nicht unbemerkt bleiben darf.

2 Gedanken zu „Wegen Hate Speech auf YouTube: Mitarbeiter starten Petition gegen Google als Sponsor der Pride Parade

  1. Kuedde

    Also nur zur Richtigstellung Steven Crowder ist kein Rechtsextremer sondern ein Konservativer, und in Amerika herrscht freedom of speech (first ammendment). Da darf man auch Dinge sagen die andere nicht gerne hören.

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    1. Niklas LewanczikNiklas Lewanczik

      Hallo Kuedde,

      ja, das Wording haben wir angepasst, „rechtsextrem“ ist in dem Kontext nicht zwingend haltbar. Dennoch hat sich Crowder bei YouTube mindestens als homophob und rassistisch und seine Mitmenschen verachtend präsentiert. YouTube hat seinen Account demonetarisiert, weil es „wiederholte ungeheuerliche Aktionen“ gegeben hatte. Dinge zu sagen, die andere nicht gern hören, gehört zu einer Diskussionskultur, auch in Social Media, und ist der freien Meinungsäußerung zuzuschreiben. Das heißt aber nicht, dass Äußerungen wie jene von Crowder einfach hingenommen werden müssen, wenn sie klar gegen Richtlinien verstoßen.

      Grüße

      Antworten

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